TEILEN

Es gab mal Zeiten, in denen Stand in vielen Büros ein altes Kofferradio in der Ecke und dudelte den ganzen Tag vor sich hin. Inzwischen sind die Dinger meist aus den Büros verschwinden. Wer heute noch während der Arbeit Radio hören möchte, der öffnet in der Regel die Webseite seines Lieblingssenders im Browser und hört das aktuelle Radioprogramm übers Web. Nun will man nicht unbedingt iḿmer ein Browserfenster offen haben und auch viele Audioplayer wie Rhythmbox sind einfach zu schwer. Wer einfach nur Webradio hören möchte, greift daher zu reinen Radio-Apps wie Gradio.

Die Open-Source-Anwendung Gradio gibt es erst seit einigen Wochen. Github listet den ersten Eintrag Anfang Mai auf. Die To-do-Liste ist dementsprechend noch gut gefüllt, dennoch erledigt Gradio seine primäre Aufgabe — das Auffinden und Abspielen von Webradio-Stationen — ohne Probleme. Für die Installation braucht man eine recht aktuelle Version der GTK-Bibliotheken, daher ist das vom Entwickler bereitgestellte Gradio-PPA nur für Ubuntu 16.04 und neuer geeignet. Arch bringt die entsprechenden Bibliotheken von Haus aus mit, daher lässt sich Gradio hier sehr einfach aus dem AUR installieren.

Gradio unter Ubuntu installieren

$ sudo add-apt-repository ppa:haecker-felix/gradio-daily
$ sudo apt update
$ sudo apt install gradio

Gradio unter Arch Linux installieren

$ pacaur -S gradio-git

Nach der Installation findet ihr Gradio im Anwendungsmenü von Gnome. Anfangs ist die Library mit euren Lieblingsstationen noch leer. Daher geht ihr am besten gleich in den Reiter Search und sucht nach den von euch bevorzugten Stationen. Den Index bezieht Gradio aus der freien Datenbank Community Radio Browser, die man über eine gut dokumentierte API auch in eigene Projekte einbinden kann. Eine erweiterte Suchfunktion, die beispielsweise Filter nach Musikstil oder Sprache erlaubt, soll später noch kommen.

Gradio ist eine auf GTK3 basierende Webradio-App für Gnome-User.
Gradio ist eine auf GTK3 basierende Webradio-App für Gnome-User.

Aus der Liste der Suchtreffer heraus, öffnet ihr mit einem Klick auf die linke Maustaste ein Kontextmenü. In diesem habt ihr unter anderem die Möglichkeit den Sender zu eurer Bibliothek hinzuzufügen (Add to library) oder die Station umgehend abzuspielen. Die Stationen in der Library erscheinen dann automatisch im entsprechenden Reiter. Mit dem Button neben dem Schließen-X schaltet ihr die Ansicht zwischen einem Raster und einer Liste um. Bislang gibt es noch keine Möglichkeit beispielsweise die Qualität des Radiostreams zu definieren.

Die integrierte Suchfunktion findet Radiostationen aus aller Welt.
Die integrierte Suchfunktion findet Radiostationen aus aller Welt.
Gradio integriert sich in die Benachrichtigungsanzeige des Gnome-Desktops.
Gradio integriert sich in die Benachrichtigungsanzeige des Gnome-Desktops.

Spielt Gradio einen Sender ab, erscheint der Player in der Benachrichtigungsanzeige des Gnome-Desktops. Allerdings übernimmt Gradio bisher noch nicht Eingaben der Multimediatasten wie etwa Play/Pause. Auf der To-do-Liste steht weiter das Anlegen eigener Radiostationen, das Bearbeiten von Einträgen aus dem Community Radio Browser oder auch das Löschen von Sendern aus den Suchergebnissen. Es gibt also noch einiges zu tun, bis das Programm komplett rund läuft. Als Alternative zur Shell-Erweiterung Internet Radio oder dem in die Jahre gekommenen Radio Tray bietet sich Gradio jedoch bereits jetzt schon an.

Anzeige

7 KOMMENTARE

  1. Perfektes Timing. Ich hab schon seit einiger Zeit nach ner Alternative für Radiotray gesucht und die Gnome-Shell Erweriterung fand ich nicht so toll, da sie keine seperate Lautstärke-Steuerung hat.

  2. Bei mir verrichtet RadioTray weiterhin seinen Dienst ganz gut. Bisher sehe ich da noch keinen Drang, ihn auszuwechseln. Aber über Neuigkeiten in diesem Bereich bin ich immer froh, weil interessiert.

    • Unter Gnome 3 lässt sich bei RadioTray die Lautstärke nur noch durch Editieren der Konfigurationsdatei ändern, da das Mausrad bei Trayicons nicht mehr funktioniert.

  3. Nett, muss ich auch mal selber ausprobieren. Bisher hab ich einfach die Radiofunktion von Lollypop genutzt aber was anderes zu testen ist auch nicht schlecht.

  4. mein Arch meldet beim Abspielen der Streams:
    „Ihrer Installation von GStreamer fehlt ein Plugin“
    Leider wird nicht gesagt, welches Plugin das sein könnte…. Jemand ne Idee?

    • Hi Prodonis, hier ist die Liste von auf meinem System installierten Gstreamer-Plugins.

      $ pacaur -Ss gst- | grep Install
      extra/gst-libav 1.8.2-1 [Installiert]
      extra/gst-plugins-bad 1.8.2-2 [Installiert]
      extra/gst-plugins-base 1.8.2-1 [Installiert]
      extra/gst-plugins-base-libs 1.8.2-1 [Installiert]
      extra/gst-plugins-good 1.8.2-1 [Installiert]
      extra/gst-plugins-ugly 1.8.2-1 [Installiert]
      extra/gst-python 1.8.2-1 [Installiert]
      extra/gstreamer0.10-ugly-plugins 0.10.19-16 (gstreamer0.10-plugins) [Installiert]
      community/gst-editing-services 1.8.2-1 [Installiert]

      Das fehlende sollte man dann eigentlich noch als Abhängigkeit des PKGBUILDs im AUR hinzufügen. Sagst du mir, was bei dir gefehlt hat?

      Grüße,
      Christoph

  5. Bei mir war es die extra/gst-libav 1.8.2-1, etwa 3/4 der Streams funktionierten deshalb nicht. Daher vielen Dank für die Auflistung!

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT