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Eine der am häufigsten gestellten Fragen rund um freie Software ist ja wie das Projekt und die dahinter stehenden Menschen jemals Geld verdienen möchten. Software schreibt sich ja nicht von alleine, wie sollen die Entwickler jemals an etwas Geld für ihre tagtäglich benötigten Brötchen kommen. Bei Hobby-Projekten stellt sich diese Frage eigentlich eher weniger, doch es gibt auch zahlreiche Entwickler, die sich vollständig ihrem freien Software-Projekt widmen und davon auch leben möchten.

Eines dieser Projekte ist das populäre und recht weit verbreitete Maus- und Keyboard-Sharing-Tool Synergy. Das Programm erlaubt das Steuern mehrerer Rechner mit nur einer Maus-/Tastatur-Kombo über das Netzwerk. So kann man etwa das Notebook als zweites Display nutzen, egal welches Betriebssystem auf dem Rechner läuft. Nun kommt trotz intensiver Bitten um Spenden nicht viel dabei rum. Laut Angaben von Synergy-Hauptentwickler Nick Bolton spenden gerade einmal 0,002% aller User, die Synergy von der Homepage laden, für das Projekt.

Mit Synergy steuer man mehrere Rechner mit einer Maus und einer Tastatur.
Mit Synergy steuer man mehrere Rechner mit einer Maus und einer Tastatur.
Die Position der einzelnen Rechner werden wie mehrere Monitore an einem Rechner organisiert.
Die Position der einzelnen Rechner werden wie mehrere Monitore an einem Rechner organisiert.

Um das Projekt nun auf sichere Beine zu stellen, wagt Synergy nun einen recht riskanten Schritt: Der Download des Programms von der Synergy-Homepage wird kostenpflichtig, ein lebenslang gültiger Account kostet einmalig 4,99 US-Dollar. An der GPL-Lizenz ändert sich nichts, das Programm ist weiterhin freie Software und selbstverständlich lässt sich der Synergy-Quellcode nach wie vor einsehen, runterladen und natürlich auch eigenhändig kompilieren. Linux-Anwender werden das Programm auch in Zukunft kostenlos über die Paketverwaltung ihrer Distribution beziehen können.  Von dieser Entscheidung betroffen sind also nur Windows- und Mac-Anwender, die nicht in der Lage sind das Programm selber zu bauen — was wohl auf die meisten zutreffen wird.

I have realized that our little project needs to grow up. This is why I have made the decision to charge $4.99 to download Synergy. It turns out that given the option, only 0.002% will choose to donate, which just isn’t enough to fund the team size required to maintain the program. Synergy is still open source and „free as in free speech“ (to quote Richard Stallman), except that now there’s a one-time fee to download the software. This will give you an account which will last forever, giving you lifetime download access for all new versions of Synergy. As with all GNU licensed software, you are free to run the program, change the program, and redistribute the program with or without changes.

Was denkt ihr? Ist das ein sinnvoller Schritt der Entwickler? Werden wir in Zukunft öfters Paywalls vor Binary-Downloads freier Programme sehen? Ich für meinen Teil habe eigentlich kein Problem mit dieser Idee. Unter Android sehen wir das bei Open-Source-Projekten eigentlich schon recht häufig. Wer etwa ownCloud oder den Tiny-Tiny-RSS-Client für Android bequem über den Google Play Store installieren möchte, der zahlt einen kleinen Obolus. Wer das nicht möchte, der findet die Programme auch im Open-Source-Market F-Droid. Dafür muss man sich jedoch ein wenig mit der ganzen Thematik rund um freie Software und Android auseinandersetzen. Ich meine, dass dies eigentlich ein fairer Deal ist.

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12 KOMMENTARE

  1. Neu ist diese Variante ja nicht, dass die Versionen für Linux kostenlos sind und auf Windows und Mac dafür etwas bezahlt werden muss. Ein Vertreter, der diesen Weg schon länger geht, ist Minitube. Die Finanzierung freier Software ist außerdem generell ein größeres Problem. Entweder man ist von einem Geldgeber extrem abhängig, wie Mozilla gerade das Problem hat, oder die Definition macht Probleme, weil viele Leute unter freier Software oder OpenSource dann immer gleich Freeware und damit kostenlose Software verstehen.

