Plattenalbum und Euphonica: MPD-Clients unter GNOME für Linux

Avatar von Christoph Langner

4 Min. Lesezeit

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Plattenalbum und Euphonica sind zwei aktuelle GTK4-Clients für MPD, die zeigen, wie Musikverwaltung und Wiedergabe auf dem GNOME-Desktop umgesetzt werden können. Aufbau, Funktionen und Bedienung stehen dabei im Fokus.

Zwei GTK4-Clients für MPD, Plattenalbum und Euphonica, nebeneinander dargestellt mit dem Logo des Music Player Daemon.

Es gibt zahlreiche Software-Tools und Programme, die mich schon seit Jahrzehnten begleiten. Unter Windows wären das zum Beispiel der Total Commander, Notepad++ oder 7-Zip. Unter Linux gehört für mich der GNOME-Desktop mit seinem Ökosystem aus Evolution, Gedit und Nautilus dazu, auch wenn er vom Look und Feel der alten GNOME-2-Zeiten inzwischen weit entfernt ist und trotz der oft berechtigten Kritik an der „Wir-streichen-wichtige-Funktionen“-Politik der Entwickler.

Neben diesen grafischen Werkzeugen begleitet mich auch der Music Player Daemon, kurz MPD. Der Name klingt zunächst kryptisch, dahinter steckt aber ein einfaches Konzept. MPD ist ein Musikplayer, der im Hintergrund läuft und sich über zahlreiche Clients fernsteuern lässt. Man kann also einen Rechner oder Raspberry Pi an die Stereoanlage hängen, die eigene Musiksammlung einbinden und die Wiedergabe von überall im Haus steuern.

Music Player Daemon aka MPD

MPD unterscheidet sich deutlich von Streaming-Servern wie Jellyfin oder Navidrome, die auf dem Subsonic-Protokoll basieren. Dort streamt der Server die Musik an die Clients, während bei MPD der Client nur die Wiedergabe steuert und der Dienst selbst direkt auf dem Server spielt. Bemerkenswert ist, dass die Entwicklung an MPD auch nach über zwanzig Jahren nicht eingeschlafen ist. Die aktuelle stabile Version MPD 0.24.6 ist gerade erst veröffentlicht worden.

Auch bei den Clients merkt man, dass MPD weiterhin lebendig ist. Während moderne Subsonic-Clients für Linux (speziell für den GNOME-Desktop) inzwischen leider wirklich rar geworden sind (Sublime Music oder Sonixd wurden eingestellt, mit Feishin oder Supersonic werde ich nicht warm), entstehen rund um MPD immer wieder neue Projekte. In letzter Zeit erscheinen vermehrt Anwendungen auf Basis von GTK4 und Libadwaita, die sich optimal in das aktuelle GNOME-Design einfügen und die Funktionen des Desktops optimal nutzen.

MPD für GNOME: Plattenalbum

Plattenalbum (Flathub) hat gerade erst ein Update auf Version 2.4.0 erhalten und nutzt GTK4, ohne sich in ein übertrieben verspieltes Design zu verlieren. Die Albencover stehen klar im Mittelpunkt der Oberfläche. Das Layout bleibt klassisch, links die Künstler, in der Mitte die Alben und rechts der Player mit den Kontrollelementen zur Steuerung der Wiedergabe.

Wer während der Wiedergabe auch die Songtexte lesen möchte, wechselt über den Button oberhalb des Players in die Lyrics-Ansicht. Die Texte müssen dafür nicht im ID3-Tag stehen. Plattenalbum lädt sie automatisch vom brasilianischen Dienst Letras, was besonders praktisch ist, wenn man die eigenen Dateien nicht vollständig gepflegt hat. Weitere Einstellungsmöglichkeiten gibt es nicht viele, und braucht es eigentlich auch nicht.

MPD für GNOME: Euphonica

Euphonica (Flathub) setzt im Gegensatz zu Plattenalbum deutlich stärker auf visuelle Effekte. Der Hintergrund des Fensters passt sich an die Farben des aktuellen Albums an und am unteren Rand bewegt sich ein animiertes Spektrum. Beim Wechsel zwischen Künstler- und Albenansicht oder beim Öffnen eines Albums gleiten die einzelnen Elemente weich ins Bild und erzeugen einen modernen Eindruck.

Auch funktional überzeugt Euphonica. Man kann durch Künstler und Alben navigieren und künftig soll auch das Filtern nach Genres möglich sein. Alben lassen sich mit MPD 0.24 oder neuer bewerten. Über MPRIS integriert sich Euphonica nahtlos in den Desktop, zeigt Benachrichtigungen beim Titelwechsel an und erlaubt die Steuerung der Wiedergabe auch über die Desktop-Funktionen.

Generell wäre es wünschenswert, wenn wieder ein neuer GTK4/LibAdwaita-Client für Subsonic erscheinen würde. Auf meinem kleinen Selfhosting-Server läuft Navidrome sehr zuverlässig. Für Android gibt es Symfonium (proprietär, aber jeden Cent wert) sowie Tempus, eine aktiv weiterentwickelte Version des FOSS-Clients Tempo. Auch das Webfrontend von Navidrome funktioniert ausgezeichnet. Auf dem Desktop fehlt jedoch eine native Anwendung, hier klafft aktuell eine große Lücke.

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6 Kommentare zu „Plattenalbum und Euphonica: MPD-Clients unter GNOME für Linux“

  1. Avatar von nymus

    Nautilus zu benutzen ist Selbstbestrafung. Nemo ist der Weg.

  2. Avatar von Klaus

    Man braucht für Navidrome nicht unbedingt eine App, den Navidrome läuft auch als PWA! Durchaus praktisch. Leider muss Firefox die PWA Unterstützung erst wieder einbauen…

    1. Avatar von Christoph Langner

      Ja, PWAs sollen ja bald kommen. Generell mag ich aber das Look&Feel „normaler“ Anwendungen.

      1. Avatar von bergprinzess
        bergprinzess

        Hi,

        ich nutze auch Navidrome und unter Linux als Flatpack https://flathub.org/de/apps/search?q=aonsoku Läuft sehr stabil 🙂

        https://github.com/victoralvesf/aonsoku

        gibt es auch für Windows.

        Grüße
        Bergprinzess

  3. Avatar von knarf

    in dem einen Screenshot kann man deinen lastfm API key sehen. keine Ahnung ob das ein Problem ist

  4. Avatar von Christoph Langner

    Ja, aktuell gibt es eine richtige Flut an Medienplayern. Egal ob lokal, oder für Streaming-Server ala Navidrome oder Jellyfin. Mir scheint es ein interessante Projektidee für Vibe-Coder zu sein 🙂

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