Linux und Ich

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Das Synology NAS DS211j unter Ubuntu bzw. Linux

Das Synology NAS DS211j unter Ubuntu bzw. Linux

| 14 Kommentare

Von Synology habe ich für ein paar Wochen ein NAS vom Typ Synology DS211j (*) für einen Test gestellt bekommen, den ich nun endlich mal ins Blog bekommen muss. Die Synology DiskStation DS211j ist ein klassisches NAS mit Platz für zwei Platten, je nach Konfiguration kann man diese als RAID zusammenschließen oder sie auch einzeln betreiben. Somit könnt ihr entweder Datenverlust durch den Tot einer der Platten vorbeugen oder den größtmöglichen Speicherplatz im Netz bereitstellen. Bei den heutigen Preisen für mehrere TB starke Platten (*) würde ich die RAID-Variante bevorzugen, denn eine defekte Platte hat man schneller als einem lieb ist und da Murphy bekanntlich ein Arsch ist, hat man sich im Vorfeld natürlich auch nie ordentlich um Backups gekümmert. Die aktuellen NAS-Geräte von Synologie basieren alle auf einer eigenen Linux-Distribution, die über ein Web-Frontend bedient werden, das macht sie natürlich für mein Blog hier besonders interessant.

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Beim Kauf einer Synology Disk-Station wird üblicherweise keine Platte mitgeliefert. Ihr müsst daher das nackte Gerät erstmal mit Platten bestücken und dann auch noch das Betriebssystem installieren. Der Einbau der Festplatten ist relativ schnell geschehen, man braucht nichtmal Werkzeug dafür. Für diese Installation des OS war früher immer ein Windows oder Mac OS nötig, weil die dafür nötige Software nicht für Linux bereitstand. Hier hat Synology zum Glück schon länger nachgebessert und liefert den Synology Assistant auf der mitgelieferten CD mit aus. Allerdings war die auf der CD enthaltene Version so veraltet, dass sie auf meinem Ubuntu Natty 64-Bit nicht starten wollte.

Die Installation des OS

Abhilfe schaffte der Download der aktuellen Version über die Homepage von Synology. Das heruntergeladene Archiv müsst ihr entpacken und danach die Installationsroutine starten. Wählt als Installationspfad zum Beispiel /opt als Verzeichnis aus, den Pfad für den Symlink könnt ihr unverändert lassen.

$ unzip dsassistant_Linux_1593.zip
$ cd linux
$ chmod +x install.sh
$ sudo ./install.sh

Nach der Installation könnt ihr dann den Installations-Assistenten starten. Der Assistent sollte euer NAS nun automatisch im LAN aufstöbern und auch anzeigen, dass auf dem Gerät noch nicht die Firmware installiert wurde. Holt euch daher auch wieder von der Homepage die aktuelle Firmware.

$ SynologyAssistant

Der Rest sollte eigentlich recht selbsterklärend sein. Gebt den Pfad zum Image der Firmware an, bestimmt was mit den eingebauten Platten gemacht werden soll und lasst dann das Setup durchlaufen. Das NAS wird abschließend neu starten und euch über ein “Beep” signalisieren, dass es ordentlich gebootet ist.

Nach Installation könnt Ihr das Webfrontend des NAS öffnen. Die IP bekommt ihr entweder über euren Router oder über den Installations-Assistenten heraus. Das Webfrontend ist in den wichtigsten Funktionen ziemlich selbsterklärend, so dass ich an dieser Stelle gerne drauf verzichte auf alle Einstellungen einzugehen. Klickt euch einfach durch alle Menüs einmal durch, richtet Benutzer ein, stellt die Dateifreigaben nach euren Wünschen ein und macht euch mit der Box ein bisschen bekannt.

Das Webfrontend der Synology

Energieverbrauch und Lautstärke

Erstmal zu den Punkten, warum ich ein NAS abseits der Datensicherheit und permanenten Verfügbarkeit der Daten interessant finde. Zum einen ist da natürlich der Stromverbrauch, das Synology DS211j  ist eigentlich ein kompletter Server mit allem drum und dran, der im Betrieb gerade einmal 22W verbraucht. Rechnet man noch zwei mal 10W für zwei Festplatten hinzu, so kommt die Synology bei voller Last auf eine Leistungsaufnahme von rund 40W, lässt man bei Nichtgebrauch die Platten runterfahren und setzt auch sonst die Einstellung auf “Stromsparen”, so kommt die Box auf einen Stromverbrauch von 10W.

