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Ein zweiter Blick auf Kingsoft Office für Windows, Mac und Linux

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Unter Linux dürften die meisten Anwender ihre Office-Arbeiten wohl mit LibreOffice oder OpenOffice.org erledigen. Es gibt neben den Platzhirschen jedoch auch noch andere Office-Suiten für Linux, die nicht ganz so weite Verbreitung gefunden haben. So kann man sich zum Beispiel auch Lotus Symphony unter Linux installieren oder auch das Softmaker FreeOffice unter Linux nutzen. Die Calligra Suite — das “KDE-Office”– darf in dieser Aufzählung natürlich auch nicht fehlen, und auch Microsoft Office für Linux ist mal wieder im Gespräch. Mit dem Kingsoft Office reift nun aber so langsam ein weiteres Office für Linux heran.

Anfang des letzten Jahres hatte ich schon einmal einen Blick auf Kingsoft Office geworfen. Damals war die Linux-Version recht neu und man musste sich die die noch junge Officesuite für Linux von einer in chinesisch gehaltenen Seite herunterladen — dort wird das Office auch entwickelt — inzwischen gibt es jedoch auch eine englischsprachige Download-Seite mit ausführlichen Changelogs, schließlich ist das Office ja noch offiziell im Alpha-Status.

Kingsoft Office für Linux

Von dort lässt sich aktuell Kingsoft Office for Linux Alpha12 Patch4 als DEB-Paket für Debian, Ubuntus oder Linux Mints oder im RPM-Format für Fedoras oder OpenSUSEs herunterladen. Die Installation des Kingsoft Office erfolgt dann bequem über die Paketverwaltung. Es gibt auch ein TAR.GZ-Archiv das sich distributionsunabhängig nutzen lässt, Installationshinweise dafür gibt es im WPS for Linux install guide.

Unter Arch Linux kann man zur Installation der Office-Suite wie so oft auf das Arch-User-Repository zurückgreifen. Dort gibt es gleich mehrere Einträge zur Installation des Kingsoft Office. Ich würde auf kingsoft-office setzen und im selben Zug auch noch gleich mit ttf-wps-symbol-fonts zusätzliche Fonts für Aufzählungszeichen und andere Sonderzeichen für Formeln einspielen, so sollte das Office beim Start auch nicht mehr diesbezüglich meckern.

$ pacaur -S kingsoft-office ttf-wps-symbol-fonts

Nach der Installation solltet ihr das Office starten und als erstes noch die deutschsprachige Rechtschreibkorrektur einspielen. Über “Review -> Set Spellcheck Language -> More” kommt ihr zur entsprechenden Download-Seite von der ihr das Paket “de_DE.zip” herunterladen könnt. Per “Install” aus dem selben Fenster spielt ihr dann das Rechtschreib-Paket in Kingsoft Office ein. Das selbe ließe sich unter “Writer -> Tools -> Switch Language” auch mit der Oberfläche machen — doch hier gibt es noch keine Ergänzung für Deutsch.

Mit Writer, Spreadsheets und Presentations bietet Kingsoft Office eigentlich alles, was man im Office-Leben braucht. Eine Datenbank-Anwendung fehlt — wird aber auch wohl sehr selten verlangt. Mit seiner seiner sehr an die Ribbons von Microsoft Office erinnernden Oberfläche dürfte man sich als Umsteiger von anderen Offices recht schnell in Kingsoft zurechtfinden. Hilfe bekommt ihr zum Beispiel im Kingsoft-Community-Forum, in dem ein eigener Abschnitt für die Linux-Version des Office eingerichtet wurde.

Writer, Spreadsheets und Presentations

Ich habe mich jetzt nicht tief in das Office eingegraben, aber auf den ersten Blick funktioniert Kingsoft Office trotz seines Alpha-Status so wie es soll. Eine Reihe von Testdokumenten im Office-Open-XML-Format, also DOCX-, PPTX- oder XLSX-Dateien,  wurden in Kingsoft korrekt dargestellt und konnten nach der Bearbeitung auch wieder in Microsoft Office ohne Störungen geladen werden. Allerdings waren das auch keine super aufwändigen Dateien — wenn aber LibreOffice mit einer Office-Datei Probleme haben sollte, dann kann man ihr unter Linux und Kingsoft eine zweite Chance geben.

Die Schriftdarstellung von LibreOffice und Kingsoft Office im Vergleich.

Nicht ganz so gelungen finde — da bin ich auch nicht alleine — finde ich das Font-Rendering innerhalb von Kingsoft Office. Wie etwa Skype greift auch die Office-Alternative aus China auf das Qt-Framework zurück. Im Office sehen die Schriften allerdings nicht sonderlich sauber aus, sie zeigen deutliche Treppeneffekte. Am Qt-Setup meines Systems sollte es eigentlich nicht liegen, da Skype und andere Qt-Apps diese Problematik nicht aufzeigen. Eine Lösung dafür konnte ich leider noch nicht finden.

