Im Rahmen des Gnome Circle organisiert Gnome seit einigen Monaten eine Reihe von kleinen Anwendungen oder eher schon Apps, die sich stark an den Designrichtlinien der Entwickler orientieren und in der Regel auch die aktuellen Bibliotheken der Desktopumgebung nutzen. So bauen viele der dort gelisteten Anwendungen bereits auf GTK 4 auf, dementsprechend skalieren die Anwendungsfenster zum Beispiel gut auf unterschiedlich großen Displays, vom Smartphone über ein Tablet bis hin zum großen 4K-Display. Eine dieser Apps ist Mousai, das die Funktion von dem bei Smartphone-Nutzern beliebten Shazam auf Linux-Systeme bringt.

Aufgrund des noch jungen Alters der Anwendung findet sich Mousai noch nicht in den Paketquellen der üblichen Distributionen wie Debian, Fedora oder Ubuntu. Repology listet einzig das Arch User Repository als Installationsquelle auf. Das erleichtert die Installation unter Arch und seinen Derivaten: Ein simples yay -S mousai genügt und nach ein paar wenigen Zwischenschritten ist das Programm im System integriert. Alternativ funktioniert natürlich auch jeder andere AUR-Helper oder das grafische Paketverwaltungstool Pamac, das nach entsprechender Konfiguration ebenfalls die Installation von Anwendungen aus dem AUR unterstützt. Optional gibt es Mousai auch als Flatpak, was allerdings zig Abhängigkeiten ins System spült.

Nach dem Start über das Anwendungsmenü öffnet Mousai ein kompaktes Fenster. Mit einem Klick auf Zuhören links oben startet ihr die Songerkennung. In der Standardkonfiguration lauscht Mousai am Mikrofon — achtet daher darauf, dass Ihr in den Audio-Einstellungen der Desktopumgebung ein funktionsfähiges Mikrofon ausgewählt habt. Optional kann Mousai auch den vom System abgespielten Sound anzapfen. Klickt dazu auf das Hamburger-Menü rechts neben dem Schließen-X und wählt unter Bevorzugte Audioquelle die Option Audiowiedergabe des Desktops aus.

Mousai ist eine Shazam-Alternative für Linux.
Mousai ist eine Shazam-Alternative für Linux.

Unter der Haube nutzt Mousai die API des kommerziellen Dienstes AudD. Der Zugriff ist ohne eine Registrierung auf ein paar Abfragen pro Tag limitiert — dementsprechend stößt Mousai irgendwann mal an das leider nicht einsehbare Limit. Wer öfters die Musikdatenbank kontaktieren möchte, der muss sich bei AudD registrieren und danach den vom Dienst ausgestellten Token unter Token zurücksetzen in den Einstellungen von Mousai eintragen. Ganz kostenlos ist dieser Schritt allerdings nicht: Der günstigste Tarif kostet bei 1000 Abfragen bereits 5 US-Dollar pro Monat. Wer aber nicht alle paar Minuten eine Abfrage startet, sollte aber auch ohne Token zurechtkommen.

Mousai lauscht am Mikrofon oder analysiert die am Desktop abgespielten Songs.
Mousai lauscht am Mikrofon oder analysiert die am Desktop abgespielten Songs.

Alles in allem funktioniert Mousai im schnellen Test sehr zuverlässig. Die Datenbank von AudD liefert bei Hits, aber auch bei weniger bekannten Songs und Künstlern wie auch Klassik-Aufnahmen die richtigen Ergebnisse. Das Programm speichert die erkannten Songs in einem Verlauf. Bei Bedarf könnt ihr in die gesammelten Treffer über den Play-Button auch nochmal kurz reinhören. Das Link-Icon führt zu einer Übersicht, welcher Streaming-Anbieter den Song in seiner Bibliothek führt. Die üblichen Verdächtigen, also selbstverständlich Spotify, aber auch Youtube Music oder Deezer, sind hier mit dabei.

Die erkannten Songs lassen sich anspielen oder in einer Streaming-Übersicht ansehen.
Die erkannten Songs lassen sich anspielen oder in einer Streaming-Übersicht ansehen.
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5 Kommentare

  1. Nach drei Jahren das Bloggen wiederentdeckt, wie? Freut mich! Hatte fast vergessen, dass das noch in meinem Feedreader ist. Grüße!

    • Irgendwann juckt es doch wieder in den Fingern 😀 In den nächsten Tagen gibt es noch einen kleinen „Willkommen zurück“-Beitrag. Das hier war der erste Testballon, ob noch alles klappt. Technisch muss ich noch an der einen oder anderen Ecke ein wenig feilen…

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