Kodi und ein Raspberry Pi genügen, um viele Ansprüche eines modernen Mediacenters abzudecken: Das Abspielen von HD-Inhalten, das Streamen von Inhalten aus Mediatheken und sogar ein PVR-Videorekorder mit EPG-Programmführer sind ohne große Probleme möglich. Wo es noch hängt, ist die Unterstützung von Videostreaming-Diensten wie Netflix, Amazone Prime oder Maxdome und Co. Hier hat zwar der Siegeszug von HTML5 für Linux-Kompatibilität gesorgt, allerdings nur in Browsern, die das Widevine-DRM dieser Dienste unterstützen. Das macht besonders dem Raspberry Pi Probleme, da unter Linux eigentlich nur Chrome die entsprechende Unterstützung enthält… und Chrome gibt es (theoretisch) nur für klassische PCs auf x86-Basis. Der Raspberry Pi mit seiner ARM-Architektur bleibt außen vor.
| Komponente | Bemerkung | Preise |
|---|---|---|
| Raspberry Pi 4 (bis zu 8GByte) | Inkl. WLAN und Bluetooth | Ab ca. 40 Euro |
| Raspberry Pi 400 | Rapberry in Tastatur integriert | Ab ca. 77 Euro |
| Raspberry Pi Zero 2 W | Inkl. Gehäuse | Ab ca. 26 Euro |
| Gehäuse für RPi4 | Diverse Modelle zur Wahl | Ab ca. 7 Euro |
| Netzteil | Ideal mit mind. 2500 mA | Ab ca. 10 Euro |
| MicroSD-Speicherkarte | Mind. 16 GByte, Class 10 | Ab ca. 8,90 Euro |
| Micro-HDMI-Kabel | CEC-fähig | Ab ca. 5 Euro |
| Optional | ||
| Raspberry Pi-Touchscreen | 7 Zoll mit 800 x 480 Pixeln | Ab ca. 85 Euro |
| Raspberry Pi-Frame für Display | Fünf verschiedene Farben | Ab ca. 20 Euro |
| Logitech K400 Plus Touch | Schnurlose Tastatur mit Touchpad | Ab ca. 35 Euro |
| USB-WLAN-Stick | 150 Mbit/s, IEEE802.11b/g/n | Ab ca. 7 Euro |
Nun gibt es aber Chromebooks, die ebenfalls auf einer ARM-CPU aufsetzen und unter Linux laufen. Google hat demzufolge Widevine-Binarys für ARM am Start, man muss sie „nur“ aus dem System angeln und auf den Raspberry Pi portieren. Das klappt mehr oder minder gut: So funktionierte es beispielsweise schon einmal recht zuverlässig Amazon Prime Video unter LibreELEC auf dem Raspberry Pi zu nutzen, doch das DRM macht dem Ganzen immer wieder einen Strich durch die Rechnung — aktuell funktioniert diese Lösung nicht. Nun gibt es aber bei Phoronix gute Nachrichten, das Magazin berichtet, dass das LibreELEC-Team an einem Netflix-Plugin für Kodi arbeitet. Den Quellcode gibt es bereits bei Github, allerdings braucht es ein sehr aktuelles „agile build“ der Mediacenter-Software. LibreELEC-Entwickler Milhouse bestätigt in den Kommentaren zum Beitrag aber, dass das neue Netflix-Plugin auf einem Raspberry Pi 3 funktioniert.
The Netflix plugin works fine on Raspberry Pi3 with an early version of LibreELEC 9.0, however for Netflix to work it requires an (as yet) unreleased version of Kodi 18 (or build it yourself, from the „agile“ branch).
Man kann sich auch schon selbst ein Bild von dem neuen Netflix-Plugin für Kodi machen: Raybuntu hat bereits Images von LibreELEC 9.0 als Agile-Build für den Odroid C2, den Wetek Hub sowie die Play 2-Box von Wetek veröffentlicht, auf denen das Plugin funktioniert. Es gibt bereits auch schon ein Video, das die neue Funktion demonstriert, allerdings auf einer Wetek Play 2 (anscheinend unter Android) und nicht auf einem Raspberry Pi. Das Video zeigt allerdings eine Einschränkung, die wohl aber nach wie vor besteht: Der User spielt am Ende ein Netflix-Video ab, das in 1080p vorliegt. Kodi spielt es dann aber nur mit 720p ab. Die volle Auflösung lässt sich Netflix anscheinend nach wie vor nur mit einem „richtigen“ System entlocken. Die Nachricht zeigt aber, dass das mit Kodi 17 aka Krypton eingeführte InputStream-Backend Früchte trägt. Was mit Netflix tut, wird früher oder später (hoffentlich) auch mit Amazon Prime und anderen Streaming-Anbietern funktionieren.
UPDATE 22.3.2017: Ich nutze Kodi gerne und viel, doch ich bin auch kein Kodi-Entwickler und stecke auch nicht genau Inputstream, Widevine und Co. drinnen. Daher hatten sich in meinen Beitrag ein paar Unklarheiten sowie Fehler eingeschlichen. Raybuntu und asciidisco haben diese in den Kommentaren richtiggestellt, von daher möchte ich die zwei hier noch kurz zu Wort kommen lassen:
a) Es gibt keine Einschränkung auf 720p, 1080 mit 5.1 Sound sind möglich, aber abhängig von der Leistungsfähigkeit der CPU, da man mit Widevine nur Software Decoding machen kann. Mit entsprechender Hardware also möglich. Eventuell sogar mal auf dem Raspberry Pi (3), aber da fehlen noch die Erfahrungswerte, dafür ist die Kiste noch zu „bleeding edge“.
b) Mit den Änderungen an dem Inputstream Plugin und dem, was in Kodi Agile implementiert ist, wird auch das Amazon Plugin wieder funktionieren. Das Problem mit Prime war, dass ursprünglich die Widevine Bibliothek nur als Decrypter genutzt wurde, dann sich aber die Politik von Seitens Amazon änderte & Widevine nicht nur das decrypten, sondern auch das dekodieren übernommen hat. Damit konnte das Inputstream Plugin (und die Kodi Architektur),bis Dato, nicht umgehen. Das hat sich nun geändert, Kodi Agile hat die Nötigen Architektur Änderungen gebracht & das Inputstream Plugin wurde auch angepasst. Dort wo das Netflix Plugin läuft, läuft auch Amazon wieder.
c) Das Video wurde zwar wirklich auf einer Wetek aufgenommen, allerdings läuft diese nicht mit Android, sondern mit den Libreelec Agile Community Builds von Raybuntu (https://github.com/Raybuntu/LibreELEC.tv/releases). Das Plugin wurde schon lauffähig auf Windows, OSX, 64bit Linux & 32bit Userpace ARM Systemen (wie der Wetek oder dem Odroic C2) getestet. Für den Raspberry fehlen noch merges in Kodi Agile, das ist aber mehr eine Code Style Geschichte, als eine funktionale.





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