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Bei Paddy auf neunzehn72 habe ich vor ein paar Tagen ein kurzes Tutorial gesehen, in dem er seiner Brooklyn Bridge Bitch den letzten Touch gibt. Als Profi-Fotograf arbeitet er selbstredend mit Adobe Lightroom, was ich im Video allerdings recht praktisch fand, war die Möglichkeit die Farbwirkung der Bilder per Film Simulation zu setzen. Paddy greift dazu auf die nicht gerade günstigen VSCO-Film-Presets zurück. Ich arbeite weder mit Lightroom, noch möchte ich ein paar hundert Dollar in virtuelle Filmrollen investieren, sowas muss auch mit den Linux-tauglichen RAW-Entwicklern funktionieren. Mit ein bisschen Recherche wurde ich schnell fündig.

Mein erster Versuch galt AfterShot Pro. Das Programm ist zwar weder frei noch kostenlos, doch aufgrund der zahlreichen implementierten Filter, Entrausch-Routinen und des mir entgegen kommenden Workflows arbeite ich recht gerne mit dem Programm. Über AfterShot Pro hatte ich in LinuxUser 08/2014 schon einmal etwas ausführlicher geschrieben (in der Linux-Community ist der Artikel mittlerweile frei verfügbar), zudem lässt sich mithilfe von Beignet die GPU meines Intels-Rechners zur Beschleunigung der Rechenoperationen heranziehen. Summa summarum ist AfterShot Pro aktuell das Programm, mit dem ich in der Regel meine RAW-Aufnahmen unter Linux entwickel.

Nun gibt es für AfterShot Pro mit Nostalgia (hier die Homepage) einen „Classic Films Simulator“ als Plugin. Allerdings ist das Projekt wohl eingeschlafen. Es gibt keine 64-Bit Version des Plugins und selbst wenn man mit der 32-Bit-Variante von AfterShot Pro arbeitet, ist das Programm zu AfterShot Pro 2.2 nicht mehr kompatibel — Das lässt sich zumindest aus diesem Thread im AfterShot-Forum von Corel herauslesen. Auf meinem 64-Bit-Rechner erscheint das Plugin nach der Installation gar nicht erst in der Auswahl. Ich gehe mal davon aus, dass das Plugin in der Tat nicht mehr zu gebrauchen ist.

Mit ein bisschen mehr Recherche kommt bei RawTherapee zu einem funktionierenden Film-Filter, die RawPedia — das Wiki zu RawTherapee — widmet dem Thema eine ganze Seite. Für die Installation müsst ihr euch die RawTherapee Film Simulation Collection in Form des HaldCLUT.zip herunterladen — Achtung: Die Datei ist über 300 MByte groß. Anschließend entpackt ihr den Inhalt irgendwo auf der Festplatte, ich für meinen Teile habe das Archiv einfach nach ~/.config/RawTherapee entpackt. Anschließend startet ihr RawTherapee und öffnet über einen Klick links unten in der Dateiverwaltung die Einstellungen. Im Reiter Bildbearbeitung gibt er dann dieses Verzeichnis unter Film Simulation an.

Die RawTherapee Film Simulation Collection müsste ihr von Hand auf eurem System installieren.
Die RawTherapee Film Simulation Collection müsste ihr von Hand auf eurem System installieren.

Nach einem Neustart von RawTherapee habt ihr dann die Möglichkeit im Edit-Modus unter Farbe (zu erreichen über das dritte Icon von links oder über [Strg]+[C]) die Film Simulaton zu aktivieren. Euch stehen eine ganze Palette an Filmen zur Verfügung: Von zahlreichen Schwarz/Weiß-Filmen von Ilford und Co., über Farbfilme von Agfa, Fuji oder Kodak bis hin zu Lomography-Filmen für den typischen Lomo-Effekt. Der Fotograf und Open-Source-Blogger Patrick David hat sich die Mühe gemacht alle Filme zusammenzuschreiben.

Fuji 160C, 400H, 800Z
Fuji Ilford HP5
Kodak Portra 160, 400, 800
Kodak TMAX 3200
Kodak Tri-X 400

Fuji Neopan 1600
Fuji Superia 100, 400, 800, 1600
Fuji Ilford Delta 3200
Kodak Portra 160 NC, 160 VC, 400 NC, 400 UC, 400 VC

Polaroid PX-70
Polaroid PX100UV
Polaroid PX-680
Polaroid Time Zero (Expired)

Fuji FP-100c
Fuji FP-3000b
Polaroid 665
Polaroid 669
Polaroid 690

Fuji Neopan 1600
Fuji Superia 100/400/800/1600
Ilford Delta 3200
Kodak Portra 160 NC/VC
Kodak Portra 400 NC/UC/VC

Fuji 160C
Fuji 400H
Fuji 800Z
Ilford HP5
Kodak Portra 160/400/800
Kodak TMax 3200
Kodak Tri-X 400

Polaroid PX-70
Polaroid PX100UV
Polaroid PX-680
Polaroid Time Zero (Expired)

Fuji FP-100c
Fuji FP-3000b
Polaroid 665
Polaroid 669
Polaroid 690

Agfa Precisa 100
Fuji Astia 100F
Fuji FP 100C
Fuji Provia 100F
Fuji Provia 400F
Fuji Provia 400X
Fuji Sensia 100
Fuji Superia 200 XPRO
Fuji Velvia 50
Generic Fuji Astia 100
Generic Fuji Provia 100
Generic Fuji Velvia 100
Generic Kodachrome 64
Generic Kodak Ektachrome 100 VS
Kodak E-100 GX Ektachrome 100
Kodak Ektachrome 100 VS
Kodak Elite Chrome 200
Kodak Elite Chrome 400
Kodak Elite ExtraColor 100
Kodak Kodachrome 200
Kodak Kodachrome 25
Kodak Kodachrome 64
Lomography X-Pro Slide 200
Polaroid 669
Polaroid 690
Polaroid Polachrome

Agfa Ultra Color 100
Agfa Vista 200
Fuji Superia 200
Fuji Superia HG 1600
Fuji Superia Reala 100
Fuji Superia X-Tra 800
Kodak Elite 100 XPRO
Kodak Elite Color 200
Kodak Elite Color 400
Kodak Portra 160 NC
Kodak Portra 160 VC
Lomography Redscale 100

Agfa APX 100
Agfa APX 25
Fuji Neopan 1600
Fuji Neopan Acros 100
Ilford Delta 100
Ilford Delta 3200
Ilford Delta 400
Ilford FP4 Plus 125
Ilford HP5 Plus 400
Ilford HPS 800
Ilford Pan F Plus 50
Ilford XP2
Kodak BW 400 CN
Kodak HIE (HS Infra)
Kodak T-Max 100
Kodak T-Max 3200
Kodak T-Max 400
Kodak Tri-X 400
Polaroid 664
Polaroid 667
Polaroid 672
Rollei IR 400
Rollei Ortho 25
Rollei Retro 100 Tonal
Rollei Retro 80s

Im Bild unten habe ich ein Original-Raw von mir mal mit einem Kodak Portra 400 UC – und einem Lomography Redscale 100 verglichen. Während das Original etwas blass ist, bekommt das Bild mit dem Kodak Portra deutlich mehr Farbe. Mit dem Lomography Redscale 100 drehen die Farben dann nochmals deutlich auf — Für Instagram-Fans sicherlich eine tolle Sache. In meinen Augen lohnt es sich sämtliche Film-Filter einmal anzusehen. Dies geht recht einfach, wenn ihr einen Film mit der Maus auswählt und dann mit den Pfeiltasten nach oben oder unten zu den jeweils nächsten in der Reihe zappt, so erspart ihr euch viel Mausklickerei.

RawTherapee mit Kodak Portra 400 UC und Lomography Redscale 100 als Film Simulation im Vergleich.
RawTherapee mit Kodak Portra 400 UC und Lomography Redscale 100 als Film Simulation im Vergleich.

4 KOMMENTARE

  1. Rawtherapee ist bei mir inzwischen fester Bestandteil meines Workflows und ich taste mich langsam voran, auch etwas fortgeschrittenere Funktionen auszuprobieren. Dein Artikel ist eine sehr nützliche Einführung zum Thema Film-Simulation. Vielen Dank dafür!

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