Im Linux-Alltag mit GNOME helfen eine Reihe von Kniffen die Arbeit mit Fenstern auf dem Desktop zu vereinfachen. Der Hacken daran: Man muss die Kniffe kennen, denn in kaum einer Dokumentation sind sie erwähnt (wohl weil sie zu trivial sind) und man stolpert doch recht selten durch Zufall über sie.

Daher sind hier eine Reihe von Tipps und Tricks, die Euch helfen Texte noch einfacher per Copy&Paste zu übernehmen oder Fenster auf dem Desktop auszurichten. Videos werden dabei helfen, dass ich nicht allzu viele Worte verlieren muss…

Copy&Paste mit zwei Mausklicks

Das Kopieren und Einfügen von Texten dürfte jedem Computeranwender in Fleisch und Blut übergangen sein. Die Tastenkombinationen Strg+C und Strg+V wird wohl jeder kennen. Doch unter Linux gibt es seit jeher einen bequemeren Weg Texte per Copy und Paste zu übernehmen. Ihr selektiert einfach den zu kopierenden Text und fügt ihn dann an der richtigen Stelle mit der mittleren Maustaste ein. Ihr müsst also weder Tastenkombinationen drücken, noch Euch durch Menüs hangeln…

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Dies geht in jedem Programm. Ihr könnt also Texte aus dem Browser in OpenOffice.org übernehmen oder Befehle aus einem Wiki ins Terminal einfügen. Allerdings klappt das NUR mit Texten. Die so genannte X-Mouse funktioniert in jeder Desktop-Umgebung. Der Tipp ist also gültig, egal ob ihr GNOME, KDE, Xfce oder auch nur einen simplen Fenstermanager verwendet.

Fenster einfach verkleinern/verschieben

Noch ein triviales Thema: Das Verschieben bzw. Verkleinern/Vergrößern von Fenstern. Ich bin persönlich zu faul um die kleinen Ecken mit der Maus zu suchen, die ich klicken muss um ein Fenster in seiner Größe ändern zu können. Auch das Treffen der Fensterleiste ist mir zu mühsam. Wie also dann Fenster Verschieben? Ganz einfach: Um ein Fenster zu verschieben, drückt Ihr die Alt-Taste und klickt mit der linken Maustaste auf eine beliebige Stelle des eines Fensters. Um das Fenster in seiner Größe zu ändern, drückt Ihr wieder die Alt-Taste und klickt mit der mittleren Maustaste in die Nähe einer Ecke.

[UPDATE: Video leider nicht mehr verfügbar.]

Auch diese Funktion steht Euch in jeder Desktopumgebung und mit jedem Fenstermanager zur Verfügung. Wichtig ist sie auf Rechner mit kleinen Displays, es kommt immer mal wieder vor das Designer von Programmoberflächen es nicht vorsehen, dass ein Fenster skalierbar ist. Mit dem „Alt-Taste plus linke Maustaste“-Trick kann man Fenster beliebig verschieben und so auch den OK-Button bei einem zu kleinen Bild klicken.

Fenster horizontal/vertikal maximieren

Das ist ein Trick, den ich auch erst vor Kurzem in Dem hoergen – Blog erfahren durfte. Klickt Ihr mit der mittleren Maustaste auf das mittlere Icon in der Fensterleiste eines Fensters, dann maximiert Ihr ein Fenster vertikal. Klickt ihr mit der rechten Maustaste auf das mittlere Icon, so maximiert Ihr es horizontal. Laut den Kommentaren funktioniert das auch mit KDE.

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Fenster ausrichten

Wer sich Windows 7 schon einmal angesehen hat, der kennt wahrscheinlich „Aero Snap“. Zieht man ein Fenster an den rechten Bildschirmrand, so wird es auf der rechten Hälfte des Bildschirms maximiert. Das Selbe passiert am linken Rand des Desktops. Zieht man das Fenster auf die obere Kante des Bildschirms, dann wird das Fenster über den ganzen Bildschirm maximiert. Ich habe das Feature neulich mal aufgezeichnet…

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Mir gefällt die Funktion ganz gut. Besonders praktisch ist sie bei Breitbilddisplays. Wer will denn schon ein Browserfenster auf 1900 Pixel Breite aufziehen, wenn Webseiten praktisch nie auf diese Breite skalieren? Daher ist es wirklich bequem, wenn es einen einfachen Weg gibt ein Fenster auf einen begrenzten Bereich zu maximieren.

