MusicBrainz Picard 3.0: Qt6, Plugin-System und Einrichtungsassistent

Avatar von Christoph Langner

4 Min. Lesezeit

Nach rund drei Jahren Entwicklung ist MusicBrainz Picard 3.0 da. Der Tag-Editor wechselt auf Qt6, bekommt ein komplett neues Plugin-System, Sitzungen und einen Einrichtungsassistenten.

Wer seine Musiksammlung sauber getaggt haben möchte, der kommt an Picard kaum vorbei. Der Tag-Editor des MusicBrainz-Projekts gleicht Dateien mit der Datenbank ab und schreibt Interpret, Album, Cover und Co. zurück in die Tags. Am 4. Oktober haben die Macher Picard 3.0 veröffentlicht. Laut Ankündigung stecken knapp drei Jahre Arbeit darin, seit Ende 2023 die Umstellung auf PyQt6 begann: 687 gemergte Pull Requests, fast 6.800 Commits und Beiträge von über 100 Leuten.

Qt6 und ein Assistent für den Start

Die größte Änderung unter der Haube: Picard 3 setzt auf Qt6 statt Qt5. Das bringt bessere Skalierung auf hochauflösenden Displays und einen Dunkelmodus auf allen Plattformen, ein Neustart ist beim Umschalten nicht mehr nötig. Als Voraussetzung nennt das Projekt unter Linux Qt 6.6 und Python 3.10 oder neuer. Wer ein älteres System fährt, bleibt bei Picard 2, das noch mindestens eine Wartungsversion bekommen soll.

Neu ist auch ein Einrichtungsassistent beim ersten Start. Er fragt unter anderem, ob Picard Dateien beim Speichern umbenennen und verschieben soll, und wie es mit Update-Prüfungen aussieht. Dazu kommen kleine Tutorial-Hinweise, die beim ersten Laden von Dateien oder beim Clustern aufpoppen. Beides lässt sich in den Einstellungen abschalten.

Das neue Plugin-System

Die tiefgreifendste Änderung betrifft die Erweiterungen. Plugins brauchen jetzt eine MANIFEST.toml, sind per Git versioniert und lassen sich aus einer zentralen Registry, aus fremden Git-Repositories oder aus einem lokalen Ordner installieren. Es gibt Vertrauensstufen von offiziell bis untrusted, und Plugins mit Sicherheitsproblemen können zentral gesperrt werden. Zum Start sollen etwa 30 Plugins bereitstehen, teils portiert, teils neu.

Der Haken: Plugins aus Picard 2 laufen nicht mehr. Nicht jedes ist schon portiert, wer eines vermisst, kann es im Forum anfragen. Die Plugin-Liste in den Einstellungen ist übrigens erst einmal leer. Mit einem Klick auf „Plugin installieren“ kommt ihr an die verfügbaren Erweiterungen.

Sitzungen, Profile und Cover-Art

Der Workspace lässt sich als Sitzung speichern und später wiederherstellen, inklusive Datei-Zuordnung und manuellen Änderungen. Einstellungsprofile kann man exportieren und importieren, Zugangsdaten bleiben dabei außen vor. Außerdem lassen sich eigene Spalten per Skript definieren, Listen filtern und mehrere Tags auf einmal kopieren.

Bei den Cover-Bildern kann Picard Bilder unterhalb einer Mindestgröße verwerfen, automatisch skalieren oder in ein bestimmtes Format konvertieren. Das Ganze geht auf ein Google-Summer-of-Code-Projekt von 2024 zurück.

Weitere Neuerungen laut Ankündigung:

  • Ein überarbeiteter Abgleich bei der Release-Zuordnung und eine Spalte „Match“, die nach Trefferqualität sortiert.
  • Der eingebaute Player unterstützt MPRIS2 und kann Listens an ListenBrainz melden.
  • Erste Unterstützung für synchronisierte Lyrics im LRC-Format über das Tag syncedlyrics.
  • ISRCs lassen sich von CDs auslesen und zu MusicBrainz einreichen.
  • Das neue Kommandozeilenwerkzeug picard-cli verwaltet Plugins und Profile.

Wie schlägt sich Picard 3 in der Praxis?

Ich habe Picard 3.0.1 in einer TUXEDO-OS-VM ausprobiert, bewusst nur an Kopien zweier Alben aus meiner Sammlung: „Analogue“ von a-ha und „21“ von Adele. Gespeichert habe ich nichts, die Originale blieben unberührt. Picard 3.0.1 gibt es auf PyPI, das Flathub-Paket ist noch nicht auf dem aktuellen Stand und liefert weiterhin Picard 2.13.3. Der Ablauf ist vertraut: Ordner hinzufügen, Gruppieren, Abfragen. Beide Alben hat Picard auf Anhieb mit 13 von 13 Titeln zugeordnet und das Cover geladen. Bei a-ha schlägt der Editor aus „A-Ha“ ein „a-ha“ vor, so wie MusicBrainz den Namen führt. Die neue Ansicht mit Ursprünglichem und Neuem Wert macht solche Abweichungen schnell sichtbar.

Die Tutorial-Hinweise sind mir beim ersten Laden direkt begegnet. Wer Picard schon kennt, schaltet sie vermutlich ab, für Einsteiger sind sie eine nette Hilfe.

Alles in allem ist Picard 3 für mich vor allem ein großes Fundament-Update. Wer Plugins aus Picard 2 nutzt, sollte vor dem Umstieg prüfen, ob es sie schon im neuen System gibt. Alle anderen bekommen eine modernere Oberfläche und ein paar nützliche Neuerungen. Welche Picard-Plugins fehlen euch bisher in Version 3?

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Markdown wird unterstützt: **fett**, _kursiv_, [Linktext](URL), `Code`, Zeilen mit - für Listen, 1. für nummerierte Listen, dreifache Backticks für Codeblöcke.

Sicherheitsabfrage: Welches Logo ist das? Beschreibung des Logos: Grüner Umriss eines Blatts Papier mit umgeknickter Ecke.

Linux und Ich — MusicBrainz Picard 3.0: Qt6, Plugin-System und Einrichtungsassistent
https://linuxundich.de/musicbrainz-picard-3-qt6-plugin-system-und-einrichtungsassistent/ — gedruckt am 8. Oktober 2026