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Seit dem Ende des Google Readers hoste ich meinen Feedreader mithilfe von Tiny Tiny RSS selber. Große Probleme gibt es dabei eigentlich nicht zu überwinden. Wer schon einmal ein WordPress oder eine andere PHP-Software aufgesetzt hat, der bekommt das Kind schon geschaukelt. Auf meinem kleinen virtuellen Root-Serverchen tickert das Ding brav vor sich hin und sammelt meine Feeds ein. Auch die Tiny-Tiny-Rss-Android-App erfüllt meine Anforderungen in praktisch allen Details. Was mir fehlt allerdings fehlt, ist ein wirklich brauchbarer Desktop-Client. Mit Liferea gibt es zwar eine Anwendung, die ihre Daten mit TTRSS abgleichen kann, aber so richtig warm bin ich mit Liferea nicht geworden. Nun sind Feedreader ja aktuell verdammt out, nicht desto trotz tut sich auf dem Markt etwas: Mit FeedReader entsteht aktuell ein sich an Tiny Tiny RSS, Feedly und bald Owncloud ankoppelnder Reader.

FeedReader setzt auf recht aktuelle Gnome-Bibliotheken auf. Das merkt ihr nicht nur an dem für moderne Gnome-Apps typischen Look, sondern auch an geforderten Abhängigkeiten. Das Programm braucht mindestens GTK+ 3.12 und lässt sich daher zum Beispiel unter Ubuntu erst ab Version 15.04 installieren. Die Installation unter Ubuntu und geeigneten Ubuntu-Derivaten kann über die im folgenden Kasten genannte PPA-Paketquelle erfolgen — Für andere Linux-Distributionen gibt es auf der Homepage des Programms Installationshinweise. Wer so wie mit Arch unterwegs ist, der findet das Programm gleich zwei mal im AUR (feedreader und feedreader-bzr). Das erste AUR-Rezept installiert die aktuelle Version des Programms, mit dem Bazaar-Eintrag bekommt ihr die Entwicklungsversion.

$ add-apt-repository ppa:eviltwin1/feedreader-stable
$ apt-get update
$ apt-get install feedreader

Nach der Installation müsst ihr FeedReader an Tiny Tiny RSS oder Feedly koppeln. Unterstützung für Owncloud wird vermutlich mit der Version 1.3 folgen, von daher müsst ihr euch eventuell noch ein wenig in Geduld üben. Einen Stand-Alone-Modus bietet FeedReader hingegen nicht, ihr müsst das Programm immer mit einem webbasierten Feedreader koppeln — Wer Tiny oder später Owncloud nicht selber aufsetzen möchte, der muss daher eben auf Feedly ausweichen. Nach dem Eintragen der URL zur Installation von Tiny und den Zugangsdaten braucht FeedReader eine ganze Weile, bis das Programm die Daten zu allen Feeds ausgelesen hat. Um zum Beispiel eine schnelle Suchfunktion anbieten zu können, legt FeedReader einen umfangreichen Cache an — und dazu muss quasi die komplette Datenbank von Tiny gespiegelt werden.

FeedReader synchronisiert seine Daten mit TinyTinyRSS, Feedly und demnächst Owncloud.
FeedReader synchronisiert seine Daten mit TinyTinyRSS, Feedly und demnächst Owncloud.
Eingebettete aktive Elemente wie YouTube-Videos zeigt FeedReader direkt in der Anwendung an.
Eingebettete aktive Elemente wie YouTube-Videos zeigt FeedReader direkt in der Anwendung an.

Danach solltet ihr nun alle eure Feeds und die gerade neu eingetroffenen Beiträge. In der Seitenleiste seht ihr die von euch in Kategorien sortierten Feeds, über die Buttons All, Unread und Starred schaltet ihr die Anzeige um, dass zum Beispiel eben nur ungelesene Beiträge angezeigt werden. Die weiteren Buttons sollten eigentlich selbsterklärend sein. In meinem Test funktionierte der Abgleich zwischen FeedReader und der Tiny-Installation ohne Probleme: In der App gelesene Beiträge wurden automatisch auch in der Online-Version als als Gelesen markiert, das selbe gilt für Markierungen. Für das Setzen von Labels müsst ihr in Tiny das tt-rss-labels-plugin installieren — Bei mir lässt sich das Add-on allerdings nicht aktivieren, von daher muss ich bisher auf das Setzen von Labels verzichten.

