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Obwohl sich Chrome, Firefox sowie Edge/Internet Explorer und Safari über 95 Prozent Marktanteil einverleibt haben, tut sich nach wie vor immer wieder etwas auf dem Browsermarkt. So hat 2013 der Mitbegründer und ehemalige Leiter von Opera Software Jon Stephenson von Tetzchner mit Vivaldi Technologies ein Unternehmen aus der Taufe gehoben, das einen neuen Browser an den Start bringen möchte. Das Ergebnis steht jetzt erstmals als stabile Version 1.0 für Linux, MacOS X und Linux zur Verfügung. Der Browser basiert wie Opera auf der Chromium-Engine Blink, bringt aber eine Reihe von praktischen Verbesserungen mit.

Unter Linux lässt sich der Browser recht einfach installieren: Vivaldi bietet dazu auf seiner Homepage DEB- und RPM-Pakete in 32- und 64-Bit-Versionen an, die sich bequem über die Paketverwaltung installieren lassen. Dazu muss man lediglich die passende Datei herunterladen und diese beispielsweise bei Ubuntu aus dem Dateimanager heraus in das Software Center öffnen und dann das Paket einspielen lassen. Alternativ funktioniert die Installation unter sämtlichen Debian-Derivaten über das Terminal mittels des Kommandos dpkg -i vivaldi*.deb, das ihr aus dem Verzeichnis der DEB-Datei ausführt. Unter Arch lässt sich der Browser über das AUR installieren und aktuell halten.

Vivaldi unter Linux installieren

### Vivaldi unter Arch installieren
$ pacaur -S vivaldi
### Vivaldi unter Debian/Ubuntu installieren
$ sudo dpkg -i vivaldi*.deb
$ sudo apt install -f

Beim ersten Aufruf blendet Vivaldi einen Einrichtungsassistenten ein, über den sich der Browser ein wenig an die eigenen Wünsche anpassen lässt. So kann man zum Beispiel die Kopfleiste anpassen oder die die Tableiste an den unteren Bildschirmrand beziehungsweise als Vorschauleiste an die Seite verschieben. Die Farbe der Tabs passt sich „adaptiv“ an die gerade geöffnete Webseite an — die Funktion lässt sich jedoch auch abstellen. Die links eigeblendete schmale Seitenleiste bietet direkten Zugriff auf die Bookmarks, Downloads oder eine Notizfunktion, das Zahnrad-Symbol öffnet die Einstellungen des Browsers.

Vivaldi erlaubt unterschiedliche Layouts für das Browserfenster.
Vivaldi erlaubt unterschiedliche Layouts für das Browserfenster.
Auch für die Tableiste kann man in Vivaldi nach den eigenen Wünschen gestalten.
Auch für die Tableiste kann man in Vivaldi nach den eigenen Wünschen gestalten.

In der Praxis schlägt sich Vivaldi unter Linux gar nicht mal so schlecht. Die Geschwindigkeit entspricht in meinen Augen im Endeffekt der von Chrome, Chromium oder Opera — kein Wunder: Schließlich steckt in all diesen Browsern Googles Browser-Engine Blink. Allzu große Unterschiede sollten sich daher generell nicht ergeben. Daher lässt sich Vivaldi auch mit den Addons aus dem Chrome Web Store erweitern. Adblocker wie uBlock Origin, RSS-Reader und Co. finden so wie gewohnt den Weg in den Browser. Im Gegensatz zu Chromium ist aber Vivaldi proprietäre Software, der Quellcode liegt nicht offen.

Addons aus dem Google Web Store

Was Vivaldi in meinen Augen definitiv besser als Chrome und Chromium macht, ist die Organisation der Bookmarks in der Seitenleiste. Diese lassen sich dort sehr leicht einsehen, sortieren und ausmisten. Bei Google Chrome muss man hingegen immer den eigenständigen Bookmark Manager aufrufen. Auch die Einstellungen sind bei Vivaldi übersichtlicher angeordnet, zudem sind die Privacy-Funktionen wie Do-not-Track von Haus aus aktiv. Praktisch sind auch die Kurzbefehle, die sich per [F2] aufrufen lassen. Wer mit Gnome Do oder der Gnome-Shell vertraut ist, der dürfe das Funktionsprinzip zu schätzen wissen.

