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Seit ewigen Jahren halten sich bei mir zwei Paradigmen für Computer beständig: Meine Laptops müssen möglichst mobil sein und ein Display von 13 oder 13,3 Zoll besitzen, zudem sollen Desktop-Computer am besten komplett lautlos arbeiten. Das klappt natürlich nicht mit hochgezüchteten Monster-PCs mit den neusten Grafikkarten. Da ich aber sowieso nicht mehr zu den Zockern gehöre, reichen mit in der Regel die Fähigkeiten der in den Chipsatz eingebauten GPUs locker aus. In der Vergangenheit hatte ich schon mehrfach Rechner vom Esslinger Computerhersteller Cirrus7 im Test, die dieses Kriterium erfüllen. Mit dem Solo Nanum SE22 hat mir nun ein weiterer Produzent einen lautlosen Kompaktrechner für einen Test zur Verfügung gestellt, der sein System zudem auch von Haus aus mit Linux ausstattet. Im folgenden muss das System zeigen, ob es auch im Alltag bestehen kann.

Der Solo Nanum SE22 im Test

Der Nanum SE22 wird von Solo Entertainment in einem selbst gefertigten passiven Gehäuse untergebracht. Das Nanum SE-TC5 leitet die Abwärme mit Heatpipes von der CPU zu seitlich angebrachten Kühlkörpern aus massivem Aluminum ab. Laut Hersteller eignet sich das Gehäuse für CPUs mit bis zu 85 W max. TDP, für den längeren Einsatz unter Vollast empfiehlt Nanum jedoch CPUs mit maximal 65 W TDP. Der von Solo eingebaute Intel Core i5-6400T erfüllt diese Vorgabe mit 35 W TDP deutlich. Das System komplett machen eine 128 GByte große SSD von Adata, 8 GByte Arbeitsspeicher (2 x 4 GByte für Dual Channel), sowie ein WLAN-Modul von Intel mit schnellen AC-WLAN und ein DVD-Brenner als Slot-In-Slim-Laufwerk. Solo ruft für das komplett montierte Gerät einen Preis von 739,99 Euro auf. Vergleich man die Einzelpreise (Amazon-Preise zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Beitrags), ergibt sich ein recht moderater Aufpreis von knapp 60 Euro.

Modell Eigenschaften Preis
Mainboard Gigabyte H170N-WIFI-CF 130 Euro
CPU Intel Core i5-6400T Quad-Core (2,2 Ghz, 2,8 Ghz im Turbo-Modus) 210 Euro
SSD Adata SP920SS Sata  III 60 Euro
WLAN Intel Wireless 8260 Wi-Fi 802.11 a/b/g/n/ac (theoretisch bis zu 867 Mbit/s), Bluetooth 4.2, 4.1, BLE, etc. 24 Euro1
Speicher Kingston HX421C14FBK2/8 2 x 4 GByte DDR4 44 Euro
DVD-Brenner Nanum SE-DVD 72 Euro
Gehäuse Nanum SE-TC5 143 Euro
Netzteil Leicke 120 Watt 30 Euro
Summe 689 Euro
1 WLAN-Karte ist im Lieferumfang des Boards enthalten

Auf der Rückseite des Gehäuses bietet das Board des Nanum SE22 vier USB3.0-Schnittstellen, sowie einmal eine noch recht frische Buchse mit USB3.0 Type-C. Dazu kommen zwei Gigabit-Ethernet-Schnittstellen, die üblichen Buchsen für Ton und Mikro (Heimkino-Fans werden sich über den SPDIF-Ausgang freuen) sowie zwei HDMI-Buchsen und einen DVI-Ausgang. Somit lassen sich dann bis zu drei Monitore an den Rechner anschließen. Recht außergewöhnlich für die heutige Zeit is die PS/2-Buchse für den Anschluss von entsprechenden Tastaturen oder Mäusen. Die per Kabel angeschlossene WLAN-Antenne liefert Gigabyte zusammen mit dem Mainboard mit, sie lässt sich somit für optimalen Empfang frei ausrichten.

Ubuntu, Debian oder Linux Mint an Bord

Solo liefert das System kostenlos mit einem Linux-System aus. Im Bestellformular stehen Linux Mint 17.3, Ubuntu 15.10 oder Debian 8.3 jeweils in der 64-Bit-Version zur Wahl, wer möchte kann sich auch ein Windows-System hinzuinstallieren lassen. In diesem Fall könnt ihr euch zwischen Windows 7 Pro und Windows 10 Home/Pro entscheiden. Mein Testgerät ist mit Linux Mint und Ubuntu als Dual-Boot-System aufgesetzt, da beide Systeme unterschiedliche Kernels (Mint 17.3: Kernel 3.19, Ubuntu 15.10: Kernel 4.2) nutzen, sodass man gut die Fortschritte beim Support der von Solo verbauten WLAN-Karte vergleichen kann. Der Treiber für diese ist erst ab Kernel 4.0 von Haus aus im Linux-Kern enthalten. Beide Systeme zeigen im Alltag jedoch — rein von der Technik her — kaum Unterschiede.

