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Die Snowden-Enthüllungen haben die Art und Weise verändert, wie wir über Internet-Kommunikation denken. Es soll sicher sein, gegenüber staatlichen Autoritäten und Unternehmen anonym und am besten soll alles komplett verschlüsselt über die Datenleitung gehen. In der Praxis hat sich allerdings so gut wie nichts geändert. Unsere E-Mails verschlüsseln wir so gut wie nie, wir stellen nach wie vor jeden Scheiß bei Facebook ein und natürlich chatten wir immer noch sehr gerne mit WhatsApp. Eine WhatsApp-Alternative wäre Telegram, neben den üblichen Clients für mobile Geräte, gibt es im Gegensatz zu WhatsApp auch Programme für den Desktop.

Nun ist aber auch Telegram bei weitem nicht ohne Kritik: Das hinter der App stehende Unternehmen ist in russischer Hand und diverse Crypto-Experten haben bereits ihre Bedenken zu dem von Telegram genutzten Verfahren geäußert. Nicht desto trotz verleiht die Electronic Frontier Foundation in ihrem Secure-Messaging-Vergleich Telegram halbwegs ordentliche 5 von 7 Punkten.

WhatsApp, Viber, Skype und Co. kommen in dieser Übersicht oft nur auf zwei Punkte, wenn überhaupt. Ganz am Ende des Vergleichs landen die alten Klassiker AIM oder der Yahoo! Messenger. Besser dran währt ihr allerdings mit Anwendungen wie ChatSecure, allerdings sind diese noch weniger verbreitet wie Telegram oder andere WhatsApp-Alternativen mit verbesserter Verschlüsselung wie Threema.

Im Vergleich mit WhatsApp hat Telegram nun aber eine Reihe von Vorteilen: Das Programm lässt sich genauso einfach bedienen wie zum Beispiel WhatsApp. Auch hier füllt sich die Kontaktliste automatisch über die im Adressbuch gespeicherten Handy-Nummer. Die Funktionalität deckt sich ebenfalls größtenteils, zusätzlich sind aber auch sich selbst vernichtende Nachrichten möglich.

Neben den üblichen Clients für AndroidiOS oder Windows Phone, gibt es im Gegensatz zu WhatsApp aber auch Programme für den Desktop. So kann man längere Chats bequem am Rechner führen, so wie man es von anderen Chat-Lösungen gewohnt ist. WhatsApp sträubt sich schon lange eine solche Funktion umzusetzen. Auf der Android-Seite hat die Telegramm erst kürzlich einen neuen schicken Anstrick im aktuell angesagten Material Design bekommen.

Telegram für den Desktop

Da Telegramm das MTproto genannte Protokoll komplett offen gelegt hat, gibt es neben den offiziellen Anwendungen auch eine Reihe von alternativen Clients. Für Linux-User kamen bisher dafür meist Sigram, Telegram-Cli und Telegram-Purple in Frage. Die erste Anwendung bietet eine graphische Oberfläche, mit der zweiten könnt ihr Telegram im Terminal nutzen und Telegram-Purple integriert schließlich Telegram in die Multi-Messenger-App Pidgin.

Die offizielle Desktop-App für Linux bietet Telegram auf seiner Homepage als fertig gebaute Binaries an — Pakete im DEB- oder RPM-Pakete fehlen allerdings noch. Daher gestaltet sich die Installation vor allen Dingen unter Ubuntu ein wenig aufwändiger. Wer sich für den Quellcode der Programme interessiert, der findet diesen auf GitHub. Bisher hat Telegram allerdings nur den Sourcecode für die Clients geöffnet, der Server-Part ist noch geschlossen — soll eigenen Aussagen nach aber eines Tages noch folgen.

Telegram-Desktop unter Debian/Ubuntu installieren

Im Endeffekt könnte ihr den Telegram-Linux-Client einfach nur herunterladen, entpacken und ausführen. Danach liegen die Programmdateien allerdings wild im System herum und nicht dort, wo solche Dateien eigentlich hingehören. Ich fasse daher die nötigen Schritte zum installieren von Telegram unter Ubuntu zusammen. Beginnt damit das Programm herunterzuladen und nach /usr/local/bin zu entpacken. Über das Terminal solltet ihr das eigentlich gebacken bekommen.

### Telegram herunterladen...
$ cd /tmp
### Für 32-Bit-Systeme...
$ wget -O telegram-desktop.tar.gz https://tdesktop.com/linux32
### Für 64-Bit-Systeme...
$ wget -O telegram-desktop.tar.gz https://tdesktop.com/linux

### Telegram auspacken und verlinken...
$ sudo tar -Jxf telegram-desktop.tar.gz -C /opt/
$ sudo ln -s /opt/Telegram/Telegram /usr/local/bin/telegram

Anschließend könntet ihr Telegram über das Kommando telegram aus dem Terminal heraus starten können, allerdings ist es natürlich wesentlich praktischer, wenn sich das Programm auch aus dem Startmenü heraus aufrufen lassen könnte. Dazu klaut ihr euch am einfachsten das Telegram-Logo als SVG-Datei und den Startmenü-Eintrag in Form einer DESKTOP-Datei aus dem Arch Linux AUR und kopiert die zwei Dateien ins System, anschließend findet ihr dann sofort Telegram unter den von euch installierten Programmen.

