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Wenn über stromsparende, kompakte und leise Rechner gesprochen wird, dann geht es meist um leistungsarme Mini-PCs oder Mac Minis, selten aber um wirklich ausgewachsene Computer mit ordentlich Dampf unter dem Hintern. Mit dem Nimbus setzt Cirrus7 seinen Ansatz fort, wirklich leistungsfähige PCs in ein schickes Gehäuse zu packen und mit Linux-Systemen zu versehen. Der Cirrus7 Nimbus lässt sich mit Intel-Prozessoren bis hin zu einem Core i7 und 3,7 Ghz ausstatten, genügend Leistung für so gut wie alles. Ich habe einen Nimbus hier bei mir im Test, Ubuntu ist von Haus aus bei Cirrus7 immer mit an Bord.

Der Nimbus ist nicht der erste kompakte Computer von Cirrus7, den ich genauer unter die Lupe nehme, schon vor über zwei Jahren habe ich den Cirrus7 One getestet. Das Fazit von damals könnte man als „teuer, aber lohnenswert“ zusammenfassen. Der One erwies sich als leistungsstarker, sehr leiser und kompakter Computer, der mit einem schicken Gehäuse und Extras wie einer regelbaren LED-Beleuchtung glänzen konnte. Nur beim Preis musste man damals schlucken, der Spaß ging erst bei knapp 940 Euro los, inzwischen ist der Basispreis jedoch auf 699 Euro gesunken.

Cirrus7 Nimbus ohne Lüfter

Der neue Cirrus7 Nimbus ist nach wie vor noch äußerst kompakt und leise. Dank eines durchdachten Gehäuses ist der Nimbus jedoch nicht nur leise, sondern komplett lautlaus! Kein einziger Lüfter dreht im Inneren des Computers seine Runden. Die Abwärme der CPU — verbaut werden Prozessoren bis hin zu Intel Core i7-3770T mit bis zu 3,7 GHz — wird über ein aus elf verschiedenen Bauteilen zusammengesetzten Gehäuse aus massiven Aluminium-Platten an die Umgebungsluft abgegeben, die Nachfolgende Animation zeigt wie das Gehäuse aufgebaut ist. Ohne Speichermedium mit einem Core i3 als CPU ist der Nimbus ab 449 Euro zu haben.

Der Aufbau des Cirrus7 Nimbus als Animation.
Der Aufbau des Cirrus7 Nimbus als Animation.
Cirrus7 One und Nimbus zusammen mit einem Mac Mini im Vergleich.
Cirrus7 One und Nimbus zusammen mit einem Mac Mini im Vergleich.

Die Abmasse des Nimbus (220 x 220 x 51 mm) sind gegenüber dem Cirrus7 One (218 x 218 x 108 mm) ähnlich, der Nimbus baut jedoch deutlich niedriger. An einen noch kleineren Mac Mini von Apple mit nur 196 x 196 x 36 mm kommt aber auch der sehr kompakte Nimbus nicht heran. Dennoch kann man beim Nimbus aber auch nicht gerade von einem großen Klotz auf dem Schreibtisch sprechen, ein Plätzchen sollte sich für den Alu-Block eigentlich immer finden lassen.

Kaum größer als ein Mac Mini

Der kompakten Bauform geschuldet, bleiben optische Laufwerke und USB-Ports auf der Frontseite auf der Strecke. Auf ein CD/DVD/Bluray-Laufwerk kann man in meinen Augen inzwischen problemlos verzichten, ich persönlich hab schon ewig keine CD mehr in meine Computer eingelegt. Front-USB hätte ich persönlich jedoch schon recht gerne, doch dafür müsste das Gehäuse aufwändiger gearbeitet werden, was es teurer und vielleicht auch nicht mehr so schick machen würde. So weit weg sind die hinteren USB-Ports (4x USB 2.0 und 4x USB 3.o) bei einem Schreibtisch-Rechner ja nun auch wieder nicht.

Der Cirrus7 Nimbus kommt trotz flotter CPUs komplett ohne Lüfter aus.
Der Cirrus7 Nimbus kommt trotz flotter CPUs komplett ohne Lüfter aus.
Das lüfterlose Gehäuse nimmt bis zu einem Core i7 mit über 3 GHz auf.
Das lüfterlose Gehäuse nimmt bis zu einem Core i7 mit über 3 GHz auf.
Die Heatpipe nimmt die Abwärme auf und leitet Sie über das Gehäuse nach außen.
Die Heatpipe nimmt die Abwärme auf und leitet Sie über das Gehäuse nach außen.
Platz für Peripherie ist reichlich vorhanden, vier mal USB 2.0 und vier mal USB 3.0.
Platz für Peripherie ist reichlich vorhanden, vier mal USB 2.0 und vier mal USB 3.0.

