Nach wie vor ziehen Android-User die… Räusper… Arsch-Karte, wenn man ein aktuelles Android-Handy hat, das nur noch via Media Transfer Protocol (MTP) mit dem Rechner sprechen möchte. Betroffen sind Handys wie etwa das Galaxy Nexus oder das Samsung Galaxy SIII, in denen der Hersteller nicht wieder den Massenspeicher-Modus eingebaut hat. Solche Handys lassen sich nicht mehr ordentlich an einen Linux-Rechner anschließen und per USB-Kabel mit Daten beladen. Krücken wie ein FTP- und SSH-Server oder aber auch proprietäre Tools wie AirDroid helfen, doch drahtlos dauert das Übertragen großer Datenmengen meist deutlich länger als über Kabel. Mit go-mtpfs hatte ich schonmal eine Lösung vorgestellt, die via FUSE einen MTP-Androiden ordentlich ins Dateisystem einbindet, jmtpfs ist nun eine weitere Lösung für Macs und Linux-Systeme.
fmtpfs wurde von Jason Ferrara für Macs und Linuxe entwickelt, ich habe das kleine Tool unter einem aktuellen Ubuntu 12.04 getestet. Es sollte aber auch auf anderen Linux-Distributionen laufen, ihr müsst nur die passenden Bibliotheken zum Bauen des Programms installieren. Unter Debian und Ubuntu müsstet ihr euch an folgender Anleitung orientieren können, bei anderen Distros lauten wahrscheinlich die Paketnamen etwas anders. Die Bau-Anleitung ist nicht sonderlich schwer, ihr müsstet das auf jeden Fall hinbekommen.

Ich für meinen Teil würde das Programm in /tmp bauen, so bleiben später keine sinnlosen Daten liegen. Öffnet daher das Terminal, geht in den /tmp-Ordner und ladet dort die aktuelle Version des Tarballs herunter. Weil ich eh gerade im Terminal stecke, mache ich das mit wget. Achtet bitte aber darauf auf der Homepage des Entwicklers zu prüfen, ob es nicht auch eine neuere Version als 0.4 gibt. Ändert daher eventuell bitte die URL zum Download. Packt anschließend das Archiv mit dem Quellcode mit tar -xzf aus und fügt euren User noch in die Gruppe fuse ein, bedenkt bitte dass die Gruppen-Zuordnung erst aktiv wird, wenn ihr euch einmal aus und wieder einloggt.
$ cd /tmp
$ wget http://research.jacquette.com/wp-content/uploads/2012/05/jmtpfs-0.4.tar.gz
$ tar -xzf jmtpfs-0.4.tar.gz
$ cd jmtpfs-0.4
$ sudo adduser $USER fuse
Nun geht es ans eigentliche Kompilieren, wobei es noch ein kleines bisschen Vorarbeit zu leisten gibt. Installiert bitte in einem ersten Schritt die nötigen zum Bauen des Pakets nötigen Bibliotheken und Programme, über die Paketverwaltung sollte das recht schnell gegessen sein. Anschließend geht es es ans Kompilieren und Installieren der Anwendung mit configure und make. Die Fragen bei checkinstall könnt ihr alle mit einem Return durchklicken, ihr müsst nichts extra eintippen. Der Vorteil gegenüber einem einfachen make install ist, dass euer selbst-gebautes Programm über die Paketverwaltung installiert wird und ihr es so auch wieder einfach entfernen könnt.
$ sudo apt-get install libmtp-dev libfuse-dev libmagic-dev checkinstall build-essential
$ ./configure
$ make
$ sudo checkinstallDanach ist der Keks eigentlich komplett gegessen. Steckt euer Handy an den Rechner an und prüft ob unter Einstellungen | Speicher | Menü-Button (rechts oben) | USB-Verbindung (PC) ob euer Handy auch wirklich MTP eingestellt ist und nicht das ältere PTP. Legt dann in eurem Home-Verzeichnis einen Mount-Punkt (aka Verzeichnis) an und lasst jmtpfs dort euren Androiden laden.
$ mkdir ~/android
$ jmtpfs ~/android/
Device 0 (VID=04e8 and PID=6860) is a Samsung GT-P7310/P7510/N7000/I9100/Galaxy Tab 7.7/10.1/S2/Nexus/Note.
Android device detected, assigning default bug flagsDanach könnt ihr euren Dateimanager anwerfen und eure Daten auf dem Handy unter ~/android einsehen. Die Performance sollte besser als über WLAN sein, von daher lohnt es sich schon auf jmtpfs oder go-mtpfs zu setzen, wenn man größere Datenmengen kopieren möchte. Um das Handy auszuhängen könnt ihr entweder im Dateimanager auf das kleine „Auswurf-Symbol“ neben dem Eintrag in der Seitenleiste klicken oder auch wieder das Terminal bemühen.
$ fusermount -u ~/androidDer Befehl fusermount -u hängt das Verzeichnis aus, in dem ihr euer MTP-Android-Handy eingebunden hattet. Achtet aber bitte drauf, dass im Vorfeld vorher alle Dateioperationen erfolgreich beendet wurden, sonst droht schnell Datenverlust.
Handys mit USB-Massenspeichermodus von HTC
Solange Bug #972311 nicht behoben wurde, sind jmtpfs oder go-mtpfs daher eine ganz brauchbare Krücke, es wäre aber schön, wenn MTP unter Linux einfach funktionieren würde, immerhin hat das MS auch geschafft 😉 Der Anteil der Smartphone-User mit Android 4.0 steigt beständig, von daher können sich Linuxer nicht vor MTP verschließen, die Technik wird immer wichtiger, gerade weil es immer mehr Geräte mit Android 4.0 ICS gibt, die auf eine zusätzliche Speicherkarte verzichten.
Allerdings gibts es diesbezüglich auch eine gute Nachricht, die ausnahmsweise „für“ ein Hersteller-ROM spricht. HTC baut zum Beispiel wieder den Massenspeicher in seine Geräte der HTC ONE-Serie ein. Beim Anschluss an den Rechner erscheint ganz normal die Frage, ob die Daten als „Festplatte“ freigegeben werden, einen kurzen Moment später meldet die Linux-Desktopumgebung dann ein neues Laufwerk, das geschieht bei meinem Galaxy Nexus leider eben nicht.

Linuxern, die mit dem Gedanken spielen ein neues – oder ein erstes – Android-Handy zu kaufen, sei daher zum Beispiel das HTC ONE S ans Herz gelegt. Das Handy ist brutal schnell, hat den fast idealen Form-Faktor, ist klasse verarbeitet, hat ein tolles Display und Android 4.0. Man muss zwar mit HTCs eigener Oberfläche „Sense“ leben, hat aber dafür eben wieder den Massenspeichermodus zur Hand.






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