Die selbe Funktion lässt sich (fast) mit Compiz umsetzen. Leider muss man die Tastatur zu Hilfe nehmen, doch hat man sich einmal an die Funktionalität gewöhnt, dann gehts auch mit Compiz flott. Die Funktionalität ist von Haus aus in Compiz eingebaut, man muss sie nur aktivieren. Dies geht über den CompizConfig Einstellungs-Manager. Leider ist das Programm so unbequem zu bedienen, wie der Name ausgesprochen wird… Ihr installiert das Programm über das Kommando…

$ sudo apt-get install compizconfig-settings-manager compiz-fusion-plugins-extra

…und ruft es dann unter System | Einstellungen | CompizConfig Einstellungs-Manager auf. In der Rubrik „Fensterverwaltung“ findet ihr das Plugin „Grid“, aktiviert es bitte.

Nun könnt ihr mit [Strg]+[Alt]+[4] (die Zahlen bitte auf dem Zehnerblock eurer Tastatur verwenden) ein Fenster auf der linken Hälfte eures Desktops maximieren. Mit [Strg]+[Alt]+[6] macht ihr das selbe mit der rechten Hälfte des Desktops. Und [Strg]+[Alt]+[5] maximiert ein Fenster komplett. Ähnliches machen die restlichen Tasten des Zehnerblocks. [Strg]+[Alt]+[7] schiebt das Fenster in die linke obere Ecke, [Strg]+[Alt]+[3] in die rechte untere Ecke, [Strg]+[Alt]+[8] maximiert das Fenster in der oberen Hälfte und so weiter uns so fort.

[UPDATE: Video leider nicht mehr verfügbar.]

Ebenfalls recht praktisch finde das Plugin „SnappingWindows“. Es sollte von Haus aus aktiv sein, doch erst wenn die Option „Edge attraction“ aktiviert wurde, docken Fenster an anderen Fenster an. So könnt ihr bequem Fenster ohne Überlappung nebeneinander ausrichten.

62 KOMMENTARE

  1. Das horizontal und vertikal maximieren geht auch unter openbox (bin Crunchbang-User). Hab das auch erst vor ein paar Tagen durch Zufall entdeckt und war ganz begeistert von diesem feature, ist wirklich sehr praktisch.
    Ich bin langjähriger (>10 Jahre) Linux-User und war recht buff dass ich vorher noch nicht darüber gestolpert bin.
    Das zeigt um so mehr, dass zu wenig über die grundlegenden einfachen Dinge die Linux betreffen geschrieben wird.
    Vielen Dank an Christoph deshalb für diesen Artikel (auch wenn er für mich eine Woche zu spät kam^^)

    Gruss Andi

  2. Deine Tipps ala „Copy&Paste“ in Ehren, aber wirklich helfen würde mir vielmehr, wenn man mir einmal erklären könnte, wie ich den Fensterverwalter einzustellen habe, dass er jedes neu geöffnete Programm immer zentriert/mittig darstellt.

    DAS (!) zehrt ungemein an den Nerven.

    Danke schon einmal im Voraus.

  3. > Deine Tipps ala “Copy&Paste” in Ehren, aber wirklich helfen würde mir vielmehr, wenn man mir einmal erklären könnte, wie ich den Fensterverwalter einzustellen habe, dass er jedes neu geöffnete Programm immer zentriert/mittig darstellt.

