An Ubuntu Karmic Koala, das im Oktober erscheinen wird, wurde ja schon eine ganze Weile gebastelt. Die ersten Alphas haben mir persönlich nicht sonderlich gut gefallen, an vielen Fronten wurde offensichtlich gebaut. Gestern ist die sechste Alpha erschienen, Zeit einen kurzen Blick auf die neusten Features zu werfen, die langsam ein aussagekräftiges Bild über Karmic ergeben…

Neue Versionen

Wie immer gibt es aktuelle Version der üblichen Verdächtigen. Firefox 3.5, OpenOffice.org 3.1.1, Gimp 2.6.7, GNOME 2.27 (später natürlich 2.28) usw. sind mit an Bord. Dazu noch Kernel 2.6.31 und X-Server 1.6.3 als Unterbau und Ext4 als Standard-Dateisystem. Doch zu diesen neuen Programmversionen möchte ich eigentliche nicht viele Worte verlieren. Interessanter ist das Drumherum :)

Empathy anstatt Pidgin

Bei einer Neuinstallation von Ubuntu wird mit Karmic nun nicht mehr Pidgin als Instant-Messaging Programm vorinstalliert, sondern Empathy. Zu Empathy habe ich ja bereits einige Beiträge erstellt, dort findet Ihr einige Informationen. Kurz gesagt sind mit Empathy Audio/Video-Gespräche über Jabber/Jingle, die Freigabe des Desktops, Dateitransfers und vieles mehr möglich.

Ich hoffe noch, dass telepathy-butterfly 0.5.1 in die Paketquellen aufgenommen wird, denn dann kann Empathy auch Audio/Video-Gespräche mit MSN Accounts (eng) führen.

Xsplash und GDM

Die auffälligste Neuerung ist sicherlich der Nachfolger des Bootbildschirms Usplash namens Xsplash (eng). Dieser benutzt einen graphischen Xserver um eine nette Animation während des Bootens darzustellen. In den ersten Alphas sah das Ding mächtig hässlich aus, doch nun (mit einem Update für die Alpha6) kommt das erste hübsche Theme ins Spiel…

.ogv-Version des Videos

… und ich muss sagen, dass es mir recht gut gefällt. Im Video sieht man auch den neuen Login-Manager GDM. Mir gefällt die Optik des neuen GDM nicht so gut, allerdings macht er es den Benutzern leichter zwischen verschiedenen Sitzungen und Sprachen zu wechseln. Mal sehen ob der GdmFaceBrowser (eng) mit Karmic+1 umgesetzt wird.

Ubuntu Software Store

Der Ubuntu Software Store (eng) sticht ebenfalls recht schnell ins Auge. Aktuell findet man ihn unter “System -> Ubuntu Software Store”, wahrscheinlich ersetzt er noch “Anwendungen -> Hinzufügen/Entfernen” in den ersten Betas.

Der Ubuntu Software Store erleichtert das Auffinden von Software.

Der Ubuntu Software Store erleichtert das Auffinden von Software.

Der Ubuntu Software Store ist ein guter Ersatz für “Hinzufügen/Entfernen”, da er die Anwendungen deutlich umfangreicher beschreibt und auch Screenshots liefert. So finden sich gerade Umsteiger besser zurecht, denen die Namen der “neuen” Linux-Programme meist wenig sagen.

Allerdings habe ich auch so meine Bedenken beim Ubuntu Software Store. Werden hier kommerzielle Programme in größerem Umfang in Ubuntu Einzug erhalten? Wird es einen App-Store wie beim iPhone geben, in dem Programme für 99 Cent zu kaufen sein werden? Für mich ein grausames Szenario…

Ubuntu One

Ebenfalls von Haus aus installiert ist der “Cloud-Speicherdienst” Ubuntu One (eng). Ähnlich wie beim bekannten Konkurrenten Dropbox gibt es zwei GB kostenlosen Speicherplatz, über den Dateien und Ordner von einem Rechner zum Nächsten synchronisiert werden können…

Der Cloud-Speicherdienst Ubuntu One

Der Cloud-Speicherdienst Ubuntu One

Gegenüber Dropbox hat Ubuntu One noch einiges an Boden aufzuholen. Es gibt keine Client-Programme für andere Betriebssysteme, kein P2P-Sync im LAN, das Web-Frontend ist deutlich unkomfortabler usw.

Neue Themes

Lange Jahre hat Ubuntu die angestaubten GNOME Themen Crux, Glider oder Dunst mit ausgeliefert ohne eigene Themes (außer natürlich das Ubuntu-Theme Human) mitzuinstallieren. Endlich gibts hübschere vorinstallierte Themes…

Endlich gibt es bessere vorinstallierte Themes.

Endlich gibts bessere vorinstallierte Themes.

