Poseidon: Linux-Browser mit Adblocker, NoScript und GTK3-Oberfläche

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5 Min. Lesezeit

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Im Netz tummeln sich ja zahlreiche „alternative“ Browser, die sich ein spezielles Ziel vornehmen. Ob die perfekte Integration von Facebook und Co. oder möglichst optimaler Schutz der Privatsphäre durch integrierte Adblocker und Anti-Tracking-Tools. In der Regel basieren diese Browser auf dem Quellcode von Chromium oder Firefox. Richtig eigenständige Entwicklungen gibt es selten. Eine Ausnahme macht…

Poseidon Browser mit Adblocker, NoScript und mehr.
CC0, Christoph Langner

Im Netz tummeln sich ja zahlreiche „alternative“ Browser, die sich ein spezielles Ziel vornehmen. Ob die perfekte Integration von Facebook und Co. oder möglichst optimaler Schutz der Privatsphäre durch integrierte Adblocker und Anti-Tracking-Tools. In der Regel basieren diese Browser auf dem Quellcode von Chromium oder Firefox. Richtig eigenständige Entwicklungen gibt es selten. Eine Ausnahme macht hier Poseidon: Der Browser erfindet zwar auch das Rad mit einer eigenen Rendering-Engine nicht neu, doch mit einer individuell gestalteten Oberfläche auf Basis von GTK3 und WebKit als Unterbau, fügt sich der Browser recht ordentlich in den Gnome-Desktop ein. Mit integriertem Adblocker, NoScript sowie interessanten Features wie einem Terminal, hebt sich Poseidon durchaus von der Konkurrenz ab.

Poseidon ist noch ein sehr junges Projekt. Die ersten Commits im Github der Entwickler stammen von Anfang September des letzten Jahres. Die aktuelle Versionsnummer steht bei Poseidon 0.3.9. Daher lässt sich das Programm in der Regel auch noch nicht aus den offiziellen Paketquellen installieren. Arch-User haben es dennoch leicht den Browser auf ihrem System einzuspielen. Eine kurze Recherche im AUR treibt das PKGBUILD poseidon-browser-git auf, sodass sich die Installation (bei installiertem AUR-Helper) auf ein Kommando beschränkt. Optional sollte man sich vielleicht gleich noch die auf der Projekt-Seite beschriebenen optionalen Abhängigkeiten installieren. Man braucht sie nicht zwingend, allerdings erlauben sie das Streamen von Videos oder erweiterten Funktionen wie der Anzeige eines Terminalfensters direkt im Browser.

Installation unter Arch Linux

### Poseidon unter Arch Linux installieren.
### Browser aus dem AUR, plus optionale Abhängigkeiten:
$ pacaur -S poseidon-browser-git
$ sudo pacman -S gst-libav gst-plugins-base gst-plugins-good evince vte3 flashplugin icedtea-web

Für Anwender mit Ubuntu auf dem Rechner gibt es derzeit weder eine PPA-Paketquelle, noch separate DEB-Pakete. Man muss die Anwendung daher aus dem Quellcode installieren — Da sie in Python entwickelt wird, lässt sich dies jedoch recht leicht bewerkstelligen. Poseidon benötigt mindestens WebKit 2.12.3, was ab Ubuntu 14.04 vorhanden sein sollte, ich habe die Installation allerdings lediglich mit Ubuntu Gnome 16.10 getestet: Das Vorgehen beschränkt sich auf die Installation der Abhängigkeiten, anschließend holt ihr euch den Code aus dem Quellcode und verschiebt ihn mit Root-Rechten nach /opt. Anschließend kopiert ihr die .desktop-Datei noch nach /usr/share/applications, so erscheint Poseidon dann auch in den Anwendungsmenüs eurer Desktopumgebung.

Installation unter Ubuntu 16.10

### Poseidon unter Ubuntu 16.10 aus dem Git laden und installieren:
a$ sudo apt install git gir1.2-evince-3.0 gir1.2-webkit2-4.0 python3-decorator python3-openssl
### Zum Aktualiseren von Poseideon die folgenden zwei Kommandos wiederholen:
$ git clone https://github.com/sidus-dev/poseidon /tmp/poseidon-browser-git
$ sudo mv /tmp/poseidon-browser-git /opt
### Programmstarter im Anwendungsmenü ablegen:
$ sudo cp /opt/poseidon-browser-git/poseidon.desktop /usr/share/applications

Das Erscheinungsbild von Poseidon ist nun recht schlicht: Der Aufbau der Oberfläche unterscheidet Poseidon nun nicht groß von Chrome oder Firefox. Über die Adresszeile ruft ihr die gewünschten Webseiten aus, Tabs findet ihr am oberen Rand, die üblichen Tastenkürzel wie [Strg]+[T], [Strg]+[W] oder [Strg]+[N] zum Öffnen und Schließen von neuen Tabs und Öffnen eines neuen Fensters funktionieren auch in Poseidon. Die Optionen öffnet ihr über das Hamburger-Menü in der rechten oberen Ecke der Toolbar. Hier lassen sich die Einstellungen öffnen oder Funktionen wie der Adblocker, NoScript oder Plugins und ein SSL-Enforcer de-/aktivieren. Der Defcon Mode entspricht dem Incognito-Modus von Chrome/Chromium. Dieser deaktiviert den Cache, vermeidet Cookies und speichert den Seitenverlauf nicht in der Browserhistorie ab.

Ungewöhnliches findet ihr nun hingegen im Untermenü Utilities: In diesem könnt ihr unter anderem einen Passwortgenerator öffnen, es gibt einen User Agent Switcher (so dass ihr für den Webserver wie ein anderer Browser erscheint) sowie eine Option zum Einblenden eines Terminalfensters am unteren Rand des Browsers. Diese Funktion finde ich recht praktisch, wenn man beispielsweise gerne mal Daten mit Kommandozeilenwerkzeugen wie wget oder youtube-dl aus dem Netz lädt. Zudem kann man hier einen Fullscreen-Modus aktivieren oder sich die für den Browser zugänglichen Plugins anzeigen lassen. Auch der Browserverlauf und den Bookmarkmanager ruft man aus diesem Menü heraus auf. Wer es ein wenig bunter mag, öffnet ein beliebiges Bild im Browser und klickt dann im Kontextmenü die Option Apply as theme an. Diese übernimmt das Bild dann als Hintergrund unter der Tableiste des Browsers.

Etwas ungewohnt sind die Schaltflächen in der Fensterleiste: Mit den Hoch- und Runter-Pfeilen am linken Rand speichert ihr die aktuelle Seite ab beziehungsweise öffnet eine lokale Datei von der Festplatte. Die Schalter „+“ und „-“ am rechten Fensterrand öffnen einen neuen Tab oder schließen den aktuellen. Üblicherweise findet sich der Knopf zum Schließen eines Reiters direkt auf diesem, von daher finde ich diese Design-Entscheidung ein wenig verwirrend. Mir persönlich fehlt zudem die Möglichkeit eine Webseite mit [F5] neu zu laden. Poseidon verwendet stattdessen das Tastenkürzel [Strg]+[R]. Ein [Umschalt]+[F5] (oder eben [Strg]+[Umschalt]+[R]) zum Auffrischen des Caches gibt es gar nicht.

Alles in allem finde ich Poseidon eigentlich recht gelungen. Das noch sehr zarte Alter merkt man dem Programm kaum an. Der Browser passt sich gut in GTK3-Desktops wie Gnome, Budgie oder Cinnamon ein. Da Adblock und NoScript von Haus aus vorhanden und aktiv sind, halte ich den Webbrowser für eine gute Lösung, wenn man schnell mal eine Webseite abseits seines Standardbrowsers laden möchte. Was von fehlt ist eine deutsche Übersetzung (aktuell gibt es das Programm auf Englisch und Italienisch) sowie Funktionen zum Bearbeiten der Adblocker und NoScript-Einstellungen. Bislang lassen sich diese Funktionen lediglich global ab- und wieder anschalten. Etwa einzelne Seiten vom Adblocker auszuklammern ist nicht möglich.

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11 Kommentare zu „Poseidon: Linux-Browser mit Adblocker, NoScript und GTK3-Oberfläche“

  1. Avatar von johannes

    Danke für den Hinweis.
    Poseidon steckt zwar noch sehr offensichtlich in den Kinderschuhen – einiges gefällt mir aber jetzt schon besser als bei manch anderem Browser.

  2. Avatar von Detlef

    Danke für die den Hinweis!
    Hat wunderbar funktioniert, nun geht es an ausprobieren. 🙂

  3. Avatar von Detlef

    Das sieht ja nicht sclecht aus, passt sich wunderbar in die Gnome3 Oberfläche ein, aber nicht nur das, nun habe ich auch die Kontrolle, über Cuckies, und kann diese ganz einfach und sehrübersichtlich einsehen,und lössen. Auch wenn es mit dem Adblock noch nicht so gut funktioniert, lässt sich doch schon wunderbar sehen, das der Browser echt das Potenzial hat, als gute alternative durchaus in Frage zu kommen, und das bei so einem jungen Projekt. Großartig!

  4. Avatar von Rebede

    bei mir ließ er sich problemlos auf deutsch umstellen. Was mir allerdings fehlt, ist die Möglichkeit einzelne Tabs zu schließen.

    1. Avatar von Christoph Langner

      Zum Schließen von Tabs dient das Minus in der Fenyterleiste. Oder die Tastenkombination STRG+W. Viele Grüße, Christoph

  5. Avatar von hoschi

    F5 zum neu Laden einer Website habe ich zuletzt im Internet Explorer 6.0 verwendet *schauder*

    1. Avatar von Christoph Langner

      Mei, wenn man halt mit Netscape und Mosaic aufgewachsen ist, dann geht so eine Gewohnheit nicht so schnell aus dem Muskelgedächtnis raus 😉 //PS: F5 ist eigentlich ein üblicher Shortcut um Inhalte neu zu laden. Browser, Dateimanager, etc. nutzen die Taste eigentlich immer für diese Aktion.

  6. Avatar von hoschi

    Gute Dateibrowser und gute Webbrowser nutzen dafuer schon Ctrl+r, dann muessen die Haende auch nicht vom Tastenfeld runter. Die F-Tasten hat uns IBM fuer die Savegames gegeben 😉

    Aber diskutier das mal mit einem Mac-[s]Opfer[/s]Anwender aus, die suchen gerade ihre Funktionstasten…

  7. Avatar von hoschi

    Gute Dateibrowser und gute Webbrowser nutzen dafuer schon immer Ctrl+r, dann muessen die Haende auch nicht vom Tastenfeld runter. Die F-Tasten hat uns IBM fuer die Savegames gegeben 😉

    Aber diskutier das mal mit einem Mac-[s]Opfer[/s]Anwender aus, die suchen gerade ihre Funktionstasten.

    1. Avatar von Pocahonta
      Pocahonta

      cmd + r

  8. Avatar von Picnerd

    Mittlerweile ist der Browser in Version 0.7.3 vorhanden und kann auch als deb Paket heruntergeladen und installiert werden. https://github.com/sidus-dev/poseidon/releases

    #sudo apt install /PFAD/ZUR/PAKETDATEI.deb

    Leider läuft er eher schlecht bei mir mit Xubuntu 16.03. Die Performance ist gut aber produziert zwischendurch Hänger.
    Ist aber ein sehr interessantes Projekt das man im Auge behalten sollte.

    picnerd

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