Wer GNOME mit Shell-Erweiterungen nutzt, kennt extensions.gnome.org, kurz EGO, als zentrale Anlaufstelle. Jede Erweiterung wird dort vor der Veröffentlichung von Menschen geprüft. Und genau diese Menschen sind laut einem Aufruf von Javad Rahmatzadeh immer mehr am Limit. Der ganze Beitrag liest sich wie ein Hilferuf, und genau das ist er in meinen Augen auch.
Javad kam 2020 zum Team, weil damals die Dokumentation für Shell-Erweiterungen fehlte. Also entstanden YouTube-Tutorials und später, auf Einladung von Sriram Ramkrishna und dessen Projekt GNOME Extensions Rebooted, der Port Guide für GNOME Shell 40. Der half vielen beim Umstieg von GTK3 auf GTK4, und ohne ihn hätten laut Javad etliche Autoren aufgegeben.

Heute gibt es die gesamte Dokumentation, die man für eigene Erweiterungen braucht. Trotzdem vibe-coden viele ihre Extensions und reichen sie bei EGO ein, ohne je einen Blick in die Doku geworfen zu haben. Javad fühlt sich deshalb, als füttere die Dokumentation eher die LLMs als menschliche Entwickler. Seit Anfang 2025 explodieren die Einreichungen, und die große Mehrheit ist KI-generiert.

Javad beantwortet seit Jahren täglich Fragen und prüft Erweiterungen, oft 4 bis 10 Stunden am Tag. Das ist unbezahlt und entspricht locker einem Vollzeitjob, die monatlichen Spenden liegen dagegen nahe null. Die Folge: Javad steht nah am Burnout und schreibt, ohne finanzielle Unterstützung nicht mehr in diesem Tempo weitermachen zu können. Immerhin gab es 2026 den GNOME Pants Award.
Das Hauptproblem ist die Qualität. Erweiterungen laufen direkt im Prozess der GNOME Shell, schlechter KI-Code gefährdet also die Stabilität des ganzen Desktops. Laut Javad erzeugen LLMs unnötig komplexen, schwer lesbaren Code, der im Review deutlich länger dauert. Manche Einreicher lassen sogar ihre Antworten von einer KI schreiben, und einmal landeten dabei versehentlich die Anweisungen an das Modell im Text.
Einen Lichtblick gibt es allerdings: Javads offener Brief an KI-Modelle korrigierte konkrete Code-Muster, die die Modelle falsch erzeugten. Nach wenigen Wochen waren die meisten dieser Fehler verschwunden. Javad nimmt das als gute Nachricht, aber auch als Beweis dafür, wie stark die Dokumentation die Modelle füttert. Gelöst ist das Review-Problem damit nicht.
Wer wird gesucht?
- Reviewer: Gefragt sind Entwickler mit Kenntnissen in GTK und im Quellcode der GNOME Shell. Die Rolle ist ehrenamtlich, die Verfügbarkeit unter der Woche sollte konstant sein. Javad bietet Mentoring an und bringt euch den Review-Prozess bei.
- Shexli-Helfer: Den Linter gibt es seit ein paar Monaten, er soll Reviews erleichtern. Reviewer melden False Negatives und False Positives, und wer mithilft, behebt sie in Shexli. Gesucht wird jemand, der den Linter verbessert.
- Spender: Wer die Arbeit finanziell unterstützen möchte, findet die Spendenseite.
Wer im Review-Team mitmachen oder bei Shexli helfen möchte, meldet sich im Matrix-Kanal #extensions:gnome.org. Eine feste Frist nennt Javad nicht, wohl aber den Grund zur Eile: Ohne mehr Hilfe geht es in diesem Tempo nicht weiter. Meldet euch also lieber früher als später, auch für eine erste Rückfrage ohne feste Zusage.
In meinen Augen ist das ein Weckruf für alle, die GNOME-Erweiterungen im Alltag nutzen. Ohne Reviewer gibt es keine geprüften Erweiterungen, und ohne geprüfte Erweiterungen fehlt vielen von uns ein gutes Stück GNOME. Wer Zeit und das nötige Know-how hat, sollte sich das also ernsthaft überlegen. Alle anderen können zumindest ein paar Euro in die Spendenkasse werfen.
Räusper. Ich auch.
Ich muss gestehen, dass ich mich da selbst angesprochen fühle. Mit Pulsgeber habe ich eine GNOME-Shell-Erweiterung geschrieben, die KI-unterstützt entstanden ist. Und ja, ich habe durchaus Respekt davor, sie bei EGO einzureichen. Der Gedanke, dass jemand den entstandenen Code Zeile für Zeile durchgehen muss, ist mir nicht ganz geheuer. Ich möchte niemandem Arbeit aufhalsen, schon gar nicht einem Team, das ohnehin am Limit läuft.

Trotzdem sollte man in meinen Augen nicht jeden KI-Beitrag als KI-Slop brandmarken. Solche Erweiterungen bringen vieles voran und ermöglichen Funktionen, die vorher außer Reichweite lagen. Entscheidend ist am Ende die Qualität des Codes, nicht das Werkzeug, mit dem er entstanden ist. Das Problem sind eher ungeprüfte Massen, nicht die KI an sich.
Dahinter steckt für mich auch diese Frage: KI-Code ist schnell erzeugt, aber jemand muss ihn trotzdem lesen und prüfen. Das dürfte nicht nur EGO treffen, sondern jedes Projekt, das Beiträge von außen annimmt und vor der Veröffentlichung prüft. Wie seht ihr das: Ist die Flut an KI-Einreichungen auch bei anderen Plattformen ein Problem, und wie sollten Projekte damit umgehen?





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