Nach Watchever, Maxdome, Sky Go oder Amazon Prime Video starte mit Netflix heute auch noch der amerikanische Branchenprimus mit seinem in den USA den Markt beherrschenden Video-On-Demand-Dienst in Deutschland. Damit dürfte nun auch in good old Germany keiner der großen Player in diesem Bereich fehlen. Wie die Konkurrenz baut auch Netflix auf das Silverlight-Plugin, das unter Linux nur über den Umweg Pipelight zum Laufen gebracht werden kann. Wer seinen Browser jedoch richtig konfiguriert, dem präsentiert Netflix allerdings browser- und linux-freundliche HTML5-Streams, so dass man Netflix auch ohne Pipelight-Gebastel nutzen kann. Die Sache hat allerdings ein paar Haken.
Wie bei der Konkurrenz üblich bietet auch Netflix eine einen Monat lange Testphase an. In dieser kann man den Dienst auf Herz und Nieren prüfen. Allerdings solltet ihr nicht vergessen rechtzeitig zu kündigen, sonst läuft das Abo unvermindert weiter, kann allerdings monatlich gekündigt werden. Das Basis-Abo mit Zugang über nur ein Gerät kostet 7,99 Euro im Monat. Legt man einen Euro drauf bekommt man Netflix auf zwei Geräte und HD-Streams oben drauf.
Für 11,99 Euro im Monat erlaubt Netflix dann den Zugang über vier Geräte, so dass auch Familien Netflix ohne Konflikte nutzen können. Schließt man das Abo ab, fragt Netflix ein paar Benutzerdaten ab und legt für jeden User des Zugangs ein Profil ab. Die Auswahl Dreier Filme oder Serien, füllt zum Einstieg euer Profil, so dass von Anfang an passende Vorschlage angezeigt werden, die euch gefallen sollten.

Für Linux-User interessant ist nun aber was passiert, wenn man einen der Filme auf seinem Linux-PC anspielt: Auf den ersten Blick ist die Enttäuschung wie bei Watchever, Amazon und Co. groß. Klickt man auf einem der Netflix-Filme auf Play, dann liefert Video-Dienst stattdessen eine Seite mit den Systemvoraussetzungen aus – auf denen Linux selbstverständlich mal wieder nicht aufgeführt ist.
Mogelt man Netflix per User-Agent-Switcher einen beliebigen Windows-Client unter, dann kommt man zwar einen Schritt weiter, allerdings verlangt Netflix nach wie vor das Installieren des Silverlight-Plugins bzw. unter Linux Pipelight, obwohl in den Netflix-Einstellungen von Haus aus der HTML5-Player aktiviert ist.
Von Haus aus erstmal kein Linux-Support



Allerdings muss man nicht verzagen, man muss nur ein wenig im Netz suchen und wird zum Beispiel bei Reddit fündig, wo das Thema ausführlich diskutiert wurde. Netflix kann Filme per HTML5 ausliefern und braucht nicht zwingend Silverlight oder unter Linux eben Pipelight. Man muss Netflix nur den richtigen User Agent verklickern.
In Googles Chrome-Browser greift ihr dafür zur bewährten Erweiterung User-Agent Switcher for Chrome, die auch schon für Pipelight ihre Aufgabe gut erfüllt hat. Fügt dann anschließend den weiter unten stehenden User-Agent ein und aktiviert ihn. Von jetzt an sollte Netflix dann automatisch beim Abspielen eines Films den HTML5-Player benutzen.
- User-Agent Name: Netflix Linux
- User-Agent String: Mozilla/5.0 (Windows NT 6.3; Win64; x64) AppleWebKit/537.36 (KHTML, like Gecko) Chrome/38.0.2114.2 Safari/537.36
- Group: Chrome
- Append: „Replace“ auswählen
- Indicator Flag: IE
Seid ihr lieber mit Firefox, Chromium oder vielleicht Opera unterwegs, dann habt ihr allerdings auch mit dem HTML5-Player von Netflix schlechte Karten. Die Rechteinhaber bestehen natürlich auch beim HTML5-Player auf DRM-Verkrüppelung der Streams – diese findet ihr allerdings nur in Chrome. Steuert ihr Netflix daher mit einem der anderen Browser an, dann bleibt trotz des „richtigen“ User-Agents der Bildschirm schwarz.
Chromium meldet etwa „Hoppla, da ist was schiefgelaufen, Fehlende Komponente. Wir können leider nicht alle erforderlichen Komponenten auf diesem Gerät finden, um Netflix abzuspielen. Bitte besuchen Sie chrome://components, suchen Sie die Komponente WidevineCdm und klicken Sie auf die Schaltfläche Nach Updates suchen“ – Was natürlich zu keinem Erfolg führt.
Netflix streamt unter Linux per HTML5