Kingsoft Office auch für Android

Sein Office baut Kingsoft übrigens nicht nur für den PC, sondern auch für Android — daher resultiert auch der durchaus gekonnte Umgang mit den neuen “X-Formaten” des Microsoft Office. Mit einer durchschnittlichen Bewertung von 4.4 Sternen und über 10 Millionen Installationen liegt das China-Office gar nicht mal schlecht im Rennen. Googles Quickoffice oder auch Microsoft Office Mobile liegen in der Gunst der Android-User unter Kingsoft Office für Android.

Autor: Christoph

Hallo, ich bin Christoph -- Linux-User, Blogger und pragmatischer Fan freier Software. Wie Ihr ohne Zweifel bemerkt haben solltet schreibe ich hier über Linux im Allgemeinen, Ubuntu im Speziellen, sowie Android und andere Internet-Themen. Wenn du Freude an meinen Artikel gefunden haben solltest, dann kannst du mir über Facebook, Google+ oder Twitter oder natürlich dem Blog folgen.

7 Kommentare

  1. Spannend! Gefühlt 90% meiner Zeit am PC sitze ich an einem Office-Programm und LibreOffice ist wirklich nicht perfekt.

    Hat jmd. ausführliche Erfahrung mit der chinesischen Alternative?

  2. Das deutsche Sprachpaket bekommt man übrigens hier:
    https://github.com/wps-community/wps_i18n/tree/master/de_DE

  3. Wo Licht ist, ist leider auch Schatten.

    Das Fontrendering ist bei mit (Lubuntu 12.04) in Ordnung. Kein Unterschied zu Libreoffice. Manche Dokumente werden von WPS Office besser importiert und manche von Libreoffice, das kommt auf den Einzelfall an.

    Gefühlt dachte ich am Anfang der letzten Woche noch, dass WPS eine bessere Kompatibilität zu den MS-Formaten hat. Habe aber am Freitag unter WPS ein originäres Word 2010 Dokument geändert, was beim Kunden unter MS Office 2010 von der Formatierung her leider anders aussah, als gewünscht. Das Dokument war auch nicht aufwändig, sondern bestand lediglich aus Überschriften, Fließtext und Aufzählungen. Libreoffice habe ich danach nicht versucht, sondern bin gleich zu Word gewechselt um den Kunden nicht noch mehr zu verärgern. Ein weiterer Minuspunkt für WPS ist für mich der Druck. Zu Hause auf einem Brother DCP-J 315 W sehen die Drucke aus beiden Officeprogrammen identisch aus. Auf einem Ricoh-Aficio MP C3001 mit PXL-Treiber, übrigens der einzige Treiber der auf meinem System funktionierte, kommt bei WPS Office ein Dokument heraus, was mich an 24-Nadeldrucker aus den 90ern erinnert. Bei Libreoffice kein Problem. Damit fällt WPS für mich im Kundenkontext leider aus.

    Auf der anderen Seite untertütze ich gerade ein Familienmitglied bei der Erstellung einer Präsentation. Das mehrfache Importieren und Exportieren unter WPS und MS Office klappte problemlos, wohingegen bei Libreoffice beim Import deutliche Formatierunsgfehler zeigte.

    Letzendlich habe ich beide Officepakete, Libreoffice und WPS Office (inkl. deutschem Sprachpaket und deutscher Rechtschreibung) auf meinen Rechnern und verwende diese je nach Gefühl und Gusto. Mal schauen, wohin die Entwicklung geht…

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  5. Zumindest unter Windows stellt das Font Rendering keine Probleme da. Die Android-Version macht ebenfalls keine Probleme diesbezüglich. Unter Mageia und evtl. Debian werde ich es noch ausprobieren.

    Was mich aber auf jeden Fall stört: Wieso hält sich das Office nicht an das festgelegte Design-Schema des Systems und zeichnet die Fenster einfach nach Gusto? Mir ist ein einheitlicher Look recht wichtig. Generell fällt mir dieser Fakt bei Software aus China gehäuft auf, keine Ahnung, ob das nur an meiner Softwareauswahl liegt, oder dort so üblich ist.

  6. Von der Oberfläche her ist Kingsoft Office recht gelungen, aber unter der Haube ist es doch ziemlioch unausgegoren. Nicht nur, dass es sprachlich nur in Englisch/Chinesisch verfügbar ist: es verändert bei jedem Start auch Regionaleinstellungen, was sich auch auf andere Programme auswirkt. Datums- und Dezimaltrennung werden ungewollt verändert, etc.pp.

    Was die Kompatibilität zu Microsoft-Office-Formaten betrifft, ist es zwar besser als LibreOffice / OpenOffice, aber man darf dennoch regelmäßig mit zerschossenen Formatierungen rechnen.

    Unterm Strich ist nach wie vor SoftMaker FreeOffice das empfehlenswerteste Gratis-Officepaket, da es als einziges eine nahezu verlustfreie Kompatibilität zu Word, Excel und PowerPoint mitbringt, wenig Platz braucht, schnell und stabil läuft, was man von allen anderen nicht behaupten kann.

  7. Wie beim ersten Beitrag zu Kingsoft Office hast Du wieder nicht angemerkt, dass es kein ODF unterstützt. Das halte ich für einen überaus wesentlichen Punkt! Ein weiteres Office-Paket, das nur den Microsoft-Standard unterstützt – den Microsoft bekanntermaßen nicht mal selber einhält – ist nicht unbedingt zu feiern.

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