Bookmarks und Downloads zeigt Vivaldi in der Seitenleiste an.
Bookmarks und Downloads zeigt Vivaldi in der Seitenleiste an.
Auch in den Einstellungen enthält Vivaldi deutlich mehr Optionen als Chrome.
Auch in den Einstellungen enthält Vivaldi deutlich mehr Optionen als Chrome.

Eine weitere Neuerungen gegenüber Chrome/Chromium findet sich im Browserfenster selber: Über die Seitenleiste lassen sich sogenannte Web-Paneele öffnen, die etwa eine News-Seite parallel zur aktuellen Webseite als Subfenster öffnen. So kann man beispielsweise einen Sport- oder Nachrichtenticker konstant offen lassen, ohne dass man zwischen den Browser-Tabs wechseln müsste. Die Funktion macht natürlich auf Breitbild-Displays besonders Sinn, da hier oft in der Horizontalen viel Platz auf dem Bildschirm verschwendet wird.

Mit Web-Paneelen lassen sich etwa News-Seiten in der Seitenleiste öffnen.
Mit Web-Paneelen lassen sich etwa News-Seiten in der Seitenleiste öffnen.

Ebenfalls gegenüber der Vorlage neu implementiert ist die Tab-Leiste, die nun kleine Vorschaubilder in den Tabs zur jeweiligen Webseite anzeigt. Hier lassen sich nun auch mehrere Webseiten zu Tab-Gruppen zusammenfassen — das ist in Chrome nur mit Addons möglich. Dazu zieht man einfach die gewünschten Tabs übereinander. Die als Gruppe zusammengefassten Tabs kann man dann zum Beispiel auch in einem Raster oder als Spalten auf einer Seite anzeigen lassen, was wieder die Nutzer mit einem Breitbilddisplay interessieren sollte.

Im Vergleich zu Chrome/Chromium stört mich an der neu gestalteten Tab-Leiste nun aber, dass sich Tabs nicht mehr per Drag&Drop aus einem Browserfenster lösen beziehungsweise zu einem anderen Fenster hinzufügen lassen. Bei Vivaldi muss man immer das Kontextmenü bemühen. Weiterhin lädt der Browser beim Herauslösen eines Tabs in ein neues Fenster dieses komplett neu, sodass beispielsweise in ein Formular eingetippte Daten (oder ein in den Webeditor eines Blogssystems eingegebene Artikel) verloren gehen.

Mehrere Tabs lassen sich in Vivaldi per Drag&Drop als Tab-Gruppen zusammenfassen.
Mehrere Tabs lassen sich in Vivaldi per Drag&Drop als Tab-Gruppen zusammenfassen.
Die in Tab-Gruppen zusammengefassten Seiten lassen sich in einem Fenster anzeigen.
Die in Tab-Gruppen zusammengefassten Seiten lassen sich in einem Fenster anzeigen.

Was im Vergleich zu Chrome, Firefox oder anderen „ausgewachsenen“ Browser noch dringend fehlt, ist eine Möglichkeit ausgewählte Browserdaten (wie beispielsweise Bookmarks, Einstellungen oder Addons) über verschiedene Rechner hinweg zu synchronisieren. Ein „Vivaldi Sync“ soll jedoch zusammen mit einer mobilen Variante des Browsers noch kommen. Aktuell müsste man für einen Abgleich der Daten des Browsers über mehrere Rechner hinweg das Konfigurationsverzeichnis ~/.config/vivaldi/ per Hand oder per Skript umkopieren

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12 KOMMENTARE

  1. Ist schon installiert. Ich mag besonders die Darstellung der Tabs in der Seitenleiste ohne Vorschau, da kann man die Tabs noch komplett lesen und man verliert auch bei 30 Tabs und mehr noch nicht die Übersicht.

