Im Kernel-Repository von Raspberry Pi sind zwei Platinen aufgetaucht, die es offiziell noch gar nicht gibt: ein Raspberry Pi Zero 3 W und ein Raspberry Pi 4 Model A. Ein Pull-Request bringt für beide fertige Device Trees mit, also die Hardwarebeschreibung für den Kernel. Gemergt wurde er am 25. Oktober, aufgefallen ist er unter anderem Phoronix und Golem. Preise oder einen Termin gibt es noch nicht.
Was über die beiden Neuen bekannt ist
Viel verraten die Dateien nicht, ein paar Eckdaten lassen sich aber herauslesen. Beide Boards nutzen den BCM2711 mit vier Cortex-A72-Kernen, also denselben Chip, der auch im Raspberry Pi 4 steckt. Wie viel RAM verbaut wird, steht nicht drin. Dafür gibt es WLAN und Bluetooth, einen Anschluss für eine Kamera und, anders als beim Pi 4B, nur einen HDMI-Ausgang statt zwei.
Praktisch: In beiden Device Trees taucht ein Power-Button auf, den es bisher nur beim Pi 5 gab. Für den Zero ist der Chip des Pi 4 ohnehin ein ordentlicher Sprung, der Zero 2 W hat schon fünf Jahre auf dem Buckel. Seinen Speicher bekommt der Zero 3 W laut Golem wohl als eigenen Chip, mutmaßlich auf der Rückseite, statt ihn wie bisher im Prozessorgehäuse unterzubringen.
Spannender finde ich allerdings das Model A. Die A-Varianten waren schon immer die abgespeckten Brüder der B-Modelle: kleiner, sparsamer, mit weniger Anschlüssen, dafür billiger. Auch beim Pi 4A fallen der USB-Hub und der Netzwerkchip weg, WLAN und Bluetooth bleiben. Zwei Pins sind zudem für die Steuerung von zwei Antennen vorgesehen. Golem vermutet daher, dass sich erstmals externe Antennen anschließen lassen.
Zwei weitere Pins tragen PCIe im Namen. Ob der Pi 4A wie der Pi 5 eine PCIe-Schnittstelle nach außen führt, etwa für eine NVMe-SSD, lässt sich daraus aber nicht sicher ablesen. Dass ausgerechnet jetzt ein abgespeckter Pi 4 kommt, dürfte kein Zufall sein. Phoronix bringt ihn mit den gestiegenen Bauteilpreisen in Verbindung, und die sind beim Pi gerade das große Thema.
Vom 35-Dollar-Rechner zum Luxusgut
Zur Erinnerung: Der Raspberry Pi ist 2012 mit einem klaren Versprechen gestartet, einem vollwertigen Linux-Rechner für 35 Dollar. Und das hat erstaunlich lange gehalten. Der Pi 1 B, der B+, der Pi 2, der Pi 3 und der 3B+ kosteten zum Start alle 35 Dollar. Selbst der Pi 4 ging 2019 mit 1 GByte RAM noch zu diesem Preis an den Start.
| Modell | Marktstart | Startpreis | Listenpreis Oktober 2026 | Straßenpreis in Deutschland |
|---|---|---|---|---|
| Raspberry Pi 3 B+ | 2018 | 35 Dollar | 40 Dollar | 41 Euro |
| Raspberry Pi 4 B, 1 GByte | 2019 | 35 Dollar | 35 Dollar | 40 Euro |
| Raspberry Pi 4 B, 2 GByte | 2019 | 45 Dollar | 67,50 Dollar | 80 Euro |
| Raspberry Pi 4 B, 4 GByte | 2019 | 55 Dollar | 100 Dollar | 107 Euro |
| Raspberry Pi 4 B, 8 GByte | 2020 | 75 Dollar | 165 Dollar | 165 Euro |
| Raspberry Pi 5, 1 GByte | 2025 | 45 Dollar | 45 Dollar | nicht lieferbar |
| Raspberry Pi 5, 2 GByte | 2024 | 50 Dollar | 77,50 Dollar | 120 Euro |
| Raspberry Pi 5, 4 GByte | 2023 | 60 Dollar | 110 Dollar | 122 Euro |
| Raspberry Pi 5, 8 GByte | 2023 | 80 Dollar | 175 Dollar | 189 Euro |
| Raspberry Pi 5, 16 GByte | 2025 | 120 Dollar | 305 Dollar | 331 Euro |
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Der erste Knick kam im Oktober 2021: Während der Chipkrise hob Raspberry Pi zum ersten Mal überhaupt einen Preis an, der Pi 4 mit 2 GByte stieg von 35 auf 45 Dollar. Der Pi 5 startete 2023 dann mit 60 Dollar für 4 GByte und 80 Dollar für 8 GByte, was angesichts des deutlichen Leistungssprungs in meinen Augen noch in Ordnung ging.
Richtig los ging es erst Ende 2025. Seit Dezember hat Raspberry Pi die Preise viermal angehoben, im Dezember, im Februar, im April und zuletzt am 1. Oktober. Schuld ist der Arbeitsspeicher, den die KI-Rechenzentren gerade leer kaufen. Laut den Halbjahreszahlen stiegen die Kosten für ein Gigabyte LPDDR4 im eigenen Lager von 3,60 Dollar Ende 2025 auf 13,30 Dollar Ende Juni 2026.
Das Ergebnis lässt sich an der Tabelle ablesen. Der Pi 5 mit 8 GByte kostet mit 175 Dollar mehr als das Doppelte seines Startpreises, die 16-GByte-Version liegt mit 305 Dollar in Regionen, die mit einem Bastelrechner nichts mehr zu tun haben. Stabil hält Raspberry Pi nur die Modelle mit 1 GByte – nur kommt man mit so wenig RAM 2026 auch nicht mehr allzu weit.
Selbst die Platinen werden knapp
Teuer wäre das eine, doch manche Modelle sind inzwischen schlicht nicht zu bekommen. Den Pi 5 mit 1 GByte führt Berrybase für 46,90 Euro, lieferbar ist er aber nirgends. Den Pi 5 mit 2 GByte listet der Shop für 82,50 Euro, ebenfalls ohne Ware. Wer ihn sofort haben will, der zahlt bei anderen Händlern knapp 120 Euro. Nydus hatte Anfang Oktober mindestens 130 Euro gefunden.
Noch schlechter sieht es beim Zero 2 W aus. Der kleine Pi ist seit Monaten ausverkauft, bei Reichelt fehlt er im Sortiment, und auf Amazon gibt es nur noch Kits von Drittanbietern für um die 130 Euro. Laut Raspberry Pi stecken rund eine Million Zeros im Auftragsrückstand. Hier fehlt nicht der Speicher, sondern Fertigungskapazität bei einem Zulieferer – und auch die frisst der KI-Boom.
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Für Pi 4 und 400, der Zero braucht Mini-HDMI
Dazu kommt ein Effekt, mit dem man hätte rechnen können: Wer den Pi 4 oder Pi 5 nicht mehr bezahlen möchte, der greift zum günstigsten Modell mit vollwertigem Linux. Das treibt die Nachfrage nach dem Zero 2 W zusätzlich in die Höhe. Raspberry Pi hat nach eigener Aussage einen zweiten Zulieferer an Bord geholt, der Nachschub ist bei den europäischen Händlern bisher aber nicht angekommen.
Was bleibt vom Bastelrechner?
Und genau das finde ich schade. Der Pi war immer ein Rechner, den man sich einfach mal für ein Projekt geholt hat. Ein Mediacenter hier, eine Jukebox dort, und ging ein Experiment schief, waren eben 35 Dollar weg. Bei 110 oder 175 Dollar für einen Pi 5 überlegt man sich das zweimal. Der Bastelcharakter, der den Pi groß gemacht hat, bleibt dabei auf der Strecke.

Raspberry Pi selbst rät inzwischen, zu älteren Modellen wie dem Pi 3B oder 3B+ zu greifen und genau zu prüfen, wie viel Speicher ein Projekt wirklich braucht. Dumm nur, dass laut Golem ausgerechnet der 3A+ teils seit Monaten kaum zu bekommen ist. Eben Upton verspricht, die Preise wieder zu senken, sobald der Speicher billiger wird. Micron rechnet allerdings mit Knappheit bis 2028 oder länger.
Von daher könnten ein Zero 3 W und ein Pi 4A mit dem älteren, aber bewährten Chip des Pi 4 genau das sein, was der Bastelgemeinde gerade fehlt. Vorausgesetzt, der Preis bleibt halbwegs auf dem Boden und die Platinen kommen auch im Handel an. Wie seht ihr das? Habt ihr euch in letzter Zeit noch einen Pi gekauft, oder seid ihr schon auf etwas anderes umgestiegen?




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