Kategorie
GNU/Linux
Veröffentlicht
Lesezeit
8 Minuten
Diskussion
Noch keine Kommentare

GNU/Linux

Ghostty 1.4: Linux-Terminal spart Speicher, Splits per Maus

Ghostty 1.4 komprimiert den Verlauf und spart bis zu 90 Prozent Speicher. Unter Linux rendert das Terminal neu, Splits verschiebt ihr jetzt per Maus.

Nahaufnahme eines Monitors mit Ghostty: Ein gezogener htop-Split schwebt über einem Git-Log, eine blaue Fläche zeigt das Ablageziel.

Lange war Tilix mein Terminal unter Linux. Ein Fenster in mehrere Terminals aufteilen, ohne extra Tmux oder Zellij zu bemühen, das hat schon was. Doch Tilix hängt an alten Abhängigkeiten und lässt sich unter Arch Linux kaum noch aus dem AUR bauen. Ja, es geht. Doch das Kompilieren von gtkd, der Anbindung an GTK 3, braucht eine gefühlte Ewigkeit.

Von daher bin ich froh, dass es mit Ghostty ein modernes Terminal mit Tiling-Funktion gibt, das auf GTK 4 und libadwaita aufsetzt. Bei mir ersetzt es inzwischen Tilix, das ich euch 2016 noch unter dem Namen Terminix vorgestellt habe. Ausführlich getestet habe ich Ghostty in der LinuxUser 06/2026. Jetzt ist Version 1.4 erschienen. Die bringt einige Neuerungen mit, die gerade Linux-User betreffen.

Was ist Ghostty?

Für alle, die Ghostty noch nicht kennen: Das Terminal stammt von Mitchell Hashimoto, der vielen als Gründer von HashiCorp (Vagrant, Terraform) bekannt sein dürfte. Ghostty soll schnell sein, viele Funktionen mitbringen und sich trotzdem wie eine normale Desktop-Anwendung anfühlen. Unter Linux nutzt es dafür GTK 4 und fügt sich so gut in GNOME ein. Ghostty ist freie Software unter der MIT-Lizenz.

Tabs, Splits und eine Übersicht aller offenen Tabs bringt Ghostty von Haus aus mit. Neue Splits öffnet ihr mit Strg+Umschalt+O nach rechts und mit Strg+Umschalt+E nach unten. Eine Menüleiste mit Einstellungsdialogen gibt es dagegen nicht. Konfiguriert wird Ghostty über die Textdatei ~/.config/ghostty/config. Außerdem können Programme in Ghostty Bilder direkt im Terminal anzeigen, etwa als Vorschau im Dateimanager.

Weniger Speicherbedarf für schwächere Rechner

Ghostty 1.4 packt den Verlauf zusammen, sobald im Terminal gerade nichts passiert. Laut den Entwicklern braucht er damit 70 bis 90 Prozent weniger Speicher. Im Alltag dürften das die wenigsten spüren. Wer aber das Maximum aus einem schwächeren Rechner herausholen möchte oder mit riesigen Dateien und Ausgaben hantiert, der braucht auch ein Terminal, das sparsam mit den Ressourcen umgeht.

Gleichzeitig merkt sich Ghostty jetzt mehr. Pro Terminal hebt das Projekt den Verlauf von 10 auf 50 MByte an, ihr könnt also deutlich weiter zurückscrollen. Beim Scrollen oder Suchen entpackt Ghostty die Daten unbemerkt wieder. Die Kompression gibt es unter 64-Bit-Linux und macOS. Wer sie nicht möchte, schaltet sie mit scrollback-compression = false ab. Was eine Option tut, verrät euch Ghostty übrigens selbst.

Schärfere Schrift bei krummer Skalierung

Nutzt ihr einen Monitor mit 125 oder 150 Prozent Skalierung, dürfte euch die nächste Neuerung freuen. Bisher wirkte die Schrift in Ghostty bei solchen Werten leicht unscharf. Mit 1.4 werden Text und Rahmenzeichen auch dort sauber dargestellt. Dazu hat das Projekt die Darstellung unter Linux neu geschrieben. Bildrisse, wie man sie etwa beim Scrollen sieht, sollen dabei kaum noch auftreten.

