Was passiert wenn man die Quellen eines kommerziellen Spiels freigibt?

Avatar von Christoph Langner

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Was bringt es, den Quellcode eines kommerziellen Spiels freizugeben? Die Entwickler von Canabalt und Aquaria ziehen Bilanz – und die fällt deutlich positiv aus.

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Ich lese immer mal wieder Fragen, warum man denn den Quellcode eines Programms oder eines Spiels freigeben sollte. Worin denn der Sinn bestehen würde, die Früchte seiner Arbeit zu „verschenken“. Die Gründe für oder wider das Freigeben des Codes mögen äußerst unterschiedlich sein, doch ich finde es gut, mal direkt von Entwicklern zu lesen, was denn die Freigabe ihres Codes letztendlich ergeben hat. Was ist am Ende passiert? Hat es sich gelohnt? Die Entwickler von Canabalt und Aquaria haben den „Schritt in die Freiheit“ gewagt und berichten ausführlich über ihre Erfahrungen.

Im Blog von Semi Secret schreibt der Mitbegründer des Indie-Labels Adam Saltsman über die Hintergründe der Freigabe des Codes von Canabalt als Open-Source. Die Engine und die wichtigsten Komponenten des Spiels wurden unter der MIT-Lizenz freigegeben, während die Grafiken, Musik und andere Teile unter einer proprietären Lizenz blieben. So darf jeder Entwickler das Spiel nutzen, um eigene Arbeiten zu erstellen, es darf aber kein Clone des Spiels vertrieben werden.

Ich will jetzt nicht den ganzen Beitrag von Adam übersetzen, aber die wichtigsten Punkte möchte ich einfach hier im Blog stehen haben. Was hat dem Label die Freigabe des Codes gebracht? Adam schreibt, dass man eine Menge Bedenken hatte, doch nach der Freigabe seien ein paar wundervolle Dinge passiert:

  • Andere Entwickler nutzen Teile des Codes um auf der Engine des Spiels basierende eigene Kreationen auf den Markt zu bringen. So entstand bspw. Connectrode auf Basies von Canabalt.
  • Die Verkäufe von Canabalt blieben das ganze Jahr mehr oder minder stabil. Die Freigabe des Source-Codes verhinderte nicht die erfolgreiche kommerzielle Vermarktung des Spiels.
  • Selbst ein paar unverhohlene Clone konnte man letztendlich als positives Ergebnis deuten. Die Clone konnte man schnell aufgrund der Copyright-Verstöße  entfernen lassen und die Berichterstattung rund um dieses Ereignis sorgte für zusätzliche Verkäufe.
  • Da der Quellcode des Spiels leicht zugänglich und gut organisiert ist, wurden Verhandlungen mit kommerziellen Spieleverhandlungen deutlich erleichtern. Bei Interesse konnte man dieVerkäufer direkt auf den Quellcode verweisen.
  • Unabhängige Entwickler aus der „Homebrew Szene“ haben die Chance ergriffen und das Spiel auf verschiedene Plattformen portiert. So gibt es mittlerweile sogar eine C64-Version des Spiels [Anmerkung von mir: Letztendlich sind die Ports kostenlose Werbung für das Spiel.]

In das selbe Horn stößt auch Alec Holowka von Infinite Ammo, der hinter dem Action-Adventure Aquaria steckt. Er schreibt zur Freigabe des Quellcodes von Aquaria letztendlich über ähnliche Erfahrungen. Die Freigabe des Codes wäre ein Win-Win-Win Szenario: Man konnte weiterhin Geld verdienen, andere Entwickler konnten vom Code profitieren und auch zum Code etwas beitragen und zum Teil auch ihr eigenes Business starten.

Den Quellcode von Aquaria freizugeben erwies sich als wirklich gute Idee. Unzählige kleiner Bugs im Spiel konnten sofort über die Community behoben werden. Ebenso wurden Änderungen in die Modding-Funktionen eingebracht, so dass es leichter wurde neue Funktionen in das Spiel zu implementieren.

Zudem starte die Community das Spiel auf weitere Plattformen zu portieren. Einer der unabhängigen Entwickler war Andrew Church, der das Spiel auf die PSP brachte. Über ihn wurde mir klar, dass es möglich sein sollte das Spiel auch auf iOS zu portieren. Anstatt einen Entwickler finden zu müssen konnte ich einfach auf Andrew zurückgreifen. Es ist einfach großartig mit Leuten zusammenzuarbeiten, die das lieben, was sie tun. Zudem bietet Open-Source einen interessante Plattform die eigenen Fähigkeiten zu zeigen.

Letztendlich sind das alles keine Neuigkeiten, die Motivation hinter Open Source Software lässt sich seit Jahren in der Wikipedia nachlesen. OSS ist nicht nur eine Chance für Projekte, Unterstützung aus der Community zu bekommen, sondern eben auch ein grandioses Sprungbrett in die Welt der Software-Entwicklung. Trotzdem schön, mal wieder ein deutliches Fazit PRO Open Source zu hören.

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8 Kommentare zu „Was passiert wenn man die Quellen eines kommerziellen Spiels freigibt?“

  1. Avatar von Paloran

    Mich hat erst neulich jemand ganz erstaunt ob es denn wirklich stimmt , dass nahezu die gesamte Open SOurce Software kostenlos sei. Um dieser Person glaubhaft zu machen, dass die Entwickler z.B. von Firefox trotzdem von ihrer Arbeit leben können und es viele Leute auch gerne ohne Bezahlung machen brauchte es erstmal eine Weile.
    In kaum einem anderen Bereich in unserer Gesellschaft funktioniert das Prinzip des Gebens und Nehmens so gut. Natürlich gibt es gratis Musik, kostenloses Essen oder frei verfügbare Bücher, aber wo ist die Qualität schon durchgehend ähnlich hoch und teilweise besser als bei kommerziellen Produkten???

    1. Avatar von Hikhvar

      Du darfst aber nicht vergessen, dass auch hier hinter vielen erfolgreichen Open Source Produkten auch wieder Firmen sitzen. Sie finanzieren die Projekte auch nicht aus jux. Also sind sie indirekt auch wieder kommerzielle Produkte, weil diese Firmen damit Geld verdienen wollen. Zwar nicht direkt aber indirekt.

      1. Avatar von Paloran

        Es ist doch auch egal ob die Firma kommerzielle Interessen verfolgt oder nicht, da habe ich ja auch nichts dagegen, solange das Produkt an sich frei bleibt. Sony oder so könnte auch ruhig ein paar Alben mit frei wählbarem Preis wie bei den Humble Indie Bundles rausbringen. Und für den der mehr als der Durchschnitt zahlt gibt es einige extra live songs dazu…

  2. Avatar von Funatiker

    Muss nicht der Quellcode von Anwendungen, die im Appstore verfügbar sind geheim gehalten werden?

    1. Avatar von Das Wort

      Falls du auf die Inkompatibilität mit GPL & Co anspielst:

      Der Apple App Store bietet keine Möglichkeit den Source-Code zu verteilen, weshalb es unmöglich ist die GPL zu erfüllen.

      Indirekt also ja.

      1. Avatar von Funatiker

        Muss man denn direkt im Appstore den Source verteilen, um die GPL zu erfüllen? Reicht es nicht auf der Website zur App den Quelltext anzubieten?

        Ich dachte eher, dass der Appstore per Entwicklerrichtlinie festlegt, dass der Quelltext geheim sein muss.

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