Auf der Facebook-Seite von Linux Und Ich hatte ich schon vor einigen Wochen geschrieben, dass ich gerade ein ziemliches Prachtstück von einem Rechner für einen Beitrag zur Verfügung gestellt bekommen habe. Nun will ich das Rechnerlein endlich einmal für euch besprechen. Es geht um den cirrus7 one der kleinen Hardware-Schmiede cirrus7 computing aus dem schwäbischen Esslingen. cirrus7 liefert den kompakten Design-PC „one“ von Haus aus mit Ubuntu 10.10 aus und unterstützt das System mit eigenen Patches und Entwicklungen. Windows7 wird nur optional gegen Aufpreis aufgespielt. Der PC macht eine sehr gute Figur, ist allerdings leider kein Schnäppchen.
Die quaderförmige Bauform und das Slot-In Laufwerk des one erinnern stark an das Design eines Mac Minis, wobei der one mit einem Format von 218×218×108 mm jedoch ein Stück größer ist. Für den Schreibtisch ist die Bauform gerade noch klein genug, ein größeres Gerät würde dann doch stören.
Der cirrus7 one
In meinem Gerät ist ein Intel Core i3 530 mit 2,93Ghz als CPU verbaut, gegen einen Aufpreis von 190€ ist der Einbau eines Core i5 680 mit 3,6Ghz möglich. Gegenüber meinem sechs Jahren alten aktuellen Arbeitsgerät mit einem Athlon 64 X2 3800+ von AMD spüre ich schon einen deutlichen Performance-Schub.
Hochauflösende Videos wie die HD-Variante von Sintel mit einer Kino-tauglichen Auflösung von 2048×872 Pixeln werden ruckelfrei abgespielt. Auch YouTube-Videos mit 1080p spielen im Vollbild ohne Aussetzer in Bild oder Ton.
Die weitere Ausstattung meines Testmodells orientiert sich am Einstiegsmodell, das ab 939€ zu bekommen ist. Allerdings ist bei mir eine SSD vom Typ C300 von Crucial verbaut, die dem System nochmals mächtig Dampf macht. In rund zwölf Sekunden (ab Grub) ist das System bei automatischer Anmeldung des Benutzers bis zum Desktop vollständig geladen. Auch Anwendungen wie OpenOffice.org oder Gimp laden in wenigen Augenblicken.

Nur die Grafikleistung des integrierten Intel i915 Chipsatzes ist nicht ganz optimal. Bei der alltäglichen Arbeit mit Office- oder Webanwendungen spürt man das nicht. Auch die Desktop-Effekte mit Compiz laufen geschmeidig, doch Spiele mögen diesen Chipsatz nicht so gerne. Ich konnte bei 3D-Spielen wie Sauerbraten, Nexuiz oder YoFrankie Abstürze und Grafikfehler beobachten.
Wer also gelegentlich mit dem Rechner spielen möchte, der sollte sich überlegen den Computer mit einer Grafikkarte im Low Profile Format aufzurüsten. Das Netzteil kann für die PCIe-Karte maximal 45W bereitstellen, High-End Karten scheiden daher für die Aufrüstung aus. Für mich allerdings kein Beinbruch, für Zocker ist der „one“ sowieso nicht gedacht.



Eingehüllt wird die ganze Technik von einem individuell gefertigten Gehäuse aus Aluminium mit einem geschlitzten Deckel, aus dem der 120mm große Ventilator die warme Abluft des Rechners bläst. Der Ventilator wird vom Programm fancontrol im Hintergrund gesteuert, das den Lüfter bei so langsamen Drehzahlen laufen lässt, dass man ihn praktisch nicht hört. Selbst nach rund 10 Minuten Kompilieren auf allen Kernen der CPU ist der Rechner praktisch lautlos.
Das vorinstallierte Ubuntu
cirrus7 liefert den „one“ von Haus aus mit einer aktuellen Version von Ubuntu Maverick 10.10 aus. Das System ist als OEM-Installation auf der Platte vorinstalliert, so dass der Käufer beim ersten Start selber einen Rechnernamen setzen und seinen eigenen Account erzeugen kann.

An der Grundkonfiguration von Ubuntu Maverick selber wird von cirrus7 nicht viel verändert, der Desktop an sich bleibt unangetastet. Allerdings packt cirrus7 noch Google Chrome, VLC, Blender, Gimp, Inkscape usw. auf die Platte, so dass der Käufer sofort loslegen kann. Damit cirrus7 bekannte Ubuntu-Probleme selber patchen kann, wurde auch eine „cirrus7-Paketquelle“ zur Paketverwaltung hinzugefügt.

Diese Quelle enthält aktuell die 64-Bit des Flash Players von Adobe, einen Patch zur Behebung eines Problems mit dem RT2800 WLAN-Chipsatz und den Light-Commander mit dem sich die Beleuchtung des „one“ steuern lässt. Diese Beleuchtung wird von einer Platine gesteuert, die auf Basis der Arduino-Plattform (Wikipedia) entstanden ist.
Sowohl Hard- wie auch Software der Arduino-Plattform und der Codes des Light-Commanders sind Open-Source, so dass man selber Programme zur Steuerung der LEDs entwickeln kann. Einfache Beispiele wie die Steuerung der LEDs über ein Terminal finden sich im Wiki des Light-Commanders. Wer „richtig“ Programmieren möchte, der findet auch Hinweise zum Steuern der Beleuchtung mit Python. Wie wärs also mit einer LED-Lightshow, die die Lichter beim Abspielen von Musik im Rhythmus des Beats leuchten lässt 😉
Falls man einmal das System mit all seinen Anpassung, die seitens cirrus7 gemacht wurden, neu Aufsetzen möchte, für den liegt der Verpackung eine modifizierte Ubuntu-CD bei. Eine Neuinstallation sollte so ohne große Schwierigkeiten schnell machbar sein.
Support für kommende Ubuntu-Versionen
Über die Cirrus7-Paketquelle soll auch in Zukunft dafür gesorgt werden, dass kommende Ubuntu-Versionen sich gut mit dem cirrus7 verstehen, falls es doch einmal Probleme mit der verbauten Hardware und Ubuntu gäbe.
Des Weiteren ist cirrus7 auch nicht auf Ubuntu festgelegt, wer den Rechner von Haus aus als Dual-Boot System mit Windows 7 kaufen möchte oder statt Ubuntu ein System mit XMBC als Media-Center vorinstalliert haben möchte, der kann dies in bei einer telefonischen Bestellung klären.
Bleibt noch die Frage an euch: Der „one“ ist sicherlich nicht für Jedermann geeignet. Alleine der Preis dürfte manch einem Interessenten, der einfach nur einen Linux-PC kaufen möchte, abschrecken. Was erwartet Ihr von einem Händler der vorkonfigurierte Linux-Rechner anbietet? Ich meine mit der Strategie nicht nur 0815-PCs mit vorinstalliertem Alibi-Linux anzubieten und der Paketquelle für eigene Patche liegt cirrus7 gar nicht falsch. Was wären denn eure Wunschgeräte? Was für Preisklassen sollten angeboten werden?





Schreibe einen Kommentar