Die “Ubuntu Community Themes” Dust und Dust Sand (eng) sind nun von Haus aus in “System -> Einstellungen -> Erscheinungsbild” zu finden. Zusammen mit den Themes “Neue Welle” und “Dark Room” kommt Ubuntu nun deutlich flotter daher. Ein neues Standard-Theme gibt es wieder nicht… Kommt aber ganz bestimmt mit dem Leuchtenden Luchs. Versprochen ;)

[UPDATE]7ero hat mich in den Kommentaren drauf hingewiesen. Dust und Dust Sand sind auch in Jaunty schon von Haus aus installiert. Da hat mir die Erinnerung einen Streich gespielt. Überarbeitet wurde das community-themes Paket. Es installiert das Icon-Set Breath und die Themes Impression, Kin, Night Impression und Turricon.[/UPDATE]

Keine Icons mehr in Menüs

Eine der meist diskutierten Änderungen wird sicherlich die Tatsache sein, dass GNOME 2.28 keine Icons mehr in den Menüs darstellt. Nur noch Bookmarks tragen ein Symbol. Menüeinträge wie Speichern, Laden, Neu usw. besitzen keine Icon mehr. Über das warum und weshalb könnt Ihr Euch im Ikhaya informieren.

GNOME 2.8 blendet Icons aus den Menüs aus.

GNOME 2.8 blendet Icons aus den Menüs aus.

Man muss nochmal betonen, dass diese Entscheidung nicht von Canonical kommt, sie wurde “Upstream” von GNOME getroffen… Wer lieber wieder Icons in den Menüs hat, der kann diese Änderung mit einem einzigen Befehl wieder rückgängig machen.

# Icons wieder aktivieren
$ gconftool-2 -s --type bool /desktop/gnome/interface/menus_have_icons true
# Icons doch wieder abschalten
$ gconftool-2 -s --type bool /desktop/gnome/interface/menus_have_icons false

Über den gconf-Schlüssel “/desktop/gnome/interface/menus_have_icons” könnt ihr die Icons wieder einblenden lassen.

Benachrichtigungsdienst

Seit Jaunty setzt Ubuntu auf die Eigenentwicklung NotifyOSD (eng) und nicht mehr auf den notification-daemon aus der GNOME Desktopumgebung. Hauptgrund dieser Entwicklung ist, dass Benachrichtigungen nur informieren und nicht im Weg stehen sollen. Mit Karmic wurde die Nachrichten (eng. Bubbles) weiter überarbeitet. Die Bubbles werden nun ein- und ausgeblendet, werden unscharf- und durchsichtiger wenn man mit der Maus in ihre Nähe kommt und lassen Zugriffe auf den darunter liegenden Desktop zu.

.ogv-Version des Videos

Das Video ist recht rucklig weil ich Karmic in einer virtuellen Maschine laufen lasse. Auf einem realen System ist NotifyOSD deutlich flüssiger. Weitere Videos findet Ihr auf der Homepage des Entwicklers Mirco “MacSlow” Müller (eng).

Optimierungen für Netbooks

Netbooks sind der Hardware-Hype der letzten zwei Jahre. Das Problem: Kleine Bildschirme mit geringer Auflösung auf die große Fenster nicht mehr vollständig passen. Der GNOME Entwickler Vincent Untz (eng) stellt in einem Interview auf heise open den Weg Richtung GNOME 3.0 vor und erwähnt dort auch, dass Anwendungen in dieser Richtung angepasst werden sollen. So wird es schon für GNOME 2.28 einen “Netbook-Modus” für den Bildbetrachter Eye of GNOME und das Videoprogramm Cheese geben.

"Wide Mode" für Eye of GNOME und Cheese

Bei Cheese konnte ich diese “Wide-Mode” schon endecken, bei Eye of GNOME allerdings noch nicht. Ich vermute dass die optionale Bildersammlung (aktivierbar über F9) an den rechten Rand wandern wird.

Laufwerksverwaltung

Ein großes Problem für viele Linux-Einsteiger ist/war das Formatieren und Einbinden von bestehenden oder neuen Laufwerken in das System. Dank dem Umstieg von HAL (eng) auf DeviceKit (eng) gibt es nun auch ein graphisches Werkzeug zum Managen von Laufwerken und Partitionen.

Die neue Palimpsest-Laufwerksverwaltung

Die neue Palimpsest-Laufwerksverwaltung

In Ubuntu Karmic wird es von Haus aus installiert, Ihr findet es unter “System -> Systemverwaltung -> Laufwerksverwaltung”. Darüber könnt Ihr Partitionen erstellen, löschen oder formatieren, Labels setzen und natürlich Partitionen ins Dateisystem einhängen.

Den Gesundgeheitszustand der Festplatte mittels S.M.A.R.T. auslesen.

Den Gesundgeheitszustand der Festplatte mittels S.M.A.R.T. auslesen.

Sollte die Festplatte den S.M.A.R.T.-Standard unterstützen (was eigentlich alle modernen Festplatten tun, dann kann man mit Palimpset auch den Festplattenstatus auslesen.