    Die Frage ist, wie man die Refinanzierung macht, und genau da sehe ich die Paywall sehr kritisch. Damit ich zum Beispiel für eine freie Software zahlen würde (damit meine ich nicht spenden oder Crowdfunding, das steht für mich auf einem anderen Blatt Papier), muss sie mir deutliche Vorteile (und damit meine ich nicht nur Quelloffenheit) gegenüber ihren kommerziellen Vertretern bieten und sie muss Hand und Fuß haben. Das darf keine Tagträumerei sein wie zum Beispiel Bitmessage, was zwar eine Alternative zur Mail aufzeigt, diese aber im Alltagsgebrauch – seien wir mal ehrlich – nie ersetzen würde, sofern sich dort nicht selbst grundlegende Strukturen ändern, sondern es müsste etwas sein wie zum Beispiel ein dezentraler, voll verschlüsselter Messenger, wo es auch realistische Chancen gibt, dass er Nachteile der etablierten Vertreter auch abfedern kann.

    Da liegt aber auch der Punkt, wieso die Paywall bei freier oder quelloffener Software kaum funktionieren wird. Weil…

    a) … viele freie Software mit Freeware gleichsetzen. Da müsste vorher ein Umdenken stattfinden.

    b) … freie Software und OpenSource eben quelloffen sind, und wenn einer für das Original nicht zahlen will, nimmt er halt den vielleicht sogar besseren Fork, der dann wieder kostenlos ist.

    c) … freie Software und OpenSource oft auch nur eine Alternative aufzeigen können, was man in Zukunft anders und sicherer machen kann, was aber im Alltagsgebrauch noch nichts taugt, weil die etablieren Strukturen zu festgefahren sind. Beispiel Flash: Ich mag den Adobe Flash Player auch nicht wirklich, es gibt zwar alternative Projekte wie Lightspark oder Livestreamer (Livestreamer verwende ich zumindest unter Windows selber, sehr gute Software), die sind aber teilweise noch nicht umfassend genug oder gar zu instabil.

    Ich glaube schon, dass eine Paywall in 99 % aller Fälle hier nicht funktionieren kann, und ich hoffe auch, dass Spenden und Crowdfunding weiterhin zentrale Modelle der Refinanzierung bleiben werden. Ein Szenario, was ich befürchte, wäre in fernerer Zukunft auch noch die Adaption von Lite-Versionen, wie mans schon von kommerzieller Software her kennt. Ob das dann aber wirklich noch zu freier Software passt oder doch eine komplett neue Lizenz nötig wäre, das wäre dann die Frage…

  2. Also ich finde das ok. Das Durchkompilieren jeder Version für jedes Betriebssystem ist ja auch ein gewisser Aufwand und dann kommt noch der Traffic dazu. Ich finde da kann man ruhig ein wenig Geld für verlangen.
    Ich halte das immer noch für eine Marktlücke: Eine Software für Windows in der man freie Software für kleine Beträge kaufen kann. Die Software sollte als Zusatzservice die Downloads mirrorn und auf Malware prüfen, unnütze Zusätze entfernen (Ich sage nur SourceForge), automatisch auf Updates prüfen und auch noch gleich ein kleines Forum mit Bewertungsfunktion integrieren.
    Ich denke da wären einige User bereit für Software wie auf dem Handy 1€-3€ zu zahlen, vor allem wenn das dann lebenslang gilt und über 90% an die Entwickler fließen (nicht wie bei Apple/Google).

    • Die Sache mit den unnützen Zusätzen bei Binaries gibts aber schon länger, da ist SourceForge ehrlich gesagt ein Nachzügler. Das große Problem für mich ist dann immer, dass bestimmte Projekte wie etwa der TV-Browser oder WikidPad nur dort gehostet werden und keine anderen Mirrors haben, zumal die anderen Drittanbieter meistens auch schon mit Preloadern arbeiten.

      Das Drama mit SourceForge hab ich ansonsten auch gerade erst hinter mir. Statt WikidPad benutze ich jetzt CherryTree (auch ne OSS), Greenshot hole ich mir künftig von Fosshub, Battle for Wesnoth kriege ich auch über Desura, insgesamt kann ich mittlerweile also ohne SF. Einfach wars aber nicht.

  3. Ich denke, man sollte insbesondere bei Linux mal ein wenig bei den Paketverwaltungen ansetzen.

    Im Moment ist ja leider immer noch das Nonplusultra und der gewünschte Zustand aller Linux-Paketverwaltungen, nur eine Kommandozeilenverwaltung (+ aufgesetzte grafische Oberfläche, die im Grunde aber nicht mehr kann als die Kommandozeilenversion) anzubieten. Das ist meiner Meinung nach zu schlecht.