Die Einstellungen von FeedReader beschränken sich bislang noch auf die wichtigsten Details.
Die Einstellungen von FeedReader beschränken sich bislang noch auf die wichtigsten Details.
Wer will kann Inhalte aus FeedReader mit Readability, Pocket oder Instapaper weiterleiten.
Wer will kann Inhalte aus FeedReader mit Readability, Pocket oder Instapaper weiterleiten.

Insgesamt macht FeedReader in meinen Augen einen sehr guten Eindruck: Natürlich nur, wenn man GTK3-Anwendungen und den Gnome-Look mag. Neben der Integration von Owncloud werden wir in Zukunft weitere Neuigkeiten vom Programm hören können, da die Entwickler noch reichlich Arbeit in FeedReader stecken. Wer eine Funktion vermisst, kann aktuell auch noch auf Bountysource eine Belohnung ausloben und so die Entwicklung beschleunigen. Ich werde das Programm auf jeden Fall in Zukunft häufiger nutzen, allerdings muss ich dafür noch die Möglichkeit Labels zu setzen auf die Reihe bekommen.

30 KOMMENTARE

  1. Schöner Tipp, aber ich verstehe nicht wie man ein Tool für Linux codet und es dann nicht unter jedem Linux zumindest per Quelltext verfügbar ist. Eine Installation unter Gentoo ist dank der unity-Abhängigkeit unmöglich.

    Daneben sieht es aber schick aus.

  2. Hallo Christoph,

    aus Deinem Artikel kann ich keinen einzigen Vorteil des Desktop-Clients „FeedReader“ gegenüber der Browser-Oberfläche von Tiny Tiny RSS (die zudem über „Customize stylesheet“ noch umfangreich an die persönlichen Vorlieben angepaßt werden kann) herauslesen. – Wo liegt also bei der ganzen Sache der Fortschritt bzw. der Gewinn?

    • Welcome Mr. Bond…. Katze über den Kopf steichel… Manch einer nutzt einen Webmailer, anderen wollen nicht auf Thunderbird und Co. verzichten. Beim FeedReader finde ich es recht nützlich, dass ich immer eine dreispaltige Ansicht habe. Das vergisst das Webfrontend von Tiny ganz gerne. Außerdem finde ich die Anwendung hübsch gemacht, von daher, warum nicht. Grüße, Christoph.

  3. Nice one. Aber unter ttrss habe ich das Problem. Dass nach einem Server restart der Service nicht automatisch gestartet wird und ich einfach nicht rausfinde woran das liegt.

      • also ich habe das so wie du es in deinem tutorial hast (bin mir nicht siche rob es noch das gleiche script ist). Wenn ich mich richtig erinner hast du ein init.d (die sich mit service ja verwalten lassen) script eingerichtet, dass für dich einen daemon startet um die update.php/update2.php immer abzurufen. ich habe eben das problem, dass bei mir bei einem server restart es aus einem grund nicht startet und ich dann manuell den daemon (neu)starten muss. ich habe allerdings auch nicht unbedingt genau geguckt wieso das so ist, weil der server doch recht selten neugestartet wird.

        • ach mist, vergessen nickname reinzuschrieben 🙂

          Gerade ausprobiert: Wenn ich neustarte geht der dienst nur wenn ich ihn auch wirklich neu starte oder erst beende und dann starte. Ich vermute also, dass irgendwo eine lockfile oder ähnliches den dienst blockiert.

        • jepp, alles schon gemacht. wenn du eine Möglichkeit weißt wie ich das einfach überprüfen kann.

          Es wird beim start ja ausgeführt, allerdings wieder beendet. ( Hier direkt nach neustart: Active: active (exited) since Mon 2015-09-28 12:32:40 CEST; 1min 24s ago). Vielleicht ist ein dienst noch nicht verfügbar der notwendig ist. das muss ich wie gesagt mal genau gucken. ich habe auch ein problem mit dem cronjob in owncloud, der wird auch nicht ausgeführt wie er sollte…

  4. Ich betreue das erste Arch AUR Paket (ohne bzr), der sollte bevorzugt werden da es auf „stable“ basiert und ohne libunity gebaut wird. Zu erwähnen wäre auch das auf der Entwicklerseite nicht mehr die Bazaar Version (feedreader-bzr) empfohlen wird. 😉

  5. Komischerweise läuft es bei mir auf einem frisch installierten Ubuntu 15.04 nicht richtig.
    „No connection to the server“ heißt es einfach nur. Auf dem Nexus 7 kein Problem, die offizielle TTRSS App verbindet sich klaglos.
    Das Interessante: Hänge ich ein /index.php an die Adresse (also ttrss.meinedomain.tld/index.php) komme ich zur dreispaltigen Ansicht, aber es werden keine Feeds geladen.
    Scheint mir noch ne Baustelle zu sein. Und da ich privat ohnehin Trusty verwende, bleibe ich wohl bei der Android App. Schade, hätte es gern getestet.