Der Umbau hat allerdings seinen Preis. Ghostty 1.4 braucht mindestens GTK 4.18 und libadwaita 1.7, unter einem aktuellen Arch Linux ist das kein Thema. Ubuntu 24.04 LTS bringt dagegen zu alte Versionen mit. Wer noch auf der alten LTS sitzt, bleibt laut den Entwicklern besser bei einer älteren Ghostty-Version oder greift zu einem Flatpak.

Splits mit der Maus verschieben

Wer viel mit Splits arbeitet, dürfte sich über diese Neuerung freuen: Splits lassen sich jetzt mit der Maus umsortieren. Fahrt ihr an den oberen Rand eines Splits, erscheint ein Griff mit drei Punkten. Den zieht ihr auf einen anderen Split, und eine blaue Fläche zeigt, wo er landen wird. Das klappt auch zwischen Tabs und Fenstern. Laufende Programme, Ausgabe und Arbeitsverzeichnis wandern dabei mit.

So könnt ihr etwa ein laufendes htop von unten nach links verschieben, ohne es neu starten zu müssen. Unter Linux lässt sich ein Split allerdings nur auf einem anderen Split ablegen, nicht als eigener Tab oder eigenes Fenster. Ganze Tabs lagert ihr dagegen über die Befehlspalette in ein neues Fenster aus. Stört euch der Griff, blendet ihr ihn mit drag-handle = never aus.

Fenster benennen und eine deutsche Befehlspalette

Habt ihr mehrere Ghostty-Fenster für verschiedene Projekte offen, verliert man schnell den Überblick. Fenster lassen sich deshalb jetzt über das Menü umbenennen, etwa in „Blog“ oder „Server“. Lasst ihr das Feld im Dialog leer, kehrt Ghostty zum automatischen Titel zurück. Die Befehlspalette ist zudem vollständig übersetzt. Sie zeigt alle Aktionen auf Deutsch an und nennt, falls vorhanden, das passende Tastenkürzel.

Praktisch für Fans eines Drop-down-Terminals im Stil von Guake: Mit dem neuen Befehl ghostty +toggle-quick-terminal blendet ihr das Quick Terminal von Ghostty ein und aus, etwa per eigenem Tastenkürzel. Das klappt unter Plasma, Sway oder Hyprland, aber nicht unter GNOME, dem dafür eine Schnittstelle fehlt. Neu ist auch die Wahl des Bildschirms, auf dem das Quick Terminal erscheint.

Bilder im Terminal und mehr Tempo

Programme können in Ghostty Bilder über das Kitty-Grafikprotokoll anzeigen. Mit 1.4 beherrscht Ghostty das Protokoll vollständig, inklusive animierter Bilder, und lädt große Grafiken spürbar schneller. Davon profitieren Dateimanager für das Terminal wie Yazi oder Tfm, die Bilder direkt in ihrer Vorschau anzeigen. So findet ihr das richtige Foto, ohne extra einen Bildbetrachter zu öffnen.

Auch sonst ist Ghostty schneller geworden. Reinen Text verarbeitet das Terminal laut den Messungen des Projekts 5,7-mal so schnell wie bisher. Das merkt ihr etwa, wenn ein Build oder ein Log viele Zeilen ins Terminal schreibt. Das Ändern der Fenstergröße soll bei langem Verlauf bis zu sechsmal flotter gehen. Einige der übrigen Zahlen aus den Release Notes gelten allerdings nur für macOS.

Keine Fehlermeldungen mehr per SSH

Wer sich mit Ghostty per SSH auf einem Server anmeldet, kennt vielleicht Fehler wie „missing or unsuitable terminal: xterm-ghostty“. Dann funktionieren Programme wie htop oder nano auf dem Server nicht richtig, weil der Server Ghostty nicht kennt. Neu ist der Befehl ghostty +ssh, der dem Server die nötigen Informationen bei Bedarf gleich mitgibt. Klappt das nicht, nutzt er eine kompatible Einstellung.

Terminal
ghostty +ssh user@server

Ein Update lohnt sich zudem aus Sicherheitsgründen. Ghostty 1.4 schließt zehn Lücken. Unter anderem konnten präparierte Grafikbefehle das Terminal zum Absturz bringen. Außerdem ließ sich der Schutz beim Einfügen von Text austricksen, der eigentlich davor warnen soll, mehrzeilige Befehle versehentlich sofort auszuführen. Einige der Lücken betreffen allerdings nur macOS oder die Zsh als Shell.

