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Viele von euch werden wie ich einen Raspberry Pi als kleine, stromsparende, eierlegende Wollmilchsau aufgestellt haben. Für einen Überblick über den Status des Mini-Servers kann man sich ein Monitoring mittels Munin oder Monitorix aufsetzen, was allerdings einiges an Aufwand und vor allen Dingen Ressourcen des kleinen Rechners kostet. Wer einfach nur ein paar Informationen wie die Auslastung, den Traffic oder die Speicherbelegung erfahren möchte, der kann zu Pi Control greifen. Eine Android-App rundet die auf den Raspberry Pi spezialisierte Monitoring-Lösung ab.

Pi Control stammt von Willy Fritzsche, der euch auf Willy’s Technik-Blog über das Programm informiert. Die Installation des Monitoring-Skripts funktioniert dank eines kleinen Installers recht leicht, allerdings gibt es unter Raspbian ein paar Vorarbeiten zu erledigen. Zum einen braucht ihr natürlich einen Webserver zur Darstellung der Daten, zum anderen benötigt Pi Control einen funktionsfähigen Root-Account. Verpasst daher zum Einstieg erst einmal Root ein Passwort und installiert dann eine Webserver mitsamt PHP. Für meinen Test habe ich den leichtgewichtigen Lighttpd gewählt.

Lighttpd mit PHP unter Raspbian einrichten

$ sudo apt-get install lighttpd php5-cgi php5-fpm php5-mcrypt libssh2-1-dev libssh2-php
$ sudo lighty-enable-mod fastcgi
$ sudo lighty-enable-mod fastcgi-php
$ sudo service php5-fpm restart
$ sudo service lighttpd force-reload
$ sudo passwd root

Danach könnt ihr euch mit Wget den Installer aus dem Netz herunterladen und ihn direkt im Terminal ausführen. Im Installer gebt ihr dann den von euch genutzten Webserver an, verrät dem Skript, wo es die Daten ablegen soll und gebt abschließend den Ordner für Pi Control an, unter dem ihr dann am Ende auch die Webapp aufrufen könnt. Üblicherweise solltet ihr die Vorgaben einfach unverändert übernehmen können.

Pi Control speichert das Root-Passwort zwar verschlüsselt unter /var/www/pic/ressources/config/config_ssh.php ab, doch mit dem geeigneten Wissen lässt sich aus dem gespeicherten Schlüsselt wieder auf das Root-Passwort zurückrechnen. Ich würde daher Pi Control nur auf RasPis installieren, auf denen keine kritischen Funktionen laufen und ein individuelles Root-Passwort verwenden.

Nach Abschluss der Installation müsstet ihr Pi Control über http://raspberrypi/pic oder unter http://ip-adresse/installationsordner aufrufen können — Die IP des RasPi und den Pfad müsst ihr selbstverständlich an eure Installation anpassen. Ein kleiner Einrichtungsassistent klärt danach, ob euer System alles Nötige mitbringt und fragt auch das Root-Passwort ab. Dieses braucht Pi Control um systemnahe Daten auslesen oder den RasPi über die Weboberfläche herunterzufahren oder neu starten zu können.

$ wget http://picontrol.willy-tech.de/picontrol_installer
$ sudo bash picontrol_installer
Pi Control installiert ihr über ein kleines Installations-Skript.
Pi Control installiert ihr über ein kleines Installations-Skript.
Ein Einrichtungsassistent hilft bei der Konfiguration und klärt, ob alles stimmt.
Ein Einrichtungsassistent hilft bei der Konfiguration und klärt, ob alles stimmt.

Pi Control zeigt euch nun die wichtigsten Informationen für das Monitoring relevante Daten wie CPU-Takt, Auslastung oder die Temperatur in der Übersicht an, darunter findet ihr Informationen zu den via USB an den RasPi angeschlossenen Geräten. Mit einem Klick auf Mehr anzeigen kommt ihr zu einer Übersicht mit weiteren Details. Über die seitlich im System-Widget angeordneten Buttons könnt ihr euren Raspberry Pi über den Browser gesteuert herunterfahren oder neu starten.

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Monitoring für den Raspberry Pi

Im Reiter Netzwerk bekommt ihr Informationen zum kabelgebundenen Netzwerk des Raspberry Pi. Hängt ein zusätzlicher USB-WLAN-Adapter an eurem RasPi, dann zeigt Pi Control auch diesen mitsamt der in der Nähe gefundenen drahtlosen Netzwerke an. Tippt ihr auf eine der erkannten WLAN-SSIDs, dann habt ihr die Möglichkeit die Zugangsdaten einzugeben und die Verbindung aufzubauen — in meinem Test meldet Pi Control allerdings, dass die IP-Adresse nicht abgerufen werden konnte.

Die Übersicht von Pi Control zeigt allgemeine Information zum Monitoring eines RasPi an.
Die Übersicht von Pi Control zeigt allgemeine Information zum Monitoring eines RasPi an.
In der Netzwerkkontrolle könnt ihr eine Verbindung über WLAN einrichten.
In der Netzwerkkontrolle könnt ihr eine Verbindung über WLAN einrichten.

