TEILEN

Auch wenn viele Nutzer immer wieder über die Richtung schimpfen, die Gnome in den letzten Jahren eingeschlagen hat: Ich bin seit Ewigkeiten mit Gnome unterwegs und störe mich auch wenig an der Gnome-Shell. Ganz im Gegenteil, ich bin mit meinem Gnome-Desktop sehr zufrieden. Von daher freue ich mich alle halbe Jahre sehr, wenn mal wieder das Release einer neuen Gnome-Version ansteht. Im Zentrum der Entwicklung von Gnome 3.20 stand wohl primär der Wayland-Support. Die Arbeit biegt nun langsam auf die Zielgerade ein, so unterstützt Gnome unter Wayland nun Drag&Drop-Aktionen, das Einfügen von Texten über die mittlere Maustaste und andere Dinge, die im Alltag bisher gefehlt haben. Die Entwickler nennen die nach wie vor optionale Wayland-Session nun gebrauchsfertig, wenn manche Funktionen wie die Bildschirmfreigabe oder die Unterstützung für Grafiktabletts von Wacom noch fehlen.

https://www.youtube.com/watch?v=JU2f_jkPRq4

Viel Arbeit floss auch in den Bildbetracher (ehemals Eye of Gnome), der nun einfache Funktionen zur Bildbearbeitung wie zum Beispiel Zuschneiden, Drehen und Filter kennt. Ähnliche Features gibt es schon längere Zeit im Bildbetrachter von Elementary OS. Da die beiden Programme einiges an Code teilen, denke ich, dass hier diverse Teile der Arbeit an Elementary OS zum Gnome-Projekt zurückgeflossen ist. Praktisch ist in meinen Augen auch die Erweiterung am IRC-Client Polari, die es erlaubt Bilder in die Anwendung zu ziehen und diese auf diesem Weg direkt zu Imgur hochzuladen und den Link zum Bild in den Chat einzufügen. Das neue „Kürzel-Fenster“ für eine Reihe der Gnome-Apps wie Dateien, Videos, Fotos oder Gedit ist mit Sicherheit praktisch, ich bezweifle allerdings, dass andere Anwendung die dafür notwendigen Schnittstellen einbauen werden.

Neben den „großen“ Neuerungen in den offiziellen Release Notes, sollte man aber nicht die extra aufgezählten kleineren Änderungen in Gnome 3.20 verpassen: Zu diesen zählt, dass man nun genau steuern kann, welche Anwendungen auf die Ortungsdienste zugreifen dürfen, zudem gibt es nun einen brauchbaren Downloadmanager für den Gnome-Browser, die Möglichkeit Inhalte über die Maps-App in die OpenStreetMap einzufügen, ein neues kleines Spiel sowie eine Reihe anderer Kleinigkeiten an der Gnome-Schrift Cantarell, den Einstellungen für Maus und Touchpad. Wichtig ist aber auch eine Änderung am Network Manager, die nun beim Scannen nach Access-Points eine zufällig generierte MAC-Adresse übermittelt und so ein Tracking des Users erschwert.

Als Arch-User wird Gnome 3.20 wahrscheinlich in etwa zwei, drei Wochen automatisch auf meinem System eintrudeln — dies gilt natürlich auch für Anwender mit Arch-Derivaten wie Antergos oder Manjaro (Für Ungeduldige gibt es ein Unstable-Repository, was ich allerdings nicht wirklich für Otto-Normal-User empfehlen würde). Wer hingegen mit Ubuntu unterwegs ist, der wird sich wahrscheinlich deutlich länger gedulden müssen. Das PPA des Gnome3-Teams führt Gnome 3.18 in den Paketquellen für das demnächst anstehende Ubuntu 16.04. Gnome 3.20 wird dort erst mit der danach folgenden Ubuntu-Version eingepflegt werden.

Anzeige

6 KOMMENTARE

    • Ich bin glücklich mit Fedora, nicht so schnell mit neuen Paketen wie Arch aber versteht sich am besten mit meinem surface pro

    • ich persönlich schwöre seit ca. 5 jahren auf arch linux. dort befindet sich’s derzeit noch in den [gnome-unstable] repos, läuft meiner bisherigen erfahrung nach aber bereits jetzt schon sehr rund (mit der einschränkung, dass wayland im gdm login screen bislang noch nicht auswählbar ist).

      • Hi Bung, hab in der Vergangenheit auch ganz gerne das Gnome-Unstable-Repo genutzt, hatte eigentlich auch nur selten Probleme… Bis es einmal einen nervigen Bug gab, dass es GDM beim Einloggen zerschossen hat. Musste dann auf einen anderen Login-Manager umstellen.

    • Wahrscheinlich gar nicht. Die Paktetquellen von Ubuntu 15.10 sind zu alt, um ohne große Patches die neuesten GNOME-Versionen zu unterstützen.
      Wie schon im Artikel oben gesagt, bekommt Ubuntu 16.04 erst GNOME 3.18. Also wirst du GNOME 3.20 erst mit Ubuntu 16.10 bekommen. Wenn du GNOME 3.20 gerne früher verwenden möchtest, solltest du dir andere Distributionen wie Fedora (dauert aber auch noch ein bisschen) oder Arch bzw. Antergos (in den nächsten Wochen) anschauen.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT