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Ich habe mich schon seit einigen Wochen gewundert, dass die Raspberry Pi Foundation seit Ende Mai kein neues Raspbian-Image mehr veröffentlicht hat. Zuvor gab es eigentlich im Abstand von ein paar Wochen ein neues Image. Mit der heutigen Vorstellung von Pixel, der „neuen“ Desktopumgebung für den RasPi wird nun aber klar, warum es so lange still um Raspbian war: Mit einem aufgefrischtem Erscheinungsbild, anderem Standardbrowser und einem Emulator für den Sense HAT, möchte die Foundation einen Schritt in die Zukunft machen.

Auf den ersten Blick fällt auf, dass Raspbian wieder ein bisschen gewachsen ist. In manch einem Forumskommentar wird über das mehr als 4 GByte große Image geschimpft, allerdings beträgt der Unterschied zum letzten Image ohne Pixel lediglich 300 MByte. Das Lite-Image ohne Xserver und grafische Desktopumgebung hat sich im Umfang dagegen so gut wie gar nicht geändert. Kein Wunder, schließlich gab es hier auch kaum Neuerungen, lediglich ein paar Updates stecken in der neuen Image-Datei.

$ ls -alh *raspbian*
3,8G 27. Mai 13:50 2016-05-27-raspbian-jessie.img
1,3G 27. Mai 13:41 2016-05-27-raspbian-jessie-lite.img
4,1G 23. Sep 09:44 2016-09-23-raspbian-jessie.img
1,3G 27. Sep 07:45 2016-09-23-raspbian-jessie-lite.img

Startet man das neue Raspbian, fällt umgehend der neue Splash-Screen ins Auge. Ähnlich wie bei Ubuntu setzt dieser wohl auf Plymouth. Während des Startvorgangs sieht man daher bis auf ein paar kleine Einzeiler keinerlei Bootmeldungen mehr. Wenn man für ein besonderes Projekt möchte, kann man die Grafik des Splashscreens anpassen. Dazu muss man lediglich das Bild /usr/share/plymouth/themes/pix/splash.png gegen sein eigenes austauschen.

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Sollte man die Bootmeldungen benötigen, etwa um ein Problem beim Booten ausfindig zu machen, muss man entweder in der /boot/cmdline.txt die Optionen quiet splash entfernen (dazu die Datei mit sudo nano /boot/cmdline.txt in einen Editor mit Root-Rechten öffnen) oder via sudo raspi-config unter 3 Boot Options | B1 Console festlegen, dass der RasPi ganz ohne grafische Umgebung starten soll. Beide Anpassungen müssen nach Korrektur des Problems wieder auf demselben Weg rückgängig gemacht werden.

Der Splashscreen lässt sich bei Bedarf über die /boot/cmdline.txt deaktivieren.
Der Splashscreen lässt sich bei Bedarf über die /boot/cmdline.txt deaktivieren.
Lässt man den RasPi ohne GUI starten, verschwindet auch der Splashscreen.
Lässt man den RasPi ohne GUI starten, verschwindet auch der Splashscreen.

Der Beitrag auf der Raspberry-Pi-Homepage spricht davon mit „PIXEL desktop“ eine Desktopumgebung geschaffen zu habe. Der Namen steht für Pi Improved Xwindows Environment, Lightweight. Diese baut jedoch so gut wie in allen Teilen auf LXDE auf. Neu sind, auf den ersten Blick, lediglich die Icons, das Fenstertheme, wie auch die Integration der Infinality-Patches in die Freetype-Bibliothek (Arch-User kennen diese in der Regel, ich habe sie auch schon ein paar mal hier im Blog behandelt). Dadurch erscheinen die Schriften auf dem Bildschirm weicher, manch ein User wird sich jedoch nun an den rundgelutschten Fonts stören.

Pixel entspricht praktisch LXDE, es gibt bisher lediglich ein neues Icon- und Fenstertheme.
Pixel entspricht praktisch LXDE, es gibt bisher lediglich ein neues Icon- und Fenstertheme.

Wichtiger ist in meinen Augen der Umstieg von Epiphany auf Chromium als Browser. Erstens bekommt man so von Haus aus einen Browser auf den RasPi, der allen aktuellen Anforderungen entspricht. Zweitens lässt sich dieser leicht (so wie der aus Chromium abgeleitete Chrome-Browser von Google) mit Erweiterungen aufrüsten. Raspbian bringt von Haus aus zwei mit: Mit uBlock Origin filtert der Browser Anzeigen aus Internetseiten; im Falle vom RasPi besonders interessant, da allzu umfangreiche Banner und Clips diesen schnell einbremsen. Dazu kommt mit h264ify eine Chrome-Erweiterung, die YouTube dazu zwingt H.264-Videos anstatt VP8/VP9 auszuliefern. Dadurch werden Ruckler beim Streamen von YouTube-Videos vermieden.

Anstatt Epiphany kommt nun Chromium mitsamt ein paar praktischen Erweiterungen zum Einsatz.
Anstatt Epiphany kommt nun Chromium mitsamt ein paar praktischen Erweiterungen zum Einsatz.

Weiter lassen sich nun Bluetooth und WLAN über die grafische Oberfläche abschalten. Zudem findet sich nun der RealVNC-Server mitsamt Client an Bord. Interessant für User, die sich an das Programmieren wagen wollen, ist der neue Sense HAT Emulator für den gleichnamigen Raspberry Pi Sense Hat. Dieser Aufsatz für den GPIO-Port beinhaltet verschiedene Sensoren für Temperatur, Luftfeuchte und Luftdruck, wie auch eine Beschleunigungssensor, einen Lagesensor und ein Magnetometer. Ergänzt wird das alles mit einem kleinen 8×8 LED-Matrix-Display und einem Mini-Joystick für Eingaben. Mit dem Emulator lässt sich das Arbeiten mit dem Hat austesten, ohne die 40 Euro für den RasPi-Aufsatz ausgeben zu müssen.

Man kann das Ganze leicht ausprobieren: Aus der gestarteten App wählt man unter File | Open example | Simple | temperature.py ein einfaches Beispiel aus. Daraufhin öffnet sich der Code des Beispiels in IDLE, einer Entwicklungsumgebung für Python. In dieser führt man das Skript dann via Run | Run Module aus. Zieht man jetzt am Schieberegler Temperature hoch und runter, leuchten die LEDs des Displays entsprechend der rot oder blau Temperatur auf. Je heißer, desto mehr färbt sich das Display rot. Entsprechend wird es blau bei niedrigen Temperaturen.

Mit dem Sense HAT Emulator lässt sich das Programmieren üben, ohne die Hardware zu besitzen.
Mit dem Sense HAT Emulator lässt sich das Programmieren üben, ohne die Hardware zu besitzen.

4 KOMMENTARE

  1. Hallo, mich würde mal interessieren wofür man seinen Rpi mit grafischer Oberfläche verwendet. Also was sind da die Anwendungsfälle. Meiner läuft komplett headless.
    Vielen Dank,

    Hachel

    • Hi,

      klar, bei mir kommen RasPis auch oft ohne einen Monitor zum Einsatz. Üblicherweise schließe ich nicht mal zum Aufsetzen des Rechners einen an. Geht ja alles über SSH.

      Zum Desktoprechner wird der RasPi beim ursprünglich angedachten Hautpeinsatzgebiet des RasPis: Der Bildung. Überall auf der Welt nutzen Schulen und Universitäten den RasPi für die Lehre. Er kostet wenig, lässt sich leicht vernetzen und ermöglicht über die GPIO-Schnittstelle hardwarenahes Programmieren.

      Wenn ich irgendeine Art von öffentlichem Internetterminal/PC für einfache Aufgaben betreiben müsste, dann würde ich das beispielsweise auch mit einem RasPi (oder einem anderen SBC) machen.

      Grüße,
      Christoph

    • Lach nicht, aber ich nutze nen Raspi3 als Arbeitsplatzrechner. Klar, ist er nicht der schnellste, aber für das bisschen Buchhaltung reichts locker.

      • Hey,
        der läuft doch fast besser als ein alter Netbook den ich hatte!
        Email schreiben, Surfen alles keine Problem.
        Sogar Youtube ist mit omxplayer und einem bestimmten FF Addon möglich.

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