Das von mir getestete Nimbus-Modell besitzt ein Intel DQ77KB als Mainboard, eine Intel Core i5-3570T als CPU, acht GByte RAM, WLAN und Bluetooth via Centrino Advanced-N 6235 und als Datenträger eine Samsung SSD 840 mit 250 GByte Speicherplatz. In dieser Konfiguration würde der Nimbus 865 Euro kosten. Je nach Wunsch kann man im Nimbus bis zu einem Intel Core i7-3770T mit bis zu 3,7 Ghz verbauen. Eine dedizierte Grafikkarte lässt sich im Nimbus nicht einbauen, dafür wäre der Platz zu knapp und auch die Wärme der Grafikkarte auch zu viel.

Die Wahl auf den Core i5 3570T mit vier bis zu 3,3 GHz schnellen Kernen fiel aufgrund dessen Thermal_Design_Power (TDP) von maximal 45 Watt. Dieser Wert ist identisch zur Core-i7-Variante, selbst die schnellste für das Gerät verfügbare CPU generiert also bei typischer Höchstbeanspruchung im realen Einsatz nicht mehr Abwärme, als der in meinem Testgerät verbaute Prozessor, darauf gehe ich später etwas genauer ein.

Ubuntu auf dem Cirrus7 Nimbus

Wie bei allen Rechnern von Cirrus7 wird auch der Nimbus von Haus aus mit Linux ausgeliefert. Ihr habt die Wahl zwischen Ubuntu 12.04 LTS und dem  aktuellen Ubuntu 13.04, aber auch andere Linux-Distributionen sind natürlich lauffähig und werden von Cirrus7 auch auf Wunsch vorinstalliert. Windows gibt es in Form von Windows 8 nur gegen Aufpreis, aber auch hier bietet Cirrus7 als Option an Linux und Windows parallel als Dual-Boot-System zu betreiben.

Das auf meinem Test-Nimbus vorinstallierte Ubuntu ist unverändert, dank der OEM-Installation habt ihr die Möglichkeit Benutzer- und Rechnernamen selber zu vergeben. Ansonsten muss man zum Ubuntu-System nicht viel sagen: Dank der Intel-Chipsätze, müssen keine proprietären Treiber installiert werden. Grafik, Sound, Bluetooth, WLAN, Standby funktionieren auf dem Test-Nimbus ohne weiteres Zutun.

Der Cirrus7 Nimbus wird von Haus aus mit Ubuntu ausgeliefert, Windows 8 ist optional verfügbar.
Der Cirrus7 Nimbus wird von Haus aus mit Ubuntu ausgeliefert, Windows 8 ist optional verfügbar.
Andere Linux-Distributionen werden auf Wunsch auf dem Gerät installiert.
Andere Linux-Distributionen werden auf Wunsch auf dem Gerät installiert.

Es gab mal Zeiten, da konnte das Gehäuse eines Computers nicht groß und das Netzteil nicht stark genug sein, Big-Tower-Gehäuse und 500 Watt Netzteile waren die logische Konsequenz. Heute gilt das vielleicht noch für Hardcore-Games, die leistungsstarke und „heiße“ Grafikkarten benötigen. Ich für meinen Fall möchte einen möglichst leisen, stromsparenden und kompakten Rechner, der aber auch genügend Umpf für virtuelle Maschinen mitbringt. Das Tempo bei Datenträgerzugriffen ist ja dank moderner SSDs zum Glück kein Thema mehr.

Stromverbrauch und Wärmeentwicklung

Für mich besonders interessant sind daher nun die Punkte Stromverbrauch und Wärmeentwicklung beim Cirrus7 Nimbus. Ein lautloser Rechner läuft tendenziell länger, als ein lärmender Fön in der Ecke. Und natürlich stellt sich auch die Frage: Was passiert eigentlich, wenn man den lüfterlosen Rechner einmal richtig stresst? Was passiert, wenn der Nimbus zu warm wird? Droht der Schreibtisch in Flammen aufzugehen?

Das aus Kühlrippen zusammengesetzte Gehäuse von der Seite.
Das aus Kühlrippen zusammengesetzte Gehäuse von der Seite.

Mein Test-Nimbus mit seiner Intel Core i5-3470T verbraucht den Daten eines FRITZ!DECT 200 Adapters von AVM entsprechend im Leerlauf etwa 16,5 und unter Vollast etwa über 32 Watt. Im Standby zieht der Nimbus dann nur noch etwa 1,8 Watt aus der Steckdose. Bei 28 Cent/kWh teurem Ökostrom, acht Stunden Laufzeit bei im Schnitt 20 Watt, kostet der Betrieb eines Nimbus also etwa 2,70 Euro im Monat. Ein Raspberry Pi lacht sich bei diesem Stromverbrauch natürlich schlapp, dafür ist der Nimbus aber auch ein ausgewachsener Rechner mit allem drum und dran.

Im Leerlauf zieht der Cirrus7 Nimbus etwa 16,5 Watt.
Im Leerlauf zieht der Cirrus7 Nimbus etwa 16,5 Watt.