### Startmenüeintrag für Telegram erstellen...
$ cd /tmp
$ wget https://aur.archlinux.org/packages/te/telegram-desktop/telegram-desktop.tar.gz
$ tar xzf telegram-desktop.tar.gz
$ sudo cp telegram-desktop/telegram.svg /usr/share/pixmaps
$ sudo cp telegram-desktop/telegram.desktop /usr/share/applications

Telegram-Desktop unter Arch installieren

Wer so wie ich mit einem Arch Linux auf dem Rechner unterwegs ist, der muss sich nicht lange mit der manuellen Installation des Desktop-Clients abmühen. Wie so viele Programme findet ihr auch Telegram im AUR. Der Installationsaufwand beschränkt sich daher gerade einmal auf einen Befehl — natürlich nur, wenn vorher schon das AUR aktiviert wurde.

$ pacaur -S telegram-desktop

Beim ersten Start müsst ihr euch wie schon auf der Handy-App mit eurer Mobilfunknummer anmelden. Per SMS bekommt ihr dann einen Code zugeschickt, den ihr dann in die Desktop-Anwendung eingeben mpsst. Der Desktop-Client hat den Vorteil, dass er sich automatisch mit der Handy-App synchronisiert. Ihr seht also auf dem PC direkt eure Telegram-Kontakte und auch die Chat-Verläufe. Ihr könnt ebenfalls Bilder oder Dateien versenden, Sprachnachrichten bleiben bisher allerdings der mobilen App vorbehalten.

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16 KOMMENTARE

  1. Das scheint aber noch keine Ende-zu-Ende Verschlüsselung zu unterstützen. Telegram nennt das „secret chats“.

    Die normale Verschlüsselung von Telegram (und nur mit dieser ist es Möglich die Nachrichten zwischen mehreren Clients zu synchronisieren) ist halt wieder nur eine Form der Transportverschlüsselung zwischen dem Server und dem jeweiligen Client. Da muss man sich wieder darauf verlassen und vertrauen, dass das auf dem Server auch sicher behandelt wird.

    Das ist auch einer der Hauptgründe, weshalb das bei den anderen Messengern immer schwierig ist einen Desktop-Client zu betreiben. Die Nutzer erwarten heute ja, dass die Nachrichten synchronisiert werden, ähnlich wie man das bei E-Mail (IMAP) kennt, man will doch nicht alle Nachrichten nochmal erhalten, wenn man sie schon gelesen hat (POP3). Und da stellt sich dann die Schwierigkeit bei E2E-Verschlüsselung, dass man dann auch die Schlüssel synchronisieren muss, damit die Nachrichten auf allen Endgeräten entschlüsselt werden können. Schein so als hätte auch Telegram dieses Problem noch nicht gelöst.

    ~jug

  2. Guter Artikel und sehr löblich noch dazu.
    Kommt nur vieleicht etwas zu spät, denn seitdem Whatsapp das Textsecure-Protokoll integriert hat, scheint mir das handfesteste Argument für „bessere“ Messenger obsolet zu sein.

    • Kann Whatsapp Federation? Wenn nicht ist es ein kein sinnvoller Dienst für den Benutzer sondern erledigt das Datensammeln für Facebook Inc.

      https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Federation_(information_technology)&oldid=603219759

      Wer freiwillig Dienste verwendet die kein Federation unterstützen ist einfach nur ein naiver Mitläufer.

  3. Immerhin gibt es Telegram auch für Firefox OS (Webogram auf GitHub, vermutlich eine abgespeckte Variante der mobilen WebOberfläche).

    Für mich ein Grund, diesen Client zu verwenden.
    Von den anderen seh ich da noch nichts.

  4. Hallo Christoph, deine Installationsanleitung für Ubuntu funzt leider nicht. da scheiterts schon am ersten Schritt. Wirf Bitte nochmal einen Blick drauf.

    • Hallo Roland, was geht denn nicht? Denn die angegebenen Befehle sollten funktionieren — ist ja auch nur ein wget am Anfang. Beachte bitte, dass du die Dollar-Zeichen nicht mit ins Terminal übernehmen solltest. Mit ihnen kannst du im Listing erkennen, ob es sich um einen Befehl (per $ xxx), einem Kommentar (mit # yyy) oder einer Ausgabe — dann steht nichts vor der Zeile — handelt.

  5. Hi Christoph,

    bin heute auf deine Anleitung gestoßen. Ich nutze Arch und musste feststellen, dass telegram-desktop aus dem AUR verschwunden ist. Hab es mit dem Plugin für Pidgin (telegram-purple-git aus dem AUR) versucht, aber leider wird mir Telegram nach der Installation nicht als IM angeboten. Hast du einen Tipp?
    Beste Grüße und dickes Lob für deinen Blog, den ich schon seit Jahren lese.

  6. Hey Chris,

    ich habe es wie oben beschrieben und möchte es jetzt nach einiger Zeit komplett von Ubuntu 14.04 löschen, howto?

  7. Hallo Christoph,

    habe nach der Anleitung Telegram auf Debian installiert.
    Beim Start kommt folgende Fehlermeldung:

    „This app requires that Firefox version 16 or above is installed.
    Firefox 16+ has not been detected.“

    Ich benutze den neuesten Firefox in der Version 37.0.2.

    Hoffe du hast eine Idee ?!

    Viele Grüsse
    Fred

  8. Hallo,
    kleine Anmerkung zur Installation unter debian/ubuntu: Es gibt ein PPA, in dem telegram enthalten ist:
    $ apt-add-repository ppa:atareao/telegram
    $ apt-get update
    $apt-get install telegram

    Grüße,
    zeno

  9. Hi Chris,

    ich verfolge gerne deinen Blog. Sind immer echt interessante und nützliche Tipps dabei.

    Ich bin seit deinem Beitrag zu Arch Linux selbst auch zu Manjaro gewechselt. Gefällt mir echt gut. Ich habe jetzt Telegram versucht zu installieren, jedoch klappt das nicht. Es kommt immer eine Fehlermeldung.

    Gruß
    Mehmet B.

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