Die von Solo vorinstallierte Linux-Systeme entsprechen der unveränderten Standard-Konfiguration. Bei Ubuntu 15.10 bekommt ihr also den aktuellen Unity-Desktop, Linux Mint 17.3 kommt hingegen mit der etwas schlichteren und an klassische Desktops angelegte Cinammon-Umgebung. Alles in allem also „normale“ Kost. Solo führt die Installation jeweils im OEM-Modus aus, sodass ihr beim ersten Start des Systems den Rechnernamen, sowie den Namen und die wichtigsten Einstellungen eures Accounts selber festlegen könnt. Zum Test habe ich das Ubuntu-System auf die demnächst anstehende Version 16.04 aka „Xenial Xerus“ aktualisiert, dabei konnte ich keine Probleme feststellen. Ganz im Gegenteil, seit Kernel 4.3 (Ubuntu 16.04 kommt mit Kernel 4.4) sollte Linux deutlich besser mit dem im Gerät verbauten Skylake-Chipsatz zurechtkommen. In der Praxis spürt man davon allerdings nicht viel.

Komplett lautlos mit passiver Kühlung

Die Kühlung realisiert Solo mit einem passiven Kühlkörper, der die Abwärme über Heatpipes an die massiv gebauten Seitenteile des Gehäuses weiterleitetet. Diese geben die Wärme dann über Kühlrippen an die Umgebung ab. Nervige Lüfter auf der CPU oder der Rückseite des Gehäuses gibt es im Nanum SE22 keine, einzig das DVD-Laufwerk macht im Betrieb — aber natürlich auch nur dann — ein wenig Lärm. Der im System verbaute Intel Core i5-6400T gibt mit maximal 35 W TDP deutlich weniger Wärme ab, als die 65 W TDP, die Solo als zulässig für den Dauerbetrieb erachtet. Das Gehäuse verträgt daher auch wesentlich schnellere, und somit mehr Hitze produzierende CPUs.

Im Praxistest funktionierte die passive Kühlung bei mir ohne Probleme: Gestresst durch die Great Internet Mersenne Prime Search erreicht die CPU nach 2 Stunden knechten eine stabile Temperatur von etwa 50 bis 52 Grad. Die Außenseite des Gehäuses wird dabei nur wenig mehr als handwarm — ein im Winter aktiver Heizkörper fühlt sich deutlich heißer an. Nach Abschalten der Last fällt die Temperatur im Leerlaufen innerhalb von etwa 20 Minuten auf etwa die Raumtemperatur (aktuell etwa 21 Grad) ab. Wer das System mit einem Intel Core i5-5675C ordert, der mit 65 W max. TDP knapp doppelt so viel Wärme erzeugt, sollte das System allerdings nicht unbedingt in einer schlecht belüfteten Ecke seines Schreibtisches unter einem Stapel Papier begraben.

Im Volllastbetrieb pendelt sich die CPU-Temperatur des Nanum SE22 bei etwa 50 Grad ein.
Im Volllastbetrieb pendelt sich die CPU-Temperatur des Nanum SE22 bei etwa 50 Grad ein.

Die nach Wi-Fi 802.11 a/b/g/n/ac und somit theoretisch mit bis zu 867 Mbit/s funkende WLAN-Karte muss sich im Praxistest ebenso nicht verstecken. Im Zusammenspiel mit einer Fritzbox 7490 als Access Point und einem Synology-NAS als Datenspeicher überträgt der Nanum im Schnitt etwa 349 Mbit/s (Download) beziehungsweise 262 Mbit/s (Upload). Dabei stand der Rechner bei freier Bahn etwa 3 Meter Luftlinie vom Router entfernt. In der Praxis variieren die Werte selbstverständlich entsprechend dem Gedränge der in der Nachbarschaft aktiven WLANs. Das kabelgebundene Ethernet kommt auf eine Geschwindikeit von etwa 800 MBit/s down und 357,43 down. Mit AC-WLAN lassen sich somit in der Tat recht respektable Datenraten erzielen — so lange die Geräte nicht zu weit auseinander stehen, keine Wände die Übertragung stören und die Nachbarschaft ihre Router nicht gehen 5-GHz-Modelle austauscht.

Fazit

Solo liefert seinen Nanum SE22 zu einem ordentlichen Preis aus. Wer sich die einzelnen Komponenten beim jeweils günstigsten Anbieter zusammensucht, kann sparen, muss aber den Rechner dann natürlich auch selbst montieren — was aufgrund der Heatpipes und der Enge im Gehäuse nicht ganz so leicht fällt. Die von Solo ausgewählte Hardware ist komplett Linux-tauglich und erfüllt die Aufgabe eines leistungsstarken Büro-PCs voll und ganz. Hardcore-Computer-Spieler werden hingegen eine dedizierte Grafikkarte vermissen, wenn auch der Skylake-Chipsatz eine ordentliche Aufgabe macht. Der Hersteller gibt im Gespräch an, dass die Intel-GPU ausreicht um drei Full-HD-Monitore (angeschlossen per 2xHDMI und 1xDVI) flüssig mit Pixeln zu füllen. Alles in allem also ein solides Gerät für Linux-User, die es gerne ruhig im Arbeitszimmer haben.

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4 KOMMENTARE

    • So einen Rechner stellt man sowieso unauffällig hinter den Monitor. Da muss man dann sowieso einen USB-Hub nach vorne legen.

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