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WhatsApp hat heute mit großem Trara und Berichterstattung in allen größeren Medien erstmals eine eigenständige WhatsApp Desktop App vorgestellt. Schaut man sich das „Programm“ jedoch einmal genauer an, dann gibt es rein gar nicht Spannendes zu entdecken: Der WhatsApp-Desktop-Client entspricht WhatsApp Web, das mit einem WebView in Anwendungsfenster gegossen wurde. Für das bisschen Programm, muss man dann über 62**MByte Daten aus dem Netz laden und auf seinem Rechner installieren. Das Programm gibt es nur für Mac und Windows, für Linux-Anwender gibt es mit Franz jedoch eine gute Alternative.

Die Desktop-App bietet WhatsApp für Systeme mit mindestens Windows 8 und Mac OS X 10.9 und neuer an. Linux steht bei WhatsApp nicht auf dem Plan, eigentlich ein Armutszeugnis, wenn man bedenkt, dass hier nicht einmal eine native Anwendung entwickelt wurde und somit ein Programm für alle größeren PC-Plattformen durchaus möglich wäre. Allerdings muss man als Linux-User nicht auf eine WhatsApp-App für den PC verzichten, mit Franz gibt es eine Linux-taugliche Open-Source-Freeware-Alternative, die allerdings nicht nur den Web-Client von WhatsApp als App implementiert, sondern gleich auch andere Dienste wie Skype, Telegram oder Google Hangouts sowie den Facebook Messenger unterstützt.

Franz unterstützt neben WhatsApp noch Skype, Telegram, Facebook Messenger und andere Instant Messenger.
Franz unterstützt neben WhatsApp noch Skype, Telegram, Facebook Messenger und andere Instant Messenger.
Genauso wie im Webbrowser muss man sich bei Franz über die Handy-App verbinden.
Genauso wie im Webbrowser muss man sich bei Franz über die Handy-App verbinden.

Aktuell gibt es Franz für Linux, Windows und Mac OS X, allerdings bietet der Entwickler bislang noch keine DEB- oder RPM-Pakete oder gar eine Paketquelle an, sodass man das Programm leicht unter Linux installieren könnte. Stattdessen muss man das Programm von Hand herunterladen ins System einfügen. Die folgenden Befehle beschreiben die Installation auf einem Ubuntu- oder Debian-System, wobei sie eigentlich generell unter allen Distributionen funktionieren sollten. Ihr müsst sie in dem Verzeichnis ausführen, in dem ihr die TGZ-Datei des Programms heruntergeladen habt. Den Inhalt für den Startmenü-Eintrag in der Datei /usr/share/applications/franz.desktop übernehmt ihr aus dem zweiten Listing, den Editor beendet ihr mit [Strg]+[O], [Eingabe] und danach [Strg]+[X]. Unter Arch kann man sich den Aufwand sparen, hier lässt sich das Programm aus dem AUR installieren.

Franz unter Ubuntu oder Debian installieren

$ sudo mkdir /opt/franz
$ sudo tar xf Franz-linux*.tgz -C /opt/franz
$ sudo wget https://cdn-images-1.medium.com/max/360/1*v86tTomtFZIdqzMNpvwIZw.png -O /usr/share/icons/franz.png
$ sudo nano /usr/share/applications/franz.desktop
[Desktop Entry]
Encoding=UTF-8
Name=Franz
Comment=A free messaging app for WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram, Slack and more.
Exec=franz -- %u
StartupWMClass=Franz
Icon=franz
Terminal=false
Type=Application
Categories=Network;

Franz unter Arch Linux installieren

$ pacaur -S franz

In der Praxis lässt sich Franz nun sehr einfach bedienen. Für den Einstieg müsst ihr einen der angebotenen Services auswählen und die Zugangsdaten innerhalb der Web-Anwendung eingeben. Im Falle von WhatsApp müsst ihr euch über die Smartphone-App authentifizieren, indem ihr den im Fenster angezeigten QR-Code in der Smartphone-App einscannt. Anschließend sehr ihr sofort eure bisherigen Chats und hinterlegten Kontakte. Geht eine Nachricht ein, werdet ihr über das Benachrichtungs-System eurer Desktopumgebung (ich habe es hier mit Gnome 3.20 getestet) informiert.

Wie der "offizielle" WhatsApp-Client für den PC stellt auch Franz nur die Webseite als WebView dar.
Wie der „offizielle“ WhatsApp-Client für den PC stellt auch Franz nur die Webseite als WebView dar.

[UPDATE 11.05.2016: In einer ersten Version des Artikels stand, dass der Quellcode des Programms offen liegt. Dies scheint jedoch nicht der Fall zu sein. Es gibt zwar einen Github-Eintrag für Franz, über den sich auch das Programm herunterladen lässt. Doch das dort als „Source“ hinterlegte Quellcode-Paket ist größtenteils leer. Aktuell muss man Franz daher eher als Freeware bezeichnen.]

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8 KOMMENTARE

  1. Hallo,

    toller Artikel. Ich hätte noch eine Frage: Wie verhält sich die Mobil-App während Franz seine Dienste verrichtet. Wird man dann doppelt benachrichtigt?

  2. Sehe ich das richtig, dass Franz im Prinzip das gleiche macht wie das Whatsapp Programm (also es ist nur ein Wrapper für die WebApp), aber das dafür für viele Plattformen? Die Dateigröße von Franz ist auch ganz ordentlich** 😉

  3. Bei mir hat deine franz.desktop in ubuntu-gnome leider nicht funktioniert.

    Ich hab nicht viel Ahnung, aber geholfen hat, dass ich jetzt sowohl in /opt/franz/ als auch in /usr/share/applications eine franz.desktop liegen habe. Außerdem habe ich die Zeile zur Codierungs-Info rausgenommen:

    [Desktop Entry]
    Name=Franz
    Comment=Franz
    Exec=/opt/franz/Franz
    Icon=/opt/franz/franz.png
    Terminal=false
    Type=Application
    Categories=Network;

    Danke für deine Mühe mit dem Blog, lese hier gerne mit!

    • Hallo Michael,

      wenn ich das nach kurzem Überfliegen (bitte belehrt mich, wenn nötig, eines Besseren!) richtig gelesen habe: Keine. Franz ist im Prinzip nur eine Ansammlung von Browsertabs und bekommt damit nicht mehr, als jeder Browser auch. So steht es zumindest in deren Privacy-Statement [1] und vom Feeling her ist das auch nur ein schicker Browser.

      [1] http://meetfranz.com/privacy.html

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