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Wenn ich also mal annehmen würde, dass das NAS 24/7 durchläuft und im Schnitt 20W zieht, dann kommt man bei Stromkosten von 22 Cent/KWh auf rund 40 Euro im Jahr. Ganz umsonst bekommt man ein immer zu Verfügung stehendes NAS also nicht gerade und der Betrag lässt Cloud-Speicherdienste (lassen wir mal die Möglichkeit eines Fremdzugriffes auf die eigenen Daten außen vor) eigentlich recht attraktiv erscheinen. Für ~$70 also rund 50€ bekommt man bspw. bei Ubuntu One 40GB Speicherplatz pro Jahr.

Was mich jedoch etwas stört ist der permanent laufende Lüfter. Selbst wenn die Platten runtergefahren sind , kann man das Surren des Lüfters vernehmen, richtig lautlos ist die Synology DS211j nie. Richtig nervend ist jedoch, dass der Lüfter in regelmäßig unregelmäßigen Abständen meint für kurze ein paar Minuten deutlich hochdrehen zu müssen. Die Synology DS211j eignet sich daher nicht gerade für ein kleine Studentenbude und auch im Büro würde mich das Gelüfte langfristig stören.

Performance

Im nächsten Schritt bin ich natürlich an der Performance des NAS interessiert. Der Flaschenhals solcher Netzwerkplatten ist nicht die Leistungsfähigkeit der eingebauten Festplatte, sondern die Performace der eingebauten CPU. Ich merke das ziemlich deutlich an meiner FRITZ!Box oder früher an meiner NSLU2. Mehr als ein paar MB/s bekomme ich nicht auf die Platte. Von daher habe ich mir eine 1GB große Testdatei gebastelt und diese über das Netz auf das jeweilige Gerät geschoben.

$ time cp 1gb.test /mnt/synology_samba/1gb.samba
real	0m34.214s
$ time cp 1gb.test /mnt/synology_nfs/1gb.nfs
real	0m32.347s
$ time cp 1gb.test /media/fritzbox/
real	4m49.930s

Man sieht also, dass die DS211j deutlich mehr Dampf macht als das “Schmalspur-NAS” der FRITZ!Box. Ist ja eigentlich auch kein Wunder, da in der DS211j ein 1.2Ghz ARM Prozessor seinen Dienst tut mit dem die Synology im Normalfall rund 30MB/s transferieren kann. Das Protokoll ist dabei nicht so wichtig, ich hab den Test ein paar mal laufen lassen und mal ist Samba schneller, mal NFS. Die FRITZ!Box quält sich dagegen mit ~3,5MB/s heftig ab, so dass das Sichern großer Datenmengen wie bspw. ein Backup aller meiner Daten zu sichern mit der FRITZ!Box keinen Spaß macht.

Features

Hier kommen ich mal zu den wirklichen Stärken der Box. Die Synology DS211j ist nicht nur ein simpler Netzwerkspeicher, sie ist ein richtiger Homeserver. Webserver, Mailserver, MySQL-Server, FTP-Server, BitTorrent, Emule, PPTP-VPN, OpenVPN, DLNA/UPnP, iTunes usw. sind entweder schon von Haus aus an Bord, oder lassen sich über eine integrierte Funktion ganz offiziell nachrüsten. Wer zuhause oder von unterwegs also immer auf seinen eigenen Server zuhause zugreifen möchte, der hat mit dem Synology DS211j also ziemlich leichtes Spiel.

Downloadstation und VPN

Das interessante dabei ist, dass dies alles keine extra von Synology entwickelten Dienste sind, sondern da es ein Linux ist, bedient sich Synology aus dem FOSS-Sortiment. Als Webserver kommt daher natürlich Apache zum Einsatz, bei MySQL ist die Sache natürlich auch klar. Emule wird von amule bewältigt, BitTorrent von Transmission usw. Also alles letztendlich alte Bekannte aus der Welt freier Software.

Diese Funktionalität relativiert daher natürlich die vorhin angesprochenen Stromkosten von 40€/Jahr. Wer beruflich einen Webserver zuhause braucht um Geschäftspartner Dokumente zukommen zu lassen, oder wer öfters mal etwas über ein P2P-Netzwerk herunterladen möchte und sonst seinen Rechner über Nacht durchlaufen lassen würde, der spart mit dem Synology-NAS nicht nur Strom, sondern auch Geld.

