Manche Projekte verschwinden irgendwann still und leise in der eigenen Schublade. Tuxsucht.de ist so eines. Die Idee dahinter hatte ich schon vor vielen Jahren, konkret 2009, dann kamen andere Projekte, Arbeit und Leben dazwischen und Tuxsucht geriet zunehmend in Vergessenheit. Jetzt habe ich mir das Projekt endlich wieder vorgenommen.
Und ja: Der Name ist ein bisschen sperrig. Ich weiß! Tuxsucht klingt zunächst so, als würde hier jemand nach Tux süchtig sein. Oder nach Linux. Gemeint ist aber etwas anderes: Tux sucht. Für euch. Nach Linux. Die Idee hinter tuxsucht.de ist eigentlich daher ziemlich simpel, lasst mich ein bisschen ausholen.
Eine Suchmaschine, die nicht alles durchsucht
Wenn ich nach einem Linux-spezifischen Problem suche, möchte ich nicht zwangsläufig das gesamte Web durchsuchen. Genau hier setzt Tuxsucht an: Statt möglichst viele Treffer zusammenzutragen, konzentriert sich die Suche auf ausgewählte deutschsprachige Quellen rund um Linux und freie Software.

Eine normale Websuche liefert zwar eine gewaltige Menge an Treffern. Darunter finden sich aber oft SEO-optimierte Ratgeberseiten, automatisch erzeugte Inhalte, kommerzielle Ergebnisse und jede Menge Seiten, die mit Linux nur am Rande zu tun haben. Gute Informationen können dabei schnell untergehen. Das galt 2009, aber erst recht auch heute durch den zunehmenden KI-Slob im Netz.
Tuxsucht geht deshalb einen etwas anderen Weg: Die Suche beschränkt sich auf eine ausgewählte Sammlung deutschsprachiger Linux-Foren, Blogs und auf Linux spezialisierter Shops/Hersteller. Der Suchraum ist dadurch bewusst kleiner, dafür aber thematisch deutlich relevanter. Gleichzeitig möchte ich damit die deutschsprachige Linux-Community stärken und Informationen auch für Menschen zugänglich machen, die kein oder nur wenig Englisch sprechen.
Das kann zum Beispiel praktisch sein, wenn ich wissen möchte, ob eine bestimmte Hardware unter Linux funktioniert. Oder ob jemand bereits Erfahrungen mit einer Grafikkarte, einem WLAN-Chip oder einer bestimmten Software gesammelt hat. Gerade solche Erfahrungsberichte finden sich häufig in Foren und Blogs.


Statt mich durch Seiten zu arbeiten, die mit Linux wenig zu tun haben, suche ich dort, wo Linux tatsächlich Thema ist. Tuxsucht soll damit keine Konkurrenz zu allgemeinen Suchmaschinen sein, sondern eine kleine, thematisch fokussierte Alternative für die deutschsprachige Linux-Welt.
Die passende Technik ist eine Abwägung
Bei einem Projekt wie Tuxsucht liegt der Gedanke nahe, die Suchmaschine komplett selbst zu betreiben. Mit SearXNG gibt es beispielsweise freie Software für eine selbst gehostete Metasuchmaschine. Sie bündelt Ergebnisse verschiedener Suchdienste und lässt sich auf eigener Infrastruktur betreiben.
Für Tuxsucht wäre das durchaus reizvoll: freie Software, mehr Kontrolle über die Infrastruktur und weniger Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter. Allerdings müsste ich dafür nicht nur die Software betreiben, sondern auch einen dauerhaft erreichbaren öffentlichen Dienst bereitstellen und entsprechend warten.
Ein eigener Suchindex wäre noch einmal eine ganz andere Größenordnung. Speicherplatz, Rechenleistung, Bandbreite, Crawling und laufende Wartung würden aus dem kleinen Nebenprojekt schnell ein eigenes Infrastrukturprojekt machen. Genau dafür fehlen mir Zeit allerdings Zeit und Ressourcen – Tuxsucht soll überschaubar bleiben.
Auch bei kommerziellen Suchanbietern gibt es Alternativen. Die Brave Search API liefert beispielsweise eigene Suchergebnisse und unterstützt individuelle Filtermöglichkeiten. Der Dienst kostet derzeit 5 US-Dollar pro 1000 Suchanfragen, wobei monatlich 5 US-Dollar Guthaben enthalten sind.
Das ist für ein größeres Projekt durchaus interessant, für Tuxsucht aber ebenfalls nicht besonders attraktiv. Bei einer öffentlichen Suchmaschine entstehen die Kosten schließlich mit jeder einzelnen Suche. Je häufiger Tuxsucht genutzt wird, desto stärker würde damit auch die laufende Rechnung wachsen.

Google bietet mit der Programmable Search Engine genau die Funktion, die Tuxsucht benötigt: Die Suche lässt sich auf eine definierte Auswahl von Domains beschränken. Die Standardvariante ist kostenlos, allerdings mit Werbung; die kostenpflichtige API kostet 5 US-Dollar pro 1000 Anfragen.
Deshalb nutze ich für Tuxsucht derzeit schlicht die kostenlose Variante von Google. Das ist für ein Open-Source-affines Projekt sicher nicht die konsequenteste Lösung. Es ist aber eine pragmatische Lösung, die ohne eigene Suchinfrastruktur und ohne nutzungsabhängige Kosten funktioniert.
Warum das heute noch sinnvoll ist
Eine auf Linux beschränkte Suche mag zunächst etwas aus der Zeit gefallen wirken. Schließlich können Google, Bing und andere allgemeine Suchmaschinen praktisch das gesamte Web durchsuchen. Gerade diese enorme Reichweite ist bei einer sehr speziellen technischen Frage aber nicht immer ein Vorteil.
Mehr Ergebnisse bedeuten schließlich nicht automatisch bessere Ergebnisse. Wer beispielsweise nach einem Linux-Treiber, einer Hardware-Erfahrung oder einer Lösung für ein distributionsspezifisches Problem sucht, braucht häufig keine hunderttausend Treffer. Hilfreicher sind einige wenige Ergebnisse aus Quellen, die das Thema tatsächlich behandeln.
Gerade bei technischen Fragen sind Forenbeiträge, Erfahrungsberichte und Diskussionen oft wertvoller als eine hübsch aufbereitete Seite mit allgemeinen Informationen. Bei Linux kommt hinzu, dass Lösungen distributions-, versions- oder hardwareabhängig sein können und sich entsprechend schnell verändern.
Tuxsucht versucht deshalb gar nicht erst, das gesamte Internet abzubilden. Tuxsucht sucht dort, wo Linux gesucht, diskutiert und ausprobiert wird. Das Ergebnis muss dadurch nicht immer besser sein – aber es soll für bestimmte Linux-Fragen schneller zu relevanten Informationen führen.
Was ich jetzt damit vorhabe
Mit dem Neustart möchte ich Tuxsucht.de wieder zu dem machen, was es eigentlich immer sein sollte: eine kleine, nützliche Anlaufstelle für die deutschsprachige Linux-Welt. Das Projekt soll dabei bewusst überschaubar bleiben und nicht versuchen, aus jeder Suchanfrage ein eigenes Portal zu machen.
Die Domainliste werde ich deshalb weiter pflegen und bei Bedarf erweitern. Wenn euch ein wichtiges Linux-Forum, ein guter Blog oder eine passende andere Seite fehlt, könnt ihr sie über das Kontaktformular vorschlagen. Gerade bei solchen Projekten lebt die Auswahl schließlich auch von den Hinweisen aus der Community.
Und vielleicht wird aus dem lange vernachlässigten Projekt ja tatsächlich wieder ein Werkzeug, das man gelegentlich gerne zur Hand nimmt. Nach dem technischen und optischen Neustart ist zumindest die Grundlage dafür wieder da. Jetzt muss Tuxsucht nur noch zeigen, ob Tux tatsächlich noch gut suchen kann. Tuxsucht.de ist jedenfalls wieder da. Tux sucht für euch. Nach Linux.


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