  6. Was mir fehlt allerdings fehlt

    Ein Wort doppelt.

    Nach der Installation müsst ihr FeedReader an Tiny Tiny RSS oder Feedly koppeln. Unterstützung für Owncloud wird vermutlich mit der Version 1.3 folgen, von daher müsst ihr euch eventuell noch ein wenig in Geduld üben.

    Stimmt so halb. Der Entwickler benutzt even-uneven Versionsnummern für stable-unstable wie z.B. Gnome. 1.3 war die Entwicklerversion für 1.4, derzeit wird 1.4 Beta mit OwnCloud-Integration getestet.

    Die Einstellungen von FeedReader beschränken sich bislang noch auf die wichtigsten Details.

    Allzu viel mehr Einstellungsmöglichkeiten sollte man nicht erwarten, die App ist bewusst simpel gehalten. Ganz ursprünglich war sie auch nur als Feedbetrachter gedacht (also ohne die Möglichkeit Feeds hinzuzufügen, ordnen etc.), weiß nicht wie aktuell das noch ist.

    Wäre praktisch, wenn du Styles zu den blockquotes-Tags hinzufügst.

  7. Hey,

    Danke für deinen Tip.

    Für das Setzen von Labels müsst ihr in Tiny das tt-rss-labels-plugin installieren — Bei mir lässt sich das Add-on allerdings nicht aktivieren, von daher muss ich bisher auf das Setzen von Labels verzichten.

    Aufrufen: https://jangernert.github.io/FeedReader/#install
    NOTE: If you run FeedReader with the TinyTinyRSS-backend please install the „api_feedreader“-extension. Running FeedReader with the TinyTinyRSS-backend and without the extension is NOT supported.
    Folgen: https://github.com/jangernert/FeedReader/tree/master/data/tt-rss-feedreader-plugin
    Springe zu: https://github.com/jangernert/FeedReader/tree/master/data/tt-rss-feedreader-plugin#installation
    To install this plugin download the zip file, then extract it in your own tt-rss/plugin/ directory.

    You should have a new „api_feedreader“ directory under plugins. Edit your config.php and add „api_feedreader“ to the list of system plugins. It will be automatically enabled for every user.

    Freifunk Gruß
    pic

  8. Über deinen Artikel bin ich gerade auf das Programm gestoßen, da ich einen Reader suche, der sich mit own/nextcloud syncen läßt – und mir ein synchronisiertes Lesen auf mehreren Geräten (ebook, PC, Smartphone) ermöglicht.
    Allerdings: das ubuntu ppa scheint leider nicht mehr aktualisiert zu werden (version 1.6.2 dort – 2.0 auf der feedreader seite). Mit dem flatpak Krams kann ich als Semi-begabter-Linux Nutzer nicht wirklich etwas anfangen – die Installation nach Anweisung hat auch gleich nicht geklappt (ich nutze Maui-Linux). Daher ist der erste Eindruck – Schade: leider durchgefallen 😉
    Nutzt Ihr es noch? Oder welches Programm, das sich synchronisieren läßt nutzt ihr?

    • Hallo kaktux,
      es gibt leider kein Ubuntu PPA mehr da wir keiner haben oder bisher keinen gefunden haben die bereit wären es zu pflegen.
      Wir machen leider keine distributions abhängige paketierung, das machen andere aus der community, egal ob ubuntu, opensuse, fedora oder arch etc.

      Flatpak ist distributions unabhängig, vorrausgesetzt Flatpak wird von der Distribution unterstützt. Wie es da bei Maui aussieht weis ich nicht.

      Ich betreue Flatpak bei FeedReader, würde gern mehr erfahren warum es bei dir nicht funktioniert hat, bitte erstelle dazu einen ticket/bug hier und beschreibe deinen Problem im Bezug auf Flatpak:

      https://github.com/jangernert/FeedReader/issues

      Thx.
      Jason

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