Extras/Zubehör

Gespannt war ich auf das Zubehör, dass es für die Synology zu kaufen gibt. Meinem Paket lag die Synology Remote mit der man das NAS direkt an die Stereoanlage anschließen und die Musik auch per Funkfernbedienung steuern kann. Das Set besteht aus einer Box, die quasi einfach nur eine USB-Soundkarte mit integriertem Funkempfänger darstellt und der besagten Fernbedienung. Da sie eben funkt und nicht mir Infrarot-Signalen arbeitet, kann man sie auch vom Raum nebenan benutzen.

Synology Remote

Gemanagt wird die Musik über das in der Box eingebaute Programm Audio Station. Die Funktionalität ist ähnlich wie bei “normalen” Medienverwaltungen wie Banshee oder Amarok, so dass man sich im “Programm” relativ schnell zurecht findet. Die Bedienung ist für eine Web-App recht brauchbar und schnell. Allerdings wünscht man sich doch ab und an eine “richtige Desktop-App zurück, da man z.B. nicht einfach die Medientasten der Tastatur nutzen kann um mal schnell einen Song zu überspringen oder die Ausgabe zu Unterbrechen wenn ein Anruf eingeht.

Die Synology Audio Station

Die Audio Station kann man auf zwei Arten benutzen, einmal als reinen Streaming-Dienst bei dem die Musik auf dem Computer abgespielt wird und einmal als Quelle für die angeschlossene USB-Soundkarte, so dass man das NAS als Zuspieler für die Stereoanlage nutzen kann. Leitet man die entsprechenden Ports der Box weiter, so kann man den Dienst auch von unterwegs aus nutzen und so seinen eigenen Musik-Dienst im Stile von Simfy oder Grooveshark einrichten.

Das Ganze funktioniert sehr gut und ist eigentlich auch sehr komfortabel, aber irgendwie fehlt mir ein (Touch-) Display an der Synology selber. Wenn man einfach nur schnell ein neues Album heraussuchen möchte, braucht man sonst immer einen Rechner oder ein Smartphone.

Android und die Synology

Apropos Smartphone… Synology stellt selber eine ganze Reihe von Apps für Android, die alle kostenlos benutzt werden können, zur Verfügung. So kann man bequem auf die Dateien oder Photos auf dem NAS zugreifen usw. Da ich ja mit der Synology Remote das NAS an meiner Stereoanlage hängen hab, gehe ich ein bisschen weiter auf DS audio ein.

DS audio für Android

Die App kann man entweder dafür benutzen Musik auf das Handy zu streamen, wie bei der Web-Applikation für den Browser kann man somit auch von unterwegs seine Musik per Stream hören, ohne dass man einen Cloud-Speicherdienst oder einen kommerziellen Streaming-Dienst benutzen muss.

Alternativ kann man mit ihr natürlich auch wieder die Ausgabe über die Stereoanlage steuern, so dass man mit der Kombination Smartphone, Synology Remote und Synology NAS eigentlich eine ziemlich komfortable und zentral gesteuerte Lösung für alle Musikbedürfnisse hat. Einzig ein Display fehlt mir persönlich, aber dafür könnte man sich ja ein günstiges Android-Tablet neben die Anlage stellen.

Fazit

Synology macht mit der Synology DS211j (*) schon einen sehr guten Job. Das NAS ist ausreichend schnell für zuhause, so dass einem auch beim Übertragen größerer Datenmengen kein Bart wächst. Allerdings stört mich die etwas labrige Verarbeitung des Plastik-Gehäuses und der immerzu laufende Lüfter der Box. Ein absoluter “lautlos” Modus – gerade im Standby – wäre etwas mit der man das NAS aufwerten könnte. Das Zubehör und die Android-Apps sind natürlich ein Extra, das man gerne mitnimmt. Linuxer mit einem Android-Smartphone können mit dem Gerät daher ziemlich aus dem vollen schöpfen.

Synology DS211j NAS (1.2GHz,128MB,3x USB 2.0, 1XLAN)

Price: EUR 209,19

4.6 von 5 Sternen (83 customer reviews)

6 used & new available from EUR 159,27

Dieser Beitrag ist nicht durch Synology gesponsert, das Testgerät geht wieder an Synology zurück. Die mit einem Asterisk (*) markierten Links sind Affiliate-Links zum Partnerprogramm von Amazon. Die dadurch generierten Einnahmen tragen zum Erhalt dieser Seite bei.

Autor: Christoph

Hallo, mein Name ist Christoph Langner und ich betreibe dieses Blog seit 2006. Wie Ihr ohne Zweifel bemerkt haben solltet schreibe ich hier über Linux im Allgemeinen, Ubuntu im Speziellen, sowie Android und andere Internet-Themen. Solltet Ihr Fragen und Ideen haben, so würde ich mich freuen wenn Ihr mir einen Kommentar hinterlasst oder mich über das Kontaktformular direkt ansprecht, weitere Informationen zum Blog findet Ihr unter über Linux und Ich.

14 Kommentare

  1. Ja, nettes Teil, die Syno. Allerdings ist sie bei mir neben Router und Switch im keller platziert, wo mich das Lüftersurren nicht stört. Das lässt sich im übrigen auch mildern: http://forum.synology.com/wiki/index.php/How_to_silence_the_DiskStation_207+

  2. Pingback: Weniger Kommentare im Blog durch Google+? | picomol.de

  3. Hab das NAS auch, allerdings steht es bei mir in der Kammer. Ganz ruhig ist es leider nie, das hatte auch mich gestört. Wollte es eigentlich im Wohnzimmer aufstellen, da ich dort nen Netzwerkanschluss hab. Nun hab ich halt nen Loch durch die Wand gebohrt und nen Patchkabel durchgezogen. So ist es Ruhe im Karton. Aber SOSOSO laut ist das Ding aber nicht.

  4. Ist denn der Leistungsunterschied wirklich zu spüren. Kenn mich da mit MB/s usw. nicht so aus. Ich hab miene Filme auf ner Platte die an der Fritzbox hängt. Das kopieren dauert schon lange. Ist das mit nem Nas besser?

    Danke
    Matz

    • Naja, das ist eigentlich leicht auszurechnen. Nehmen wir mal eine 700MB große Datei an. Bei 30MB/s braucht das Kopieren etwa 23 Sekunden. Wenn nur 3MB/s über die Leitung gehen demzufolge 230 Sekunden, also knapp vier Minuten. Es ist also schon ein merkbarer Unterschied festzustellen.

      Grüße
      Christoph

    • Das Tempo ist mit entsprechendem Equipemt berauschend. Fritz Box mit gigabit und ein Rechner mit derselben Leitung und du kommst bis auf 1GB die Minute. Mein Apple schafft 70MB pro Sekunde.

  5. GRUMMEL, hätte ich den Beitrag vor fast einem Jahr gelesen, hätte ich mir nicht das Zyxel NSA 220 PLUS gekauft. Nun habe ich aber den Zyxel und es macht hier seinen Job. Aufnahmen von der Dreambox speichern und einiges an Mediendateien speichern. Klasse finde ich auch, das man Download Aufträge im NAS speichern kann, damit man zb. ein ISO in der Nacht runter laden kann, ohne das über Tag die kleine DSL Leitung gestört wird.
    Allerdings ist die Weboberfläche vom Zyxel manchmal sehr zickig. Der Support von Zyxel (ein Forum) ist auch nicht berauschend (wenn ich das mal hier sagen darf).

    Linu74

  6. Habe mir dieses Network Attached Storage kurz NAS auch zugelegt. Ich muss sagen, obwohl ich mit Linux und Server noch nicht soviel am Hut habe, bin ich zufrieden damit.

    Gruss

  7. Hallo Christoph,

    ich habe gesehen, dass du die Fritzbox gemountet hast unter /media/fritzbox/. Wie hast du das hinbekommen. Ich verzweifel daran. :-(

    mount.smb steht leider nicht zur Verfügung auf der Synology.

  8. Hi, danke für die schnelle Antwort. Ich habe eine Festplatte an der Fritzbox. Die möchte ich mounten für rsync. Jetzt habe ich es aber schon hinbekommen mit mount.cifs.

    Gruß
    Martin

  9. Pingback: Die große Linux und Ich Weihnachtsverlosung 2011 | Linux und Ich

  10. Danke im Nachhinein für den Bericht, der mich jetzt zum Kauf der DS212J animiert hat. In Verbindung mit der gefreetzten Fritz!Box 7390 ist das Gerät im Vergleich zu der 7270 & NSLU2-Kombi Freude pur :)

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