    Die Paketverwaltungen müssten im Grunde halt mehr zu einem App-Center umgebaut werden, was ja auch meines Wissens mit dem Ubuntu Software Center usw. zu Teilen passiert. Aber ich finde, das reicht alles nicht aus. Was ich mir vorstelle:

    1. Schon auf der eigentlichen Softwareseite wird der Text für den Paketmanager geschrieben, inklusive Übersetzungen (meiner Meinung nach ein Unding, dass fast alle Paketmanager nur auf Englisch erhältlich sind) und Screenshots.
    2. Die Paketmantainer übernehmen das dann für die eigenen Pakete.
    3. Die grafischen Paketmanager stellen das dann eben wie in Android usw. vernünftig hübsch da. Das würde dann natürlich hauptsächlich nur für grafische Projekte gelten, aber das sind ja meistens die Sachen, die arbeitsaufwendig sind.

    So, und jetzt das wichtigste:
    Eben im Paketmanager gibt es auch eine sehr prominente Schaltfläche mit dem Spenden-Knopf. Am besten wäre es auch, wenn das irgendwie alles über eine zentrale Instanz laufen würde (FSF eventuell?), so dass man ähnlich wie beim Play Store leicht mit einem oder zwei Klicks Geld geben kann. Das würde zumindest schon mal bei Linux das Problem etwas mindern, dass viele Leute gar nichts von den Spendenmöglichkeiten mitbekommen.

    Da ich mir aber sicher bin, dass trotzdem viel zu viele Leute zu geizig sind, für freie Software zu bezahlen, finde ich die Paywall eigentlich gut. Unter Linux merkt man doch irgendwie, dass den Leuten die Software eigentlich kein Geld wert ist. Das mag ja für Sachen klappen, wo eine Firma (Red Hat oder so) hinter steckt, oder für ganz kleine Tools, die ohne Probleme nur in der Freizeit entwickeln werden können, aber leider führt das auch sehr stark dazu, dass im Allgemeinen die Software unter Linux qualitativ nur sehr mittelmäßig ist. Insbesondere bei den grafischen Anwendungen. Insbesondere auch bei der Benutzerfreundlichkeit.

    Auf den Mobilsystemen merkt man ja, was kleinere Bezahlmöglichkeiten für innovative Software herausbringen können. Leider, leider, merkt man bei Android aber auch, dass Bezahlsysteme im Grunde der Tod für Open Source sind: Wenn die Programmierer merken, dass sie mit bezahlter Software wesentlich besser entwickeln können, ist der Anreiz, Open-Source-Software zu entwickeln praktisch Null. Auf Android sind ja selbst die allerkleinsten Tools kostenpflichtig oder mit Werbung zugemüllt, obwohl es solche Tools auf dem PC eigentlich immer auch als Open-Source-Version geben würde.

  4. Moin!

    Ich find es ganz ok, für seine Software Geld zu verlangen. Am Beispiel Ardour kann man gut sehen, daß es auch halbwegs funktioniert. Da finanziert sich zwar keine große Community, sondern nur der Hauptentwickler, aber es scheint zu gehen. Nun ist wohl Ardour auch keine Software für die Massen, der Userkreis dürfte ziemlich begrenzt sein. Aber da ich Ardour auch nutze, gibts da auch Geld von mir dafür… (Wenn man mal überlegt, wieviel im Gegensatz die proprietäre Konkurrenz verlangt…)

    Jruß
    chris

  5. Wenn sich der Entwickler von einer Software (ob OSS oder nicht), dazu entscheidet damit Geld zu verdienen, dann ist es auch sein gutes Recht die Software zu verkaufen. Bei Qtiplot läuft das auch schon lange so, dass man für die binaries beim „Hersteller“ zahlen muss.

    Der Sublime Text Entwickler kann von dem Editor seine Familie ernähren. Das ginge sicher nicht, wenn er das ganze als kostenloses OSS-Projekt betreiben würde.

    Es kommt also auf den individuellen Lebensentwurf an. Ich persönlich nehme für OSS kein Geld. Ich werde aber auch vollzeit bezahlt, wenn ich an einem OSS-Projekt mitarbeite. So lang also keine Firma bereit ist die Entwickler von Synergy (oder Sublime Text) zu bezahlen, ist es ein absolut valides Mittel die Software zu verkaufen.

  6. Jeder soll seine Software so vertreiben wie er es für richtig hält, aber bitte nicht unter jedem Label. OpenSource und „Spendenzwang“ geht für mich nicht zusammen.

    Auch wenn sich die Begriffe kostenpflichtig und Open-Source technisch nicht ausschließen; der Grundgedanke freier Software (frei im Sinne von Freiheit), ist doch, das sie jedem in jeder Hinsicht offensteht, also auch jenen die mit wenig auskommen Geld müssen. (Mittlerweile sind aus den 6$ schon 10€ geworden.)

