Umzugsbedingt musste ich meinen Netzwerkdrucker an einen Ort in der Wohnung verfrachten, an dem er keinen Netzwerk-Anschluss mehr hat. Da ich mit dem alten Laserjet 4000N eigentlich recht zufrieden bin, musste eine Lösung her, den Drucker per WLAN ins Netz zu bringen. Auf dem Markt gibt es natürlich zahlreiche Lösungen dafür, doch mit ein bisschen Know-How und Bastelei, kann man aus dem kostengünstigen WLAN-Accesspoint Siemens W-011 einen deutlich teureren D-Link DWL-2100AP machen. So kommt man für weniger als zehn Euro zu einem doch recht leistungsfähigen Gerät.
Zu Beginn erstmal eine kurze Einführung in die Geräte. Das Siemens WB-011 (Bei mir steht W-011 auf dem Aufkleber) ist ein WLAN-Access Point, der von Alice ausgeliefert wurde, wenn man so um das Jahr 2007 nachträglich eine „WLAN-Option“ zum Anschluss geordert hat. Dieses kleine schwarze Kästchen von Siemens ist baugleich mit dem DWL-2100AP von D-Link (Bei Amazon
aktuell rund 57 Euro), mit dem man entweder ein bestehendes LAN um einen WLAN-Zugang erweitern kann, einen bestehenden WLAN-Zugang in seiner Reichweite erweitern (Repeater), oder auch ein kabelgebundenes Netzwerk-Gerät in ein WLAN einklinken kann.

Allerdings hat Alice die Firmware verkrüppeln lassen und bislang auch keinerlei Updates veröffentlicht, so dass die grafische Oberfläche des WB-011 eine Katastrophe ist und es Probleme im Verbindungsaufbau mit WPA2-verschlüsselten WLANs gibt. Man kann allerdings auf das WB-011 die Firmware vom DWL-2100AP einspielen, und hat somit für weniger als 10 Euro (Siehe Ebay
, die günstigsten Kaufpreise schwanken zwischen zwei und fünf Euro) ein zum DWL-2100AP identisches Gerät.
Vorbereitung
Um die Firmware des Siemens W-011 zu flashen braucht es einen Windows-PC mit Netzwerkkarte, da es das benötigte Programm nur für Windows gibt. Ob es mit Wine läuft habe ich nicht getestet. Als ersten Schritt würde ich empfehlen die Siemens-Box über den kleinen Button auf der Rückseite zu resetten. Man muss den Knopf dafür ca. 10 Sekunden gedrückt lassen, dadurch wird das Gerät wieder auf die Werkseinstellungen zurückgesetzt. Nun solltet Ihr euren Rechner mit der W-011 verbinden und eure Netzwerkkarte auf bspw…
- IP: 192.168.1.2
- Subnet-Mask: 255.255.255.0
- Gateway: 192.168.1.1
…einstellen. Wer nicht weiß wie das geht, der findet im Handbuch Hilfen für XP und Co. (natürlich nix Aktuelleres…). Danach solltet Ihr über euren Browser und die URL http://192.168.1.100 auf die Weboberfläche der Siemens-Box zugreifen können. Die Zugangsdaten zum Frontend lauten Login: admin und Passwort: admin.

Ihr müsst/braucht hier erstmal nichts weiter einstellen. Weiter geht es mit einem speziellen Flash-Programm, da sich die D-Link Firmware nicht über das Webfrontend einspielen lässt.
Flashen
Im nächsten Schritt geht es jetzt ans Eingemachte. Der Dank für diese Informationen geht an das Blog stuff that matters und den Kommentator Chuck. Dort finden sich eigentlich alle Infos, wenn auch nicht so ausführlich geschildert.
Holt euch das Flash-Programm FTP Programmer aus dem Netz. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Anwendung kann ich schlecht beurteilen, sie stammt von einem russischen Server, ist teils auf Russisch und stammt von einem unbekannten Programmierer… Ich hab sie jedenfalls nur auf einem Testsystem installiert.
Neben dem Flash-Programm braucht Ihr noch die D-Link Firmware. Ich habe erst ein Upgrade auf die amerikanische Version 2.13 gemacht und erst danach gesehen, dass es auch eine deutschsprachige Version mit der Nummer 2.50 gibt. Mein Upgrade lief daher in zwei Schritten ab, ich vermute, dass man auch direkt auf die 2.50er Firmware gehen können müsste. Die Downloads findet Ihr direkt bei D-Link unter ftp.dlink.com bzw. ftp.d-link.de.
Entpackt das Archiv mit der von euch gewünschten Firmware, installiert den FTP Programmer und startet die Anwendung. Gebt als IP-Adresse die IP ein, die Ihr auch im Browser verwendet, um auf das Web-Frontend der Box zu kommen. Die Zugangsdaten sind ebenfalls dieselben wie für das Frontend. Die Option „Discover Device“ hat bei mir nicht funktioniert, was das Flashen aber nicht beeinträchtigt hat.

Über „Write“ ruft Ihr abschließend die Routine zum Flashen auf. Ihr werdet daraufhin nach dem Image gefragt, wählt aus dem entpackten Archiv die tfp-Datei aus und wartet jetzt rund eine Minute. Im Log solltet Ihr sehen, was gerade auf der Box passiert.
Am Ende sollte das Flash-Tool einen Neustart eures „jetzt“ D-Link DWL-2100AP im Siemens-Kleid ausführen. Ich würde euch jetzt noch empfehlen abermals die Box auf die Werkseinstellungen zurückzusetzen, denn ich konnte mich nach dem Flashen nicht mehr auf der Box einloggen. Das Frontend erschien zwar noch unter derselben IP, doch die Zugangsdaten waren angeblich falsch. Drückt also wieder für ~10 Sekunden auf den Reset-Button auf der Rückseite der Box.
Konfigurieren
D-Link verwendet andere Standardeinstellungen als Siemens. Daher müsst ihr nach dem Reset eure Netzwerkeinstellungen erneut anpassen. Wählt diesmal zum Beispiel…
- IP: 192.168.0.10
- Subnet-Mask: 255.255.255.0
- Gateway: 192.168.0.1
Auch die Zugangsdaten und die Standard-IP ändern sich mit dem neuen Image. Eure Box solltet Ihr jetzt unter der URL http://192.168.0.50 finden, des Weiteren lautet zwar der Benutzername nach wie vor „admin“, doch das Passwort könnt Ihr leer lassen, es gibt kein PW.

Nun könnt Ihr das Gerät als „Wireless-Client“ konfigurieren und so ein Gerät mit „normalem“ Netzwerkanschluss ins WLAN bringen. Sucht einfach nach den drahtlosen Netzwerken in eurer Umgebung und übernehmt SSID und MAC-Adresse des Zugangspunktes über einen Klick auf den Radio-Button auf der linken Seite. Natürlich wollen auch noch die Zugangsdaten zum WLAN eingetragen werden.
Geht dann abschließend noch in die Einstellungen zum LAN-Zugang und tragt dort eine IP der Siemens/D-Link Box aus eurem Netzwerk ein. Nach einem letzten Neustart der Box, solltet Ihr über sie drahtlos in euer lokales Netzwerk kommen.




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