Wer von euch hat eine FRITZ!Box zuhause stehen? Ich sehe viele Hände hoch gehen. Wer von euch hat eine FRITZ!Box mit Telefonie-Funktion (auf der AVM-Homepage mit VoIP gelabelt) am Internetanschluss hängen? Auch hier dürften viele Hände hochgehen. Wusstet ihr, dass Ihr euren Rechner zu einem vollwertigen VoIP-Telefon machen könnt? Ein aktuelles GNOME bringt mit dem Empathy-Messenger gleich alles dazu nötige mit. Im Endeffekt ist das Ganze jedoch universell: Empathy lässt sich mit jedem SIP-Anbieter nutzen und natürlich kann man auch andere VoIP-Softphones an die FRITZ!Box stöpseln. Da ich meine Telefonie jedoch über die FRITZ!Box manage und Empathy nach wie vor klasse finde, konzentriere ich mich im Beitrag auf dieses Setting. Zum Einrichten der Internet-Telefonie müsst ihr in die Einstellungen eurer FRITZ!Box gehen und unter Telefoniegeräte -> Neues Gerät einrichten-> Telefon (mit und ohne Anrufbeantworter -> LAN/WLAN (IP-Telefon) den Assistenten folgen. Ihr könnt einstellen unter welcher Leitung ihr mit dem Softphone telefonieren wollt und auf welche Nummer es reagieren soll. Solltet ihr Fragen zum Einrichten haben, bei AVM gibt es eine FAQ dazu. Am Ende bekommt ihr den Registrar genannt (fritz.box), den Benutzernamen (meist etwas wie 621, 622, usw.) und natürlich könnt ihr dem Zugang noch ein Passwort verpassen. Mit diesen Daten müsst ihn nun die die Einstellungen eures Softphones gehen, in meinem Fall eben der Instant-Messenger der GNOME-Desktopumgebung Empathy.

Damit man Empathy als Softphone benutzen kann, muss man das Rakia-Modul für Telepathy installieren. Zur Erinnerung: Telepathy ist ein Framework, das die Unterstützung von Chat-Protokollen und deren GUI trennt. So setzt eben das IM-Programm Empathy und aber auch die in GNOME integrierte Chat-Funktion über die Benachrichtigungen auf Telepathy auf. In Ubuntu lässt sich Rakia wie auch ein Plugin zum Managen des SIP-Accounts aus den Paketquellen installieren…
# Ubuntu 13.04...
$ sudo apt-get install telepathy-rakia account-plugin-sip
# Ubuntu 12.10...
$ sudo apt-get install telepathy-sofiasip account-plugin-sip…allerdings, und da ist der Haken an der Sache, ist das Ganze bei Ubuntu verbuggt wie Bolle. Ich habe die SIP-Geschichte schon länger verfolgt, wirklich nutzbar war die Entwicklung aber nie. Unter Arch Linux aber (und da schließt sich eben der Kreis, warum ich aktuell eher auf Arch baue) schnurren GNOME3, Empathy und auch das Rakia-Modus, das es als telepathy-rakia in den normalen Quellen gibt, wie eine Kätzchen. Ihr müsst nur Empathy und eben das Modul installiert haