Dell ist einer der wenigen Big-Player im Computerhersteller Markt, der vorkonfigurierte Linux/Ubuntu-Systeme sowohl für Geschäftskunden wie auch Endverbraucher ausliefert. In Deutschland ist das Angebot für Privatkunden leider Gottes von jeher ziemlich mau gewesen. Aktuell gibt es laut Homepage mit dem Inspiron Mini 10v gerade mal ein Netbook mit Ubuntu zu kaufen. Früher gab es wenigstens zwei Laptops und auch einen Desktop mit Ubuntu zu kaufen. Ich frage deshalb bei der Pressestelle von Dell nach der Zukunft von Ubuntu und Dell.

LuI: Ich würde Sie gerne fragen warum Dell Deutschland in Sachen Linux (respektive Ubuntu) so zurückhaltend ist. In den Linux-Communitys herrscht über das zaghafte Engagement seitens Dell Deutschland etwas Unmut. Es wird mit Unverständnis auf die Entscheidung von Dell reagiert, in Deutschland nur ein Netbook mit Ubuntu anzubieten. Warum ist das Ubuntu-Angebot in Deutschland so dünn? Können die Linux-Anwender in näherer Zukunft mit weiteren Linux-Geräten von Dell Deutschland rechnen?

Dell: Im Rahmen der Dell CFI (Custom Factory Integration) können […] alle Business-Geräte mit Linux ausgestattet werden. In naher Zukunft können die Linux-Anwender auch mit weiteren Linux-Geräten von Dell rechnen: es werden demnächst viele aktuelle Consumer-Modelle mit Ubuntu kommen.

Kommentar: Ich tippe mal stark drauf, dass Dell mit dem Erscheinen von Ubuntu Lucid Lynx 10.04 im April dieses Jahres die Modellpalette umstellen wird. Als Ubuntu Hardy als LTS-Version mit drei Jahren Support veröffentlicht wurde und die ersten Dell-Modelle mit Ubuntu auf den Markt kamen, war die Auswahl auch größer. Dell scheint sich ausschließlich auf die LTS-Versionen von Ubuntu zu konzentrieren, und die sind wohl aufgrund des Alters der Version für Endanwender zu unsexy, um aktuell Ubuntu aktiv zu bewerben.

Produktsuche nach „ubuntu“ im Online-Shop

LuI: Mich irritiert auch etwas der Dell-Shop, sucht man nach dem Stichwort „Ubuntu“, so findet man drei Notebooks, die laut Beschreibung auch mit Ubuntu Linux verkauft werden (Siehe Markierungen im Screenshot). Geht man dann jedoch auf die Detailseiten der Geräte oder reduziert die Suche auf Geräte mit Ubuntu, dann wird nur noch das Inspiron Mini 10v ausgegeben. Ist es geplant das Dell Latitude 2100 sowie das Dell Vostro V13 mit Ubuntu auch in Deutschland anzubieten?

Dell: Die Angaben auf der Dell-Seite sind in der Tat teilweise etwas verwirrend. Alle Geräte im Dell-Webshop, die laut Beschreibung mit Ubuntu Linux verkauft werden (darunter auch das Latitude 2100 sowie das Vostro V13), können auch mit Linux erworben werden, vorübergehend aber nur bei telefonischer Bestellung.

Kommentar: Das deckt sich mit Berichten, die ich in der letzten Zeit im Netz gelesen habe. Am Telefon können oft alternative Konfigurationen bestellt werden und eben auch Ubuntu als vorinstalliertes System. Interessant zu wissen wäre, ob die Microsoft-Steuer erstattet wird, wenn man ein Windows-System mit Ubuntu ordert.

Dell über Ubuntu und OpenSource-Software

LuI: Zuletzt würde ich Sie bitten bzw. dazu anregen die UbuntuSeiten“ etwas zu überarbeiten. In meinen Augen wird dort Ubuntu als „Nerd-System“ verunglimpft.

Kommentar: Würdet Ihr – als uninformierter oder unentschlossener Computer-Käufer – einen Computer mit Ubuntu/Linux kaufen, der mit den Sätzen „Um Open Source-Software einsetzen zu können, sind teilweise gute oder sehr gute technische Kenntnisse erforderlich“ oder „Die meisten Open Source-Programme sind nicht mit Microsoft-Programmen kompatibel“ beworben wird? Ich wäre von diesen Aussagen doch ziemlich abgeschreckt.

Dell: Die Überarbeitung der Linux-Seite ist derzeit in Planung.

Kommentar: Schade, hier hätte ich mir etwas entgegenkommen gewünscht. Aber ein Multi-Milliarden Unternehmen wie Dell lässt wohl kaum eine amateurhafte Community an die eigene Werbung, wäre ja zu schön 😉 Es freut mich zu hören, dass Dell weiterhin mit Ubuntu plant, doch würde ich mir wünschen dass Dell den ab April etwas mehr Engagement zeigt.

29 Kommentare

  1. Ich habe mich auch schon gewundert, warum bei Dell derzeit nur ein Netbook mit Ubuntu angeboten wird. Aber wenn dann mit der LTS-Version wieder mehr Auswahl herscht, werde ich mir vielleicht ein Dell zulegen. 🙂 Am liebsten wäre mir ein 13″, das schafft den Spagat zwischen angenehmer Bedienung und Leistung.

  2. Ich habe selbst einen Dell (letzten April gekauft). Inzwischen habe ich herausgefunden, dass ich ihn, hätte ich mich als Businesskunde ausgegeben, möglicherweise auch ohne Betriebssystem haben hätte können. So bekam ich ein „Gratis-Vista“ mit, dass ich nie benötigt habe (und bessere unfreiwillig die Microsoft-eigenen Statistiken auf, die sicher jetzt meinen Notebook zu den 90 % Windows-Geräten zählen).

    Das Engagement bzgl. Linux sehe ich als „Alibihandlung“ von Dell. Wenn sie es ernst meinen würden, hätte jeder Kunde bei jedem Gerät zumindest die Wahl, es auch ohne Betriebssystem bestellen zu können. Den Aufwand, überhaupt ein Betriebssysstem aufzuspielen, könnten sie sich sparen, denn eine Ubuntu-Installation schafft jeder DAU. Eventuell können sie ja einen Warnhinweis anbringen: „Bei Kauf ohne Betriebssystem kein Software- und Treibersupport durch Dell.“

    Zudem ist bei vielen Geräten ein BIOS-Upgrade nur unter Windows möglich. Was soll das? Wäre ein bootfähiges ISO-Image nicht besser, einfacher und sicherer für alle? Wer, lieber Hr. Dell, garantiert Ihnen, dass der Kunde sein Windows nicht so „verkonfiguriert“, vervirt und vertrojant hat, dass das BIOS-Upgrade das BIOS zerstört? Was dann? Fällt das unter Gewährleistung oder nicht?

    Ich hoffe, jemand von Dell liest das…

  3. Ich hatte ein massives Problem betreffend WLAN bei einem Vostro 1520. Irgendwann wurde ich an den UBUNTU Support in Deutschland verwiesen. Ja den gibts wirklich. NUR! DIe geben mir keine Auskunft als Firmenkunde.

    Ich habe bis heute in den 8 vergangenen Jahren für wohl 150’000.- CHF Ware bei DELL eingekauft.

    Jetzt kaufe ich da nichts mehr.

  4. >Dell scheint sich ausschließlich auf die LTS-Versionen von Ubuntu zu konzentrieren

    Sollen die die kurz supporteten Versionen installieren? Dann haben sie in 5 Jahren 10 Versionen zu supporten, toll. Selbst die LTS Version wird doch kurz unterstützt (drei jahre, was ist das bitte? XP wird jetzt schon 9 Jahre unterstützt, 2k 10 Jahre)

    >Kommentar: Würdet Ihr – als uninformierter oder unentschlossener Computer-Käufer – einen Computer mit Ubuntu/Linux kaufen, der >mit den Sätzen “Um Open Source-Software einsetzen zu können, sind teilweise gute oder sehr gute technische Kenntnisse erforderlich” >oder “Die meisten Open Source-Programme sind nicht mit Microsoft-Programmen kompatibel” beworben wird? Ich wäre von diesen >Aussagen doch ziemlich abgeschreckt.

    Das entspricht aber der Wahrheit. Lieber so etwas schreiben, als zu lügen und der Kunde kauft sich dann evtl. nie mehr einen Dell, weil er feststellt, dass fast keine kommerzielle Software auf Ubuntu läuft. Ich kann mit Ubuntu eben nicht einfach in den Mediamarkt mir nen Drucker aussuchen und er geht 100%, genauso bei TV Karten etc, ich muss mich vorher informieren, ob die Hardware unterstützt wird und evtl. auch, was für Chipsätze verbaut sind.

    • Um HDTV zu empfangen musst du im übrigen zu 90% einen Treiber erst mal kompilieren und diverse TV Anwendungen patchen, ist das nutzerfreundlich? Außerdem sind die Codecs so schlecht, dass mein Rechner unter Linux zu 50-70% ausgelastet ist und unter Windows gerade mal 5-10%. Gut dort macht meine Grafikkarte auch den Großteil.

  5. Nettes Thema. Habe selbst seit Nov. 2008 ein „Ubuntu-Notebook“ von Dell und bin sehr zufrieden mit dem Gerät, vor allem in Bezug auf die Akkulaufzeit und die Displayqualität. Ich vermute mal, wenn ich die Lizenzen für MS mitbezahlen hätte müssen, wäre das Gerät weitaus teurer gewesen und ich hätte inzwischen mehrere Coronarspasmen erlitten.

    Würde mir wünschen, dass Dell wieder aktiver wird, weil so langsam ein neuer Desktop fällig wird.

  6. Mir ist bereits vor einiger Zeit so was durch den Kopf gegangen. Das der Grund für die Stille rund um Ubuntu und Dell daran liegt, dass sie dann mit einer sehr großen Aktion durchstarten wollen.

    Dabei ist es logisch, dass der Hype um Windows 7 abgesunken sein muss.

    Ich habe einen Bekannten damals ein Dell-Ubuntu-Notebook empfohlen und er als noch unerfahrener Anwender kam/ kommt in großen und ganzen sehr gut zu recht. Deswegen kann ich Chriss nur zustimmen: Ubuntu ist kein Nerdsystem.

  7. Finde ich gut, das du bei Dell angefragt hast..

    Dell ist ein Riese und Linux hat wie viel Marktanteil?
    2-3 Prozent?
    Verschwindend gering.
    Dafür macht Dell keine Klimmzüge.
    Vielleicht hat Dell auch Angst, mit Supportanfragen überrollt zu werden. Ubuntu gibt sich als „RundUmSorglos“ Distribution aus und wirbt damit um eine Zielgruppe, die bei den kleinsten Ungereimtheiten, nicht weiter wissen. Selbstverständlich trifft das nicht für alle Ubuntu Anwender zu, aber es schaut jedenfalls so aus, als wäre diese „Anfänger“ – Zielgruppe die Mehrheit.
    Siehe tägliche wiederkehrende Fragen im UU Forum – Hilfe.. Sound ist weg, DVD spielt nicht, Desktop bleibt schwarz,etc..
    Vielleicht hat Dell davor Bedenken.

    @6
    Die Grafikkarte, sprich GPU unter Linux/Ubuntu mit ein zu beziehen, ist doch kein Problem mehr. Jedenfalls mit NVIDIA. Stichwort VDPAU.
    Das gilt für xine, gestreamer,ffmpeg,mplayer und div GUIs.
    Somit bleibt die CPU Last auch unter Linux bei HD sehr gering.

  8. Ich habe 2007 ein Inspiron 6400n mit Ubuntu Feisty gekauft (also keine LTS). Danach kam nicht mehr viel sondern nur noch weniger.

    Ein Anruf vor ein paar Wochen bei Dell klang anders. Da hätte ich auch telefonisch kein System mit Ubuntu bestellen können. Die Microsoft Steuer wollte man mir auch nicht erlassen. Ich hatte allerdings speziell nach dem Zino HD gefragt.

    Ich habe gerade selbst nochmal angerufen. Als Privatkunde scheint man außer dem Mini 10v kein Ubuntu Gerät zu bekommen. Als Geschäftskunde bekommt man wohl den größten Teil der Business Geräte ohne OS. Die Geräte aus dem Consumer Bereich bekommt man jedoch nur mit Win7.

    Mal schauen, was da kommt

  9. Vielleicht sollte sich die (auch sonst so regulierungsliebende) EU mal dem Thema annehmen: Alle Hardwarehersteller müssen immer auch ohne Betriebssystem liefern und mindestens den eigenen Kostenvorteil an den Endkunden weitergeben. Dann hätten wir schon mal etwas weniger Monopolstellung von MS.

  10. Man wird Herstellern oder Verkäufern kaum verbieten können Rechner mit einem vorinstallierten OS zu verkaufen, sofern der Kunde dies Wünscht und er möchte dieses, denn viele sind kaum in der Lage überhaupt ein Betriebssystem selbstständig zu Installieren.

    Was aber meiner Ansicht nach zu Verbieten wäre sind diese sogenannten OEM- Versionen von Windows, diese sind keine vollwertigen Betriebssysteme und schränken zudem den Verbraucher eigentlich in „unzulässiger“ weise bei der Nutzung seines Rechners ein.

    Das Linux nur einen geringen Marktanteil hat liegt nicht immer nur am Windows oder den Herstellern, hier muss sich Linux auch oftmals an die eigene Nase fassen warum es trotz Kostenvorteil so Unattraktiv für den Mainstream ist?

  11. Hättest ja eigentlich auch mal fragen können, was die Gemeinschaft besser machen könnte, um Ubuntu/Linux attraktiver für den durchschnittlichen Dell-Kunden zu machen. Immer alles mögliche von den „großen [oft angeblich so bösen] Multi-Milliarden-Unternehmen“ zu fordern ist einfach…

    • Was willste denn da gestalten?
      Diese ewige Lobhudelei wie toll doch Linux ist.
      Wenn ich mir vorstelle das so ein Updatedesaster wie von 9.04 auf 9.10 bei solch einem Gerät eines großen PC Herstellers passiert…. wie lauten denn da die Schlagzeilen für dieses Unternehmen?

  12. Sorry Christoph, aber ich finde die Dell-Entscheidungshilfe (Windows oder Ubuntu) perfekt. M.E. sollte man dass noch ausweiten in die Richtung…:
    > Sie wollen mit dem Computer nichts machen, was sie bisher auch mit ihrer Schreibmaschine und dem Lexikon gemacht habe? → Windows
    > Sie wollen nicht lesen, sondern Fehlermeldungen „gefahrlos“ wegklicken → Windows

    ]:-D

  13. Eine erfreuliche Nachricht: Heute, am 10. März, habe ich entdeckt, dass Dell ab April (also wahrscheinlich mit dem Erscheinen von Lucid Lynx) Laptops mit Ubuntu ausliefern wird, und zwar den Vostro 3700 (gegenwärtig schon mit Win7 erhältlich). Das soll keine Schleichwerbung sein. Ich dachte bloß, ich bin nicht der einzige, der darauf gewartet hat.

    Grüße! Michael

  14. Das schlechte Angebot an Linux-Rechnern gibt es nur in Deutschland und einigen europäischen Ländern. In den USA kann man wählen. Selbst der Vostro V13 ist verfügbar. Kein Problem. Hier will man mir ihn einfach nicht verkaufen. Der Support ist leider überfordert. Keep my money!

    • Hallo,
      ich schließe mich an! Die Kunden in Deutschland hält man wohl offensichtlich für blöd. Deshalb hat man eine Supporthotline in Bratislava vorgeschaltet, die bei Stichwort „Ubuntu“ sehr unfreundlich wird.
      Leute, es gibt noch andere Anbieter. DELL-Notebooks sind nicht gerade billig. Ich hätte für eine Version mit Ubuntu gern Geld dafür ausgegeben, aber so nicht! In keinem Fall mit Windoof!
      Wer glaubt schon an April, wenn man z. B. den V13 in den USA schon lange bekommen kann? Wer glaubt schon an April, wenn die „Support-Dame“ aus Bratislava sagt, mit Ubuntu sei das so nicht geplant und sie wisse nichts davon.

  15. Tolles Interview! Habe bereits ein Inspiron 1525. Habe den Dell Onlineshop immer mal im Auge und wundere mich schon länger auf die mehr als Stiefmütterliche behandlung von Ubuntu (Wenns denn wenigstens ohne Betriebssystem ginge, aber nichtmal das ist für Privatkunden vorgesehen).

  16. Konnte eben auf der Dell-Webseiten kein Produkt mit Ubuntu finden und hab die Hotline angerufen. Da hieß es, es gebe ausschließlich Windows-7, kein Ubuntu mehr und auch nicht in der Zukunft.

    Schade, dass http://www.system76.com/ oder http://zareason.com/ noch nicht in Deutschland vertreten sind.

    Habe bisher sechs Dell Laptops im Freundeskreis empfohlen, auf fast allen läuft Ubuntu, aber jetzt werd ich mal nach nem anderen Anbieter schauen.

    In gerechtem Zorn,
    webwurst

    • Hallo webwurst, dann sind aber ganz andere Infos, als die von der Dell Pressestelle… Dort habe ich vor ein paar Tagen (28. Mai) die folgende Antwort zurückbekommen…

      entschuldigen Sie die verzögerte Rückmeldung.
      Derzeit sind folgende Dell-Notebooks mit Ubuntu erhältlich:

      – Vostro 3300
      – Vostro 3500
      – Vostro 3700
      – Latitude 2110

      Im Webshop sind nicht immer alle Optionen ersichtlich, telefonisch können die oben aufgeführten Modelle aber alle mit Ubuntu bestellt werden. Da scheint der Supportmitarbeiter, mit dem Sie Kontakt hatten, unglücklicherweise nicht ganz auf dem neuesten Stand gewesen zu sein.

      Die Linux-Anwender können diese Jahr aber mit weiteren Linux-Geräten von Dell rechnen: es sollen dieses Jahr auch aktuelle Consumer-Modelle mit Ubuntu kommen.

      Irgendwie klappt bei denen die Kommunikation im Unternehmen rein gar nicht 😉

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