    Mark

    • @Jakob Lenfers
      Ganz tolles Argument, als ob du jemals in den Source Code reinschauen würdest und selbst wenn, der ist über 1,5 Terabyte groß… Vivaldi basiert auf Chromium und wird zu >= 90% mit dem identisch sein. Also guck da rein, wenn du wirklich wissen willst was unter der Haube werkelt. Natürlich musst du dafür C++ können, sonst hilft dir der ganze Quellcode nichts.

      • Nutz was auch immer Du magst, für mich ist das ein Show-Stopper. C++ kann ich und ich hab auch schon in Source-Code reingeschaut. Nicht in den von Firefox, aber das hat zwei Aspekte: Ich könnte rein schauen und es schauen andere Menschen rein.

        Es ist auch nicht Chromium, sondern er nutzt die Bink-Engine von Chromium. Und davon abgesehen würden mich ja genau die 10% interessieren, die vom Chromium Code abweichen würden, da genau da die Sachen drin stecken würden, die mir Sorgen machen würden.

        Und nein, der Source ist keine 1,5TB groß, nicht dass das ein einen Unterschied macht.

        • Das allerseits beliebte Argument, man kann sich den Sourcecode anschauen oder aber andere könnten und würden es tun und dadurch wird der Sourcecode sicherer und besser, ist in meinen Augen Humbug. Bei OpenSSL hat man doch prima gesehen, wie diese Argumentation in sich zusammenfällt.

          Die Unterschiede zwischen Chrome und Chromium sind marginal und dürften sich im mitgelieferten Flash und zusätzlichen Codecs zum Abspielen von MP4-Dateien nahezu erschöpfen. Und selbst wenn der Code von Vivaldi offen wäre, bin ich mir sicher, dass du dir den nicht gründlich anschauen würdest. Du wüsstest ja noch nicht mal wo diese Unterschiede liegen und müsstest erst beide Quellen miteinander vergleichen.

          Terabyte ist übrigens tatsächlich falsch und Gigabyte ist richtig, ändert aber nichts daran, dass der Sourcecode riesig ist. Bei Chromium.org wird sogar davon gesprochen, dass das Git-Verzeichnis nach Abgleich ohne Historie sage und schreibe ~7.2GB groß ist.

  2. Nein, bei OpenSSL hat man gesehen, dass es nicht die perfekte Lösung ist. Aber wäre es closed source, hätte man die Fehler vielleicht nie gefunden. Oder man hätte sie gefunden, aber es wäre niemand da gewesen um sie zu schließen.

    Und der Source wird nicht durch OSS sicherer und besser, aber man hat mehr Möglichkeiten der Kontrolle.

    Übrigens wollte ich Dir nicht verbieten die Software einzusetzen, ich hab nur gefragt ob ich den Source übersehen habe, und wenn nicht *meine* Meinung dazu geäußert.

    • Wenn man den Heartbleed-Bug nicht gefunden hätte, wenn es Closed Source wäre, dann ist das doch ein Argument den Quellcode nicht zu öffnen. ^^
      Zudem ist ein Open-Source-Programm kein Garant dafür, dass Fehler gefunden und beseitigt werden, geschweige denn andere Leute mithelfen. Es gibt genug gute verwaiste Open-Source-Programme, die das zeigen.

      Ich selbst benutze Vivaldi übrigens nicht, auch nicht Opera, sondern mittlerweile Chrome. Die beiden haben für mich zu wenig Mehrwert, da benutze ich lieber das Original. Die einzige Funktion, die ich wirklich vermisse, sind die benutzerdefinierten Shortcuts, aber dafür haben Vivaldi und Opera wiederum einige andere Nachteile, die ich bei Chrome nicht habe.

