Mit dem neuesten Pixel Drop hat Google eine Linux-Terminal-App eingeführt, die seit letztem Jahr in Entwicklung ist. Diese App ermöglicht es Nutzern, eine vollständige Debian-Instanz in einer virtuellen Maschine (VM) unter Android auszuführen. Dadurch wird der Zugriff auf zahlreiche Linux-Anwendungen ermöglicht, die auf Android nativ nicht verfügbar sind. Die aktuelle Version der Linux-Terminal-App ist jedoch nur der erste Schritt – Google hat bereits angekündigt, dass die App kontinuierlich weiterentwickelt wird.

Neue Funktionen der Linux-Terminal-App

In der dritten Beta von Android 16, die kürzlich veröffentlicht wurde, hat Google eine bedeutende Neuerung eingeführt: die Unterstützung von Tabs. Diese funktionieren ähnlich wie in einem Webbrowser und ermöglichen es Nutzern, mehrere Aufgaben parallel zu erledigen. So kann beispielsweise ein langer Befehl in einem Tab ausgeführt werden, während in einem anderen Tab weitergearbeitet wird. Diese Funktion verbessert die Benutzererfahrung erheblich.

Ein weiteres neues Feature ist der „Display“-Button, mit dem künftig grafische Linux-Anwendungen ausgeführt werden können. In der aktuellen Beta-Version ist diese Funktion jedoch noch deaktiviert. Zukünftige Updates sollen außerdem Verbesserungen wie Lautsprecher- und Mikrofonunterstützung sowie hardwarebeschleunigte Grafiken bringen, was die Nutzung einer Vielzahl nützlicher Linux-Programme ermöglichen wird.

Linux-VM unter Android aktivieren

Auf meinem Pixel 8 mit Android 15 lässt sich die Linux-VM bereits aktivieren. Dazu öffnet man unter System | Entwickleroptionen die Option Linux-Entwicklungsumgebung und installiert anschließend das Linux-Terminal. Danach findet sich eine neue Terminal-App im Anwendungsstarter – direkt neben dem bereits bewährten Termux.

Installation der Linux-Terminal-App unter Android 15 auf einem Pixel 8.
Installation der Linux-Terminal-App unter Android 15 auf einem Pixel 8.

In der VM läuft dann ein vollständiges Debian-System, inklusive aller gewohnten Befehle wie sudo apt update, sudo apt full-upgrade zur Systemaktualisierung oder sudo apt install foobar zur Softwareinstallation. In der Praxis habe ich allerdings festgestellt, dass die Paketquellen noch etwas instabil sind und Downloads mancher Pakete gelegentlich abbrechen.

Die neue Debian-Instanz in der Linux-VM mit laufendem Terminal.
Die neue Debian-Instanz in der Linux-VM mit laufendem Terminal.

Unter Android 15 funktioniert die angekündigte Unterstützung für grafische Anwendungen noch nicht. Zwar lässt sich beispielsweise glxgears durch die Installation der mesa-utils einrichten, aber beim Start des kleinen Testprogramms meldet das virtuelle Debian das Fehlen eines X-Servers.

Unterschiede zwischen der Linux-VM und Termux

Viele Nutzer fragen sich, welche Vor- und Nachteile die neue Linux-Terminal-App im Vergleich zu Termux bietet. Der Entwickler von Termux, agnosticapollo, hat Mishaal Rahman von Android Authority die Unterschiede wie folgt erklärt:

Vorteile der Linux-VM

  1. Standard-Linux-Distributionen: Die VM nutzt vollständige Linux-Distributionen, wodurch Nutzer auf eine wesentlich größere Anzahl von Paketen zugreifen können (10.000 bis 100.000), im Gegensatz zu den etwa 2.000 Paketen, die Termux bietet.
  2. Einfache Installation: Die Debian-Umgebung kann über ein einfaches Download-Paket eingerichtet werden, was den Einstieg erleichtert.

Nachteile der Linux-VM

  1. Geringere Performance: Die Nutzung von KVM (Kernel-based Virtual Machine) kann zu einem Leistungsabfall führen, da Termux nativ auf Android läuft und somit effizienter ist.
  2. Isolation vom Android-System: Die VM ist vom Android-System isoliert, was bedeutet, dass der Zugriff auf externe Speicher (z. B. /sdcard) und Android-APIs nicht möglich ist. Dies betrifft insbesondere Automatisierungs-Apps wie Termux:API oder Tasker.
  3. Eingeschränkte Root-Rechte: Root-Zugriff ist nur innerhalb der VM möglich, nicht jedoch auf das Android-System.
  4. Leistung von WebViews: Die Terminal-App läuft in einer WebView, was insbesondere bei der Verarbeitung großer Textmengen zu Performance-Einbußen führen kann.
  5. Höhere Hardwareanforderungen: Die Ausführung einer vollständigen Linux-Distribution in einer VM benötigt mehr CPU-Leistung, Speicher und Speicherplatz, was auf älteren oder leistungsschwächeren Geräten problematisch sein kann.

Fazit

Aus meiner Sicht ist die Einführung der Linux-Terminal-App für Android ein spannender Schritt, der neue Möglichkeiten eröffnet. Gerade für Entwickler oder Linux-Enthusiasten kann eine vollständige Debian-Instanz unter Android sehr nützlich sein. Allerdings steckt die App noch in den Kinderschuhen. Die Paketquellen sind instabil, grafische Anwendungen werden noch nicht unterstützt, und die VM benötigt deutlich mehr Ressourcen als Termux. Wer einfach nur ein leistungsfähiges Terminal mit Linux-Befehlen unter Android nutzen will, fährt mit Termux weiterhin besser. Trotzdem werde ich die Entwicklung der Linux-VM weiter im Auge behalten – insbesondere die angekündigte Unterstützung für GUI-Apps könnte das Ganze noch einmal deutlich interessanter machen.

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