Achtung bei Tastenkürzeln und Kopieren

Ein paar Änderungen brechen mit altem Verhalten. Unter Linux verschieben Strg+Umschalt+Bild auf und Strg+Umschalt+Bild ab jetzt Tabs. Zum vorherigen oder nächsten Prompt springt ihr dafür mit Strg+Umschalt+Pfeil hoch und Strg+Umschalt+Pfeil runter. Programme im Terminal bekommen diese Tastenkombinationen nicht mehr zu sehen. Wer sie dort braucht, hebt die Belegung in der Konfiguration mit unbind wieder auf.

Habt ihr eingestellt, dass Ghostty markierten Text automatisch kopiert, solltet ihr ebenfalls einen Blick in die Konfiguration werfen. Mit copy-on-select = clipboard landet die Auswahl jetzt nur noch in der normalen Zwischenablage. Wollt ihr sie wie bisher auch mit der mittleren Maustaste einfügen, stellt ihr den Wert auf both um. Was die mittlere Maustaste einfügt, legt middle-click-action fest.

libghostty: Ghostty steckt bald in anderen Programmen

In der Diskussion auf Hacker News zum Release lenkt Mitchell Hashimoto den Blick auf libghostty. Die Bibliothek enthält den Kern von Ghostty, also alles, was ein Terminal im Inneren ausmacht. Andere Programme können ihn nutzen, statt ein eigenes Terminal zu programmieren. Ghostty selbst nennt Hashimoto scherzhaft „just a glorified tech demo for libghostty“.

Für euch heißt das: Ghosttys Technik taucht nach und nach auch in anderen Programmen auf. Die Terminals in den IDEs von JetBrains laufen bereits darauf, für Neovim ist der Umstieg im Gespräch. Und ein KDE-Entwickler baut ein neues Terminal auf Basis von libghostty, das langfristig Konsole beerben könnte. Version 1.0 der Bibliothek soll in den nächsten Monaten erscheinen.

Installation

Unter Arch Linux liegt Ghostty im Repository Extra, zum Zeitpunkt dieses Artikels allerdings noch in Version 1.3.1. Version 1.4 dürfte dort in den nächsten Tagen folgen. Neben dem Terminal selbst solltet ihr auch die Shell-Integration und das Terminfo installieren. Wer nicht warten möchte, findet im AUR das Paket ghostty-nightly-bin, das ich auch für die Screenshots in diesem Artikel genutzt habe.

Terminal
sudo pacman -S ghostty ghostty-shell-integration ghostty-terminfo

Fertige Pakete für Linux stellt das Projekt selbst nicht bereit, darum kümmern sich die Distributionen. Ubuntu führt Ghostty seit 26.04 in den offiziellen Paketquellen, wenn auch nicht immer in der neuesten Version. Für Fedora gibt es ein COPR-Repository, dazu kommen ein Snap, ein AppImage und ein Debian-Paket aus der Community. Einen Überblick liefert die Installationsanleitung von Ghostty.

Alles in allem ist Ghostty 1.4 in meinen Augen ein rundes Update. Für Tilix-Umsteiger wie mich ist es gut zu sehen, dass sich ein modernes Tiling-Terminal auf GTK-Basis so aktiv weiterentwickelt. Wer näher am Bedienkonzept von Tilix bleiben möchte, sollte sich auch Rutile anschauen. Alle Änderungen findet ihr in den Release Notes. Mit welchem Terminal arbeitet ihr?

Diskussion Noch keine Kommentare – schreib den ersten.

Kommentar schreiben

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Markdown wird unterstützt: **fett**, _kursiv_, [Linktext](URL), `Code`, Zeilen mit - für Listen, 1. für nummerierte Listen, dreifache Backticks für Codeblöcke.

Sicherheitsprüfung: läuft automatisch, du musst nichts tun.

Mehr aus dem Blog

Gerade diskutiert

Kategorien

Schlagwörter

Zeilen sind breiter als der Bildschirm. Quer halten zeigt mehr – oder Umbrechen einschalten.

Linux und Ich — Ghostty 1.4: Linux-Terminal spart Speicher, Splits per Maus
https://linuxundich.de/ghostty-1-4-linux-terminal/ — gedruckt am 28. Oktober 2026