    Ruf den CCSM auf (die Installation ist oben beschrieben) „System -> Einstellungen -> CompizConfig Einstellungs-Manager“, geh zum Plugin „Place“ und stell dann unter „Platzierungsmodus“ den Wert „Zentriert“ ein…

    //PS: Es ist immer netter, wenn Fragesteller nicht „genervt“ sind, dann macht das Antworten doppelt so viel Spass…

  4. Vielleicht eine kleine Ergänzung: Horizontal und vertikal Maximieren ist bei mir zwar merkwürdigerweise nicht voreingestellt, lässt sich aber über den Gnome-Konfigurationseditor aktivieren, in den Schlüsseln:

    /apps/metacity/general/action_middle_click_titlebar
    /apps/metacity/general/action_double_click_titlebar
    
  5. zuerst dachte ich: kenn ich, mach ich ständig aber das super nette „Grid“ plugin hab ich bis heute irgendwie übersehen. vielen dank 🙂

    BTW: genau diese dinge machen mir den umstieg auf andere OS bzw. desktop environments praktisch unmöglich (auch wenns die teilweise auch wo anders gibt, nix is so wie gnome/compiz)

  6. Zum Thema Fenstersteuerung habe ich an der Entwicklung eines Compiz Plugins mitgearbeitet. Es heisst SmartPut und man kann es sich hier mal anschauen.

    Das Konzept ist: Gibt es einen freien Platz für das selektierte Fenster auf dem Desktop wird es aufs möglichste Maximiert ohne andere Fenster zu überdecken. Gibt es keinen freien Platz, wird das Fenster auf dem darunterliegenden gestapelt.

    http://www.youtube.com/watch?v=O0QdMOmYGhs

    Das Plugin ist nicht nur genial für Netbooks 😉

    Ich benutze es seit über nem Jahr und kann mir meinen PC ohne das nicht mehr vorstellen. Der Link zur git-Quelle ist im Video. Falls viele Leute sich dafür intressieren, mache ich auch wieder ein paar .deb Pakete. 🙂

    P.S.: Für mich gute Short-Cuts für das Plugin sind: SUPER+A oder (falls vorhanden) die seitliche Maustaste

  7. Hallo Denny, doch es geht – mehr oder weniger auch mit Metacity, über die gconf-Keys „/apps/metacity/general/action_middle_click_titlebar“ und „/apps/metacity/general/action_right_click_titlebar“ (ruf zum Ändern „gconf-editor“ auf) kannst du bestimmen, was passieren soll, wenn du mit der rechten bzw. mittleren Maustaste auf die Fensterleiste (also nicht nur das Icon) klickst. Die Beschreibung der Keys sagt…

    This option determines the effects of middle-clicking on the title bar. Current valid options are 'toggle_shade', which will shade/unshade the window, 'toggle_maximize' which will maximize/unmaximize the window, 'toggle_maximize_horizontally' and 'toggle_maximize_vertically' which will maximize/unmaximize the window in that direction only, 'minimize' which will minimize the window, 'shade' which will roll the window up, 'menu' which will display the window menu, 'lower' which will put the window behind all the others, and 'none' which will not do anything. 
    

    … Du kannst also ebenfalls einstellen, dass die Fenster horizontal oder vertikal maximiert werden. Die Voreinstellung ist, dass ein Mittelklick auf die Fensterleiste das Fenster in den Hintergrund schiebt und ein Rechtsklick ein Menü mit einer Reihe von Operationen anzeigt.

  8. Der Trick mit Copy&Paste funktioniert auch in der Konsole in beiden Richtungen. Sogar in xterm, welches ja nicht einmal ein Kontextmenu kennt.

    Einziges Problem unter Linux ist, dass das Clipboard den Inhalt vergisst, wenn man das Source Fenster schließt.

    Der Trick mit dem Vergrößern/Verkleinern mit Alt+rechts in den Fensterecken funktioniert leider nicht beim xfwm4 von Xfce.

  9. Ich wollte gerade das Grid Plugin von Compiz testen… auf meinem Laptop… ohne Zehnerblock… 😀

    Aber Super+Cursortasten funktioniert zumindest für rechts, links, oben und unten auch wunderbar.

    Danke für die Tipps 🙂 Wenn du jetzt noch einen Tipp hast, wie man sich die ganzen Tastenkombinationen merken kann kriegste von mir einen Orden 😉

  10. Musste mich zwar ein wenig einfuchsen, aber nun läuft es.
    Wen es interessiert: Man muss nur folgende Regel dort eintragen: Unter Fenster „type=Normal“ und bei Breite/Höhe eben entsprechende Auflösung. Danach startet jedes Programm immer in der gewünschten Größe.
    Das in Kombination mit deinem vorherigen Tipp (wie man alle Fenster zentriert starten lassen kann) macht mich wiederum rundum zufrieden. 😀

    Danke und Dir noch ein schönes Wochenende.

  11. *lach* Ja ich merkte es gerade ebenso. Von daher revidiere ich meine vorherige Aussage und ersetze sie durch Folgende: Man geht auf „Neu“, wählt unter Fenster „Fensterklasse“ aus, markiert danach entsprechendes Programm und trägt für dieses die beliebige Größe ein.
    Das wiederholt man solange, bis man alle für sich relevanten Anwendungen eingestellt hat. Et Voila: DANN ist es perfekt. 🙂

  12. Hallo, tolle tips die ihr hier habt. Was ich allerdings noch net gelößt bekommen habe, das eigenleben meiner Fensterleiste.
    Erst einmal ein wenig zur Erklärung. Ich hab nur ein Panel und dieses belgebt bei mir die ganze linke seite mit einer breite von 150 Pixel (42″ Bildschirm^^). Ganz oben hab ich wie üblich den Hauptmenü button, darunter kommt die Fensterleiste, wo alle fenster angezeigt werden, dann kommt ein wenig freiraum und unten reiht sich dann das Benachrichtungsfeld, Uhr, Sondeinstellungen, Mülleimer… sauber untereinander.
    Probleme bereite mir hier ganz explizit die Fensterleiste. ich bekomme es irgendwie nicht hin, das sie die ganze Fläche vom Hauptmenü butten bis zum Benachrichtugngsfeld einnimmt. Die Fensterleiste hat immer eine Standardhöhe von ca. 150 pixel. Das wird dann sehr unübersichtlich und gequetscht, wenn mehr als 6 Anwendungen auf der aktuellen Arbeitsfläche geöffnet sind. Außerdem fängt er dann zusätzlich noch an, mal mehr Fensterleistenhöhe zu spendieren und dann wieder zurück zu springen (das macht er besondern gerne wenn man gerade mal was auswählen will, was häufig dazu führt das man es nicht richtig auswälen kann, weil dabei die größe der Einträge sich ändert….)

    ich hoffe ihr versteht mein problem und habt auch eine lösung parad.
    Danke schon mal für eure hilfe

  13. Hallo MadMax26, im Rahmen eines Blogs lässt sich deine Frage schwer beantworten, besonders weil sie eigentlich rein gar nicht zu dem hier vorgestellten Thema passt. Der Issue betrifft ja nur das GNOME Panel und das Fensterlisten Applet. Ich würde dir raten entweder einen Bug auf launchpad, oder besser dem Bugtracker von GNOME zu öffnen oder einen Thread bei uu.de im GNOME Forum zu starten. Dort gibts sicherlich User, die ähnliches vorhaben bzw. nutzen 🙂

  14. HI Christoph, toller Artikel hätte aber auch noch eine Frage, vielleicht weiß es ja auch einer deiner Kommentatoren… ? Ab welcher Version unterstützt Metacity die oben angesprochene Form von Horizontal/Vertikal Maximieren/minimieren?? Bei meinem Lenny scheints noch nicht zu gehen … :'( Ist 2.22.0 BTW. Wo könnte man das selber nachsehen…? Ich habe leider nichts gefunden… google hilft mir nicht weiter 🙁

  15. Ich hab beim Fenster ausrichten das Problem gehabt dass auch der Desktop in seltenen Fällen ausgerichtet wird, was das ganze leider unbrauchbar macht.
    (Ubuntu 9.04)
    Ansonsten finde ich den Praktischen nutzen eh nicht so toll, zumindest auf meinem 4:3 monitor, da die zwei Spalten etwas zu schmal sind.

    Ansonsten toller Artikel 😀