Aktuelle libnss3 für Ubuntu 14.04
Arch User müssen also nur Chrome installieren und den User-Agent anpassen, dann spielt Netflix ohne weitere Änderungen sofort seine Filme per HTML5 ab. Unter Ubuntu 14.04 oder Linux Mint 17 bleibt allerdings trotz Chrome und dem richtigen User-Agent der Bildschirm schwarz. Schuld daran sind zu alte Version der Bibliotheken libnss3, libnss3-1d und libnss3-nssdb.
UPDATE 23.09.2014: Inzwischen müsst ihr euch um diese Baustelle nicht mehr kümmern. Canonical hatte angekündigt die Libnss3 zu aktualisieren und dies auch schnell in die Tat umgesetzt. Die aktualisierte Bibliothek wird inzwischen automatisch über die Trusty-Security-Paketquellen auf eure Rechner gespielt, so dass ihr euch um nichts kümmern müsst. Danach bedarf es jedoch nach wie vor einer Anpassung des User-Agents in Chrome. Erst wenn genügend Ubuntu-User die Systemanforderungen erfüllen, möchte Netflix die User-Agent-Abfrage komplett fallen lassen.
Wer nicht gerade auf eine Beta von Ubuntu 14.10 umsteigen möchte, der muss sich diese Bibliotheken aus den Utopic-Paketquellen (libnss3, libnss3-1d) klauen und von Hand einspielen. Folgender Befehl übernimmt das für euch, er funktioniert allerdings nur so lange wie Canonical die beiden Pakete nicht aktualisiert. Scheitert der Download, dann holt euch die beiden Pakete in der jeweils richtigen Architektur und spielt sie über den dpkg -i Befehl ein. [Update 18.09.2014: Für ein zuverlässiges Upgrade braucht es auch nocht die libnss3-nssdb.]
$ cd /tmp
$ wget http://archive.ubuntu.com/ubuntu/pool/main/n/nss/libnss3{,{,-1d}_3.17-1ubuntu1_{amd64,i386}}.deb
$ wget http://archive.ubuntu.com/ubuntu/pool/main/n/nss/libnss3-nssdb_3.17-1ubuntu1_all.deb
$ sudo dpkg -i libnss*.deb
Die Installation der beiden Pakete sollte keine negativen Auswirkungen nach sich ziehen, ihr müsst euch allerdings selbstständig nach Updates der Bibliotheken bemühen. Solltet ihr eines Tages auf Ubuntu 14.10 umsteigen, dann werden die beiden Pakete im Zuge des Updates automatisch aktualisiert, so dass ihr wieder die „normalen“ Pakete installiert habt.
Netflix auf dem Raspberry Pi
Netflix auf dem Linux-Desktop ist ja gut und schön, allerdings werden die meisten User Netflix mit Sicherheit auf einem richtigen Fernseher mit einem ordentlich großen Display betrachten wollen und nicht auf dem kleinen Bildschirm eines Notebooks. Moderne Smart TV unterstützen den Dienst von Haus, wer jedoch noch einen „dummen“ Fernseher im Wohnzimmer stehen hat, der muss sich einen anderen Weg suchen, Netflix auf der großen Leinwand betrachten zu können
Die einfachste Lösung dafür ist mit Sicherheit einen 35 Euro teuren Chromecast-Dongle an den Fernseher zu stecken. Diesen packt ihr via HDMI an euren Fernseher, zweigt von einer freien USB-Buchse oder einem Handy-Netzteil Strom ab und steuert dann die Netflix-Streams mit eurem Android-Handy oder einem Tablet. Die Netflix-App für Android bietet von Haus aus Support für Chromecast an, wer sich mit Chromecast noch nicht auskennt, der findet in der Netflix-Hilfe ein kleines Howto.

Für Linux-Fans und Raspberry-Pi-Enthusiasten wäre es nun aber mit Sicherheit deutlich interessanter Netflix auch über Kodi aka XBMC und den RasPi sehen zu können. Dies ist leider nicht so einfach, da die Netflix-Streams eben per DRM verdongelt werden, so dass sie sich noch ohne weiteres vervielfältigen lassen. Die bösen Rasupkopiermörder könnten ja sonst unberechtigte Kopien der Streams machen. Bislang bietet nur Chrome die entsprechenden Voraussetzungen an. Der RasPi müsste die Streams also extern in Chrome öffnen, was natürlich nicht Sinn der Sache ist. Ein entsprechendes Netflix-XBMC-Addon gibt es allerdings schon im Netz.






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