    Allerdings kann ich verstehen das die Entwickler der Software zu diesem Mittel gegriffen haben. Das nur 0,002% der User freiwillig einen Beitrag spenden ist erbärmlich. Hier sollten sich die Nutzer klar machen, das sie nicht nur nehmen dürfen, sondern auch eine moralische Verpflichtung haben etwas zurückzugeben. Das muß aber nicht zwangsläufig Geld sein. Man kann sich auch durch Mithilfe oder Anerkennung erkenntlich zeigen.

    • Du verwechselst hier frei im Sinne von Freiheit mit frei im Sinne von Freibier. Bei der GPL geht es um Freiheit (libre open source software). Der Gedanke der Freiheit ist bei Synergy gegeben. Synergy liegt unter GPL Lizenz auf Github [1] mit einer Anleitung zum kompilieren.

      Niemand wird daran gehindert eine Seite aufzusetzen, wo er Synergy binaries anbietet. Man kann mit Synergy machen, was man will, so lange man die GPL achtet.

      Synergy ist nur nicht frei wie in Freibier/kostenlos. Das hat aber mit Freiheit, der GPL und dem Opensource-Gedanken nichts zu tun.

      [1] https://github.com/synergy/synergy/

        • Es ist ausserdem auch nicht so, dass man von den Synergy-Machern gar keine Binaries mehr bekommen würde:

          https://synergy-project.org/nightly

      • OK, Synergy steht unter GPL und ist quelloffen, ist also freie Software. Soweit will ich nicht widersprechen. Auch darin das man zwischen freier (=quelloffener) und kostenloser Software unterscheiden sollte ist mir durchaus klar. (Die Doppeldeutigkeit des Wortes „free“ im Englischen gibt es so im Deutschen ja nicht). Kostenlose Software ist nicht zwangsläufig frei.

        Meine These ist nur, dass umgekehrt frei und kostenpflichtig nicht zusammen passt, eben weil jeder quelloffene Software kompilieren und dann nutzen kann. Frei ist mehr als nur kostenfrei.

        Synergy ist freie Software, aber Art wie es vertrieben wird verschleiert das. Die erste Info die ich auf der Synergieseite bekomme ist, dass Synergie 10 € kostet. Das stiftet zumindest Verwirrung und die ist gewollt. Nicht einmal die Chip traut sich die neueren Binaries zum Download anzubieten [1]. Diese Art des Vertriebs ist unschön und passt nicht zu freier Software. Deshalb hoffe ich, dass Beispiele wie dieses keine Schule machen und die Programmierer andere Wege der Finanzierung finden.

        [1] http://www.chip.de/downloads/Synergy-letzte-Freeware-Version_22241880.html

        • Also erst mal muss ich kurz festhalten, dass quelloffen nicht gleich frei heisst. Frei wird die Software durch eine Lizenz wie die GPL.

          Im Englischen hat sich durchgesetzt für frei im Sinne von Freiheit das Wort „libre“ zu benuten.

          „Meine These ist nur, dass umgekehrt frei und kostenpflichtig nicht zusammen passt, eben weil jeder quelloffene Software kompilieren und dann nutzen kann. Frei ist mehr als nur kostenfrei.“

          Das Sinn daraus erschliesst sich mir nicht. Man kann doch mit Synergy machen, was man will. Du kannst es (wie weiter oben gezeigt) doch auch kostenlos downloaden. Nur wenn du die aktuelle stable haben willst, musst du direkt beim Hersteller (ein einziges mal) für den Download zahlen.

          Schau dir mal das aktuelle Q&A mit Linus Torvalds an. Dort erzhählt er, dass er damals jung und dumm war, als er eine eigene Lizenz schrieb, die so unfrei war, dass sie den Nutzern verboten hat das Geld die Hände wechselt. Als er seinen Fehler erkannte, hat er zur GPL gewechselt, die das ausdrücklich erlaubt.

          „Deshalb hoffe ich, dass Beispiele wie dieses keine Schule machen und die Programmierer andere Wege der Finanzierung finden.“

          Das hoffe ich aber nicht. Das ist z.B. das Geschäftsmodell von Redhat. Die fahren da extrem gut mit und bei dem, was Redhat zum Kernel und diversen OSS-Projekten beiträgt kann man ja wohl sagen, dass alle was davon haben. Bei Redhat musst du auch für die Binaries zahlen. Oder du nutzt den kostenlosen „mirror“ CentOS.

          Ganz ehrlich, du kritisierst hier einen der zentralen Punkte die OSS überhaupt erst so erfolgreich machen. Das Profimagazin Chip hat das, wie so vieles anderes, einfach auch nicht verstanden.

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