Um die Wärmeentwicklung zu testen, habe ich meinem Nimbus auf die Stresstest-Folterbank gespannt. Mitten im Hochsommer, bei annähernd 30 Grad im Büro, habe ich den Nimbus erst einmal im Leerlauf locker vor sich hin arbeiten lassen. Nach einer Einlaufphase von etwa einer Stunde, pendelte sich die Temperatur der CPU bei etwa 50 Grad ein. Das Gehäuse des Nimbus wird dabei warm, aber bei weitem nicht zu warm.

Im Leerlauf und bei über 30 Grad Zimmertemperatur pendelt sich die CPU bei etwa 50 Grad ein.
Im Leerlauf und bei über 30 Grad Zimmertemperatur pendelt sich die CPU bei etwa 50 Grad ein.

Interessant wird es jetzt natürlich, wenn man Gas gibt und die CPU schuften lässt. Dazu habe ich nach der anfänglichen Einlaufphase mit stress für Volllast auf dem Nimbus gesorgt. In der MHZ-/Temperaturkurve sieht man das Hochtakten der CPU um etwa 23:30 recht deutlich. In Folge dessen steigt über die nächsten 1,5 Stunden die CPU-Temperatur kontinuierlich an, bis sie bei etwa 85 Grad an ein Maximum kommt. Überschreitet die CPU dieses, greifen automatisch die in der CPU eingebauten Schutzmechanismen ein.

Die Taktrate und damit die Energieaufnahme wird deutlich abgesenkt, demzufolge fällt auch die Temperatur der Prozessorkerne schnell ab. Letztendlich pendelte sie sich bei mir bei etwas über 75 Grad ein. Das Gehäuse wird während dessen natürlich gut heiß, irgendwo muss die Hitze ja hin — Das Braten eines Spiegeleis habe ich mir verkniffen, es könnte aber möglich sein. Ab und an lässt sich im Volllast-Betrieb aber auch ein Sägezahnverlauf beobachten, bei dem die CPU nach einer Erholungsphase von etwa 15 Minuten wieder hochläuft.

Temperatur-Entwicklung und CPU-Speed bei Leerlauf und Volllast.
Temperatur-Entwicklung und CPU-Speed bei Leerlauf und Volllast.

Im Alltag dürfte es praktisch unmöglich sein an die thermischen Grenzen der CPU kommen. Erst nach über eineinhalb Stunden sinnloser Volllast ist die CPU so heiß, dass sie automatisch runtergeregelt werden muss. Würdet ihr zu einer der angebotenen CPUs mit 35W TDP greifen, also zum Beispiel der Core i3 3220T, dann wird das Temperaturmanagement des Nimbus nie an seine Grenzen stoßen.

Wer also nicht gerade stundenlang Raytracing-Bilder berechnet oder gierig nach Bitcoins buddelt, wird mit dem lüfterlosen Nimbus gut auskommen, selbst wenn man eine Core i7 einbauen lässt. Nur als Dokumentenablage sollte man den Rechner nicht unbedingt verwenden, sonst kann das Gehäuse die Wärme nicht mehr ordentlich ableiten.

Fazit: Ubuntu, Power, lautlos!

Der Cirrus7 Nimbus ist kein „Möglichst-Günstig-PC“, soll er auch nicht sein. Kompakte Boards mit stromsparenden, aber dennoch schnellen CPUs sind generell nicht billig zu bekommen. Viele Alternativen zum Nimbus gibt es sowieso kaum. Man könnte auf Basis eines ebenfalls lüfterlosen Akasa-Euler-Gehäuses vielleicht selber ein ähnliches Gerät aufziehen, doch mit der vorhin genannten Ausstattung spart man sich gegenüber dem Nimbus nicht viel Geld.

Der Cirrus7 Nimbus ist ohne Speichermedium ab 449 Euro zu haben.
Der Cirrus7 Nimbus ist ohne Speichermedium ab 449 Euro zu haben.

Rechne ich die aktuellen Amazon-Preise der in meinem Testgerät verbauten Hardware (BoardCPURAMCentrino-WLANSSD) zusammen, komme ich inklusive dem Euler-Case auf über 810 Euro gegen einem identisch ausgestatteten Nimbus für 865 Euro. Der Eigenbau-Silent-PC lohnt sich gegenüber dem Nimbus also kaum, zudem dürfte die Wärmeabfuhr des aus massivem Alu gebauten Nimbus-Gehäuses deutlich besser sein.

Die Ironie an einem komplett lautlosen Rechner: Ganz lautlos ist mein Arbeitsplatz immer nicht nicht, ich kann jetzt deutlich das Brummen meiner 2.1-Boxen und ein Surren des Bildschirms bei heruntergeregelter Helligkeit hören. Oh, und aus der Küche höre ich das leise Rattern des Klima-Kompressors aus dem Kühlschranks, irgendwas ist ja immer 😉

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