  3. @Bernd

    Jedem das seine, ich unterstütze die Datenkrake Google nicht mehr als nötig, hey Bernd, haste dir mal die Permission von Chrome durchgelesen, die Surfdaten werden gleich zu Mama Google gesendet, was bei Chrome sicherer in Puncto Datenschutz ließ mal Richard Stallman, da kriegste nen Kulturschock, da du OpenSource wegen dem Quellcode für unsicher hältst zeige Alternativen die sicherer sind, gut manche OpenSource wird schon lange nicht mehr gewartet, falls es sich um Offlineprogramme oder Apps ist es nicht weiter tragisch dann kannste alte Apps auch auf ein netzfreies Gerät nutzen kappst die Onlineverbindung und wenn du am Quellcode was ändern willst, sollte es auch ohne Cloud gehen dh total netzfrei/offline, sonst ist es für mich keine Freie Software und wenn du deine global deine Software verändern willst und du nur per Account reinkommst, da schaut dir jeder auf die Schulter, wie bei Vivaldi zB und, auch wenn du dir ein Quellcode den du bearbeiten möchtest dir per Email schicken läßt hinterlegt du Spuren deine Mailadresse und deine IP, wer sich darüber aufregt sollte immer offline hleiben, selbst dein Netzprovider kannste nur relativ vertrauen, da wundert man sich warum wir soviel Spams bekommen.. 🙂

    MfG

    JuliKrebs68

  4. Kommentar: Und Bernd Punkt 2, auf den Smartphone ist Chrome ne Katastrophe es stürzt pernament ab.., da hat sich Google sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert, wenn beim Androiden das Chrome-App zickt und von Google bin ich eh weg meine Apks lade ich mir aus den Opera-Archiven runter Beispiel Opera mini for Android 15 ist mein Lieblings-Browser er stürzt kaum ab und hat ne gute WebseitenAuflösung und ich kann festlegen wohin ich meine Downloads haben will was am PC selbstverständlich ist und ich kann bei lahmen Highspeed immer noch schnell surfen das kann Chrome for Android nicht und es gibts tolle Spiele-Apps mit dem Permission Score:0 dh es werden null Daten versendet, es handelt sich meist um Offline-App installiere dir Permissions Friend dort kannste sehen wieviel Berechtigung die einzelnen Apps von dir erlauben, ob eine App deine Telefondaten spioniert und eine kostenpflichtige SMS versenden darf nur eins kann diese Permissions Friend nicht, System-Apps deines Handyhersteller auslesen in puncto Permissionsdaten, aber auch da wird Shiffing und Hacking gemacht jedenfalls kenne ich kein Schutz dagegen und auch Samsung hat Apps drinne in puncto Datenschutzlosigkeit ist schon feftig, was die sich anmaßen, ich habe Kuketzblog gelesen ist jedenfalls sehr interessant was für Tipps dort für den Datenschutz gibt, wie man mit dem Torprojekt per Orfox relativ anonym surfen kann, da du von programmieren redest, wäre das Thema Datenschutz auch interessant mal sehen was Orfox unter der Haube hat, es basiert auf ein Firefox for Android-Fork im ESR-Update-Zyklus oder Icecatmobile wäre auch mal interessant wie man aus der Javafalle kommt, es ist das GNU-Projekt anschauen kann man sich das mal habe ich mir auch mal installiert, macht nen stabilen Eindruck nur wenn ich alle Addon die ich aus Datenschutzgründen von Gnuzilla mitbekommen aktiv habe quält sich der Browser nur beim Surfen da muß sich bei Icecat viel tun, diesen Browser gibts nicht beim Playstore bei F-Droid es handelt sich um freie Software nicht um OpenSource obwohl die Lizenz von Mozilla mitgenutzt wird, darum muß auch die Copyright von Mozilla dabei sein, es gabs schon ein Rechtstreit darüber und Gnuzilla will vorwiegend nonfree nicht nutzen, laut Gnu- Leitfaden!

    MfG

    Euer

    JuliKrebs68

    • Lieber JuliKrebs68,
      inhaltlich mögen deine Kommentare ganz interessante Beiträge darstellen. Aber leider sind sie so nicht lesbar. Ich empfehle, deine Kommentare in mehrere Sätze aufzuteilen – das hilft ungemein ;).
      Viele Grüße und nichts für ungut.
      Jakob

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