Der Aufbau der Statistiken braucht am Anfang ein wenig Zeit. Sind genug Daten zusammengekommen, könnt ihr hier den Verlauf der CPU-Tastatur, der Auslastung und der Netzwerkschnittstellen eures mit Raspbian installierten Raspberry Pi in schicken HTML5-Charts herauslesen. Über Schieberegler unter jedem Graphen lässt sich der anzuzeigende Bereich auswählen. Pi Control lässt sich zudem mit Plugins um weitere Funktionen ergänzen, so könnt ihr zum Beispiel Status-Informationen einer Fritz!Box abrufen, die Cron-Jobs des Raspbian-System über Pi Control steuern oder Luftdruck und Temperatur über den GPIO auslesen oder das Webcam-Programm Motion in die Weboberfläche integrieren.

Die Statistiken von Pi Control liefern einen Verlauf der gespeicherten Daten.
Die Statistiken von Pi Control liefern einen Verlauf der gespeicherten Daten.
Über Plugins das derFritz!Box lässt sich das Monitoring von Pi Control erweitern.
Über Plugins das derFritz!Box lässt sich das Monitoring von Pi Control erweitern.

Neben der Weboberfläche hat Pi Control auch eine Android-App im Programm, mit denen ihr die gesamte Funktionalität der Weboberfläche (bis auf die Plugins) in einer schicken App im aktuellen Material Design Androids präsentiert bekommt. Wie gewohnt findet ihr die Anwendung im Google Play Store, ihr könnt sie kostenlos installieren, allerdings liegt der Quellcode wohl nicht offen. Damit ihr über die App eine Verbindung aufbauen könnt, müsst ihr die komplette URL zu eurer Pi-Control-Installation angeben und nicht einfach nur die IP eures RasPis. Anschließend dürfte die Bedienung der Anwendung eigentlich selbsterklärend sein.

Alles in Allem ist Pi Control ein richtig nettes und mit viel Liebe zum Detail gemachtes Projekt zum Monitoring eines Raspberry Pi. Von der gut gemachten Weboberfläche, bis hin zur mit aktueller Android-Technik gemachten App, gibt es an Pi Control wenig auszusetzen. In meinen Augen sollte allerdings ein Authentifizierungs-Mechanismus nachgerüstet werden. Wer nicht möchte, dass jeder Teilnehmer aus dem Netzwerk Pi Control und somit den RasPi ohne Zugangsdaten steuern kann, der kann allerdings auch eine Htaccess-Abfrage vor die Webseite schalten, ich vermute dass dann allerdings die App nicht mehr Pi Control sprechen kann.

7 KOMMENTARE

  1. Hi, ich nutze um meinen PI zu monitoren Linux Dash, welches auch auf anderen Webservern eingesetzt werden kann. Allerdings ist hier auch htaccess zum absichern empfehlenswert und es ist nicht so umfangreich wie Pi Control.
    Als Monitor App setze ich auf Raspi Check, welches sich per SSH am PI authentifiziert, OpenSource ist und es können Profile für mehrere PIs angelegt werden. Mit der App können auch eigene Befehle definiert und zum PI gesendet werden z.B. shutdown, reboot.

    Gruß André

  2. Ich habe alles genau so gemacht, wie hier angegeben, aber wenn ich versuche die Webseite von Pi Control aufzurufen, bekomme ich immer nur ein 404 – Not found Error.

    Rufe ich aber nur den Hostname auf, kommt die Willkommensseite von Lighttpd. Irgendwas muss ich übersehen haben, aber was?

      • Hui, mal sehen. So lange bin ich noch nicht mit Linux unterwegs.

        Wenn ich das richtig sehe steht bei den Permissions für den „/var/www/pic“ Ordner eine Berechtigung von 755. Besitzer ist root.
        Ist das ein Problem, weil ich mit dem „pi“ Account unterwegs bin? Ich mache ja alles mit „sudo“.

  3. Hi,

    Bei der Installation schon aufpassen (very easy):
    Nehmt kein eigenes Verzeichnis (e.g. „/var/www/pic“) sondern belasst es beim default-Verzeichnis: „/var/www/html“.

    Workaround No1 (very easy):
    Ihr löscht als root das Verzeichnis „/var/www/html“ und benennt eures in „html“ um.
    (am einfachsten indem Ihr den Dateimanager nehmt, nachdem ihr die GUI mit sudo startx gestartet habt).

    Workaround No2 (easy):
    Ihr ändert als root in der Datei „/etc/lighttpd/lighttpd.conf“ den „server.document-root“ auf euer Verzeichnis (e.g. „/var/www/pic“), dafür kann z.b. der Editior nano verwendet werden. Anschließend die Konfigurationsdatei mit „sudo /etc/init.d/lighttpd force-reload“ neu einlesen.

    Wie wirds richtig gemacht? (medium):
    Möchte man mehrere Verzeichnisse aufrufen könne (html und pic) bzw. unterschiedliche Hosts, da man mehrere Websiten hostet, dann muss man mit virtuellen Hosts arbeiten. Dort kann man dann auch unterschiedliche „server.document-root“ – Verzeichnisse definieren. Dafür die lighttpd – Doku zu Rate ziehen.

    LG

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