30 Jahre KDE: Plasma 6.8 ohne X11 und eine Doku zum Geburtstag

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KDE feiert seinen 30. Geburtstag und schickt Plasma 6.8 ins Rennen, das X11 endgültig hinter sich lässt und nur noch auf Wayland setzt

Heute vor genau 30 Jahren, am 14. Oktober 1996, hat ein Student aus Tübingen namens Matthias Ettrich im Usenet nach Mitstreitern gesucht. Sein Ziel: eine grafische Oberfläche für Linux, die nicht nur Admins, sondern ganz normale Endanwender bedienen können. Daraus ist KDE geworden, eine der größten Gemeinschaften rund um freie Software. Zum Geburtstag gibt es drei Dinge: Plasma 6.8, eine Doku und eine Spendenaktion.

Der Name stand ursprünglich für Kool Desktop Environment, eine Anspielung auf das kommerzielle Common Desktop Environment (CDE) anderer Unix-Systeme. Weil KDE auf Qt setzte, dessen Lizenz damals nicht wirklich frei war, entstand als Gegenentwurf GNOME. Die Kurzfassung der folgenden Jahre laut heise: 1997 der Verein KDE e.V., 1998 KDE 1, später das beliebte KDE 3 und 2008 das ziemlich holprige KDE 4.

Mit KDE 4 sind damals viele User von Bord gegangen, manche pflegen den Vorgänger bis heute als Trinity-Desktop weiter. Gleichzeitig brachte die Version Programme wie Dolphin und Okular sowie die Plasma-Oberfläche mit. Heute teilt sich das Projekt in die Bibliotheken KDE Frameworks, die Anwendungen in KDE Gear und den Desktop KDE Plasma. Letzterer läuft inzwischen auch auf Smartphones, Fernsehern und dem Steam Deck.

Plasma 6.8: Tschüss, X11

Pünktlich zum Geburtstag ist Plasma 6.8 erschienen, und die Version zieht einen dicken Strich: Plasma startet keine X11-Sitzung mehr, sondern läuft nur noch unter Wayland. Gnome hat diesen Schritt ja bereits vorgemacht. Ältere Programme, die noch X11 brauchen, laufen weiterhin über XWayland. Die KDE-Anwendungen selbst sollen auf X11-Desktops vorerst weiter funktionieren.

Unter der Haube zeichnet KWin laut 9to5Linux nur noch über OpenGL ES, Vulkan soll später folgen. NVIDIA-Grafik bekommt standardmäßig Triple Buffering, die Plasma-Shell startet schneller. Im Alltag sticht Spectacle heraus, das bei Bildschirmaufnahmen nun Systemton und Mikrofon mitschneidet. Neu sind außerdem das Backup-Programm Kup und ein Verweilklick, Steam-Fenster bekommen endlich Schatten und abgerundete Ecken.

Wann ihr Plasma 6.8 bekommt, hängt wie üblich an eurer Distribution. Laut OMG! Ubuntu liefern Rolling-Release-Distributionen wie Arch Linux die Version in den nächsten Tagen aus, bei KDE neon dauert es einige Wochen. Kubuntu 26.10 hat den Termin knapp verpasst und bleibt bei Plasma 6.7. Dort heißt es also warten oder auf einen Backport hoffen.

KDE: The Documentary

Wer sich für die Geschichte hinter den Versionsnummern interessiert, der sollte sich heute Abend eine gute Stunde freihalten. Der YouTube-Kanal CultRepo hat mit Unterstützung von KDE eine Doku gedreht, die um 19:30 Uhr deutscher Zeit Premiere feierte. KDE: The Documentary – The Story of Free Software Underdogs ist auf Englisch und dauert knapp über eine Stunde.

Die Doku erzählt die Höhen und Tiefen der drei Jahrzehnte: den Streit um die Qt-Lizenz und die Rivalität mit GNOME, den Erfolg von KHTML, aus dem später WebKit und damit auch Chrome hervorgingen, und das Debakel um KDE 4. Zu Wort kommen unter anderem Matthias Ettrich, Lars Knoll, Aaron Seigo, Nate Graham und – nett für die Gnome-Ecke – auch GNOME-Mitgründer Miguel de Icaza.

Spenden zum Geburtstag

Ganz ohne Geld läuft natürlich auch freie Software nicht. KDE hat deswegen eine Spendenaktion zum Jahresende gestartet, auf der Seite stehen Meilensteine bei 50.000, 75.000 und 100.000 Euro. Das Geld soll unter anderem in barrierefreie und stromsparende Software fließen. Wer KDE längerfristig helfen möchte, der kann Fördermitglied werden. Das Ziel dafür hat KDE passend zum Gründungsjahr von 1.500 auf 1.996 Mitglieder angehoben.

KDE und ich

Meine eigene Linux-Reise begann mit Fenstermanagern wie Window Maker und Enlightenment E17. Irgendwann, ich schätze zu Zeiten von KDE 3.x, bin ich dann auch bei KDE gelandet. Ein kompletter Desktop mit allem Drum und Dran – das war für Linux damals herausragend. Bis dahin musste man sich Panel, Dateimanager und den ganzen Rest meist noch selbst zusammensuchen.

Ein KDE-Jünger bin ich allerdings nie geworden. In meiner Zeit als „Chrissss“ bei ubuntuusers.de saß ich fest auf der Gnome-Seite und habe bei Wiki-Artikeln regelmäßig die KDEler um Hilfe gebeten, sobald es um den KDE-Teil ging. Für einen Artikel über Bluetooth-Mäuse habe ich dann doch mal KDE 4 installiert – und mich gewundert, dass es nicht einmal Bluetooth-Einstellungen mitbrachte.

Ganz losgelassen hat mich KDE trotzdem nie. 2009 habe ich hier im Blog zu KDE 4.3 gratuliert und gefragt, ob die Entwickler einen alten GNOMEler wie mich noch zum Umstieg bewegen. Ganz geklappt hat das nicht. Doch KDE Connect habe ich mir per Erweiterung in Gnome geholt, und schreibe ich unter KDE Markdown, dann mit Kate. Wenn KDE, dann richtig.

Alles in allem sähe der Linux-Desktop ohne KDE heute ganz anders aus, und ohne den ewigen Wettstreit der beiden wohl auch Gnome. In meinen Augen hat das Projekt einen Großteil dazu beigetragen, dass Linux überhaupt auf normalen Rechnern angekommen ist. Von daher: Herzlichen Glückwunsch zum Dreißigsten! Seit wann nutzt ihr KDE, und welche Version ist euch am meisten im Gedächtnis geblieben?

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Linux und Ich — 30 Jahre KDE: Plasma 6.8 ohne X11 und eine Doku zum Geburtstag
https://linuxundich.de/30-jahre-kde-plasma-6-8-doku/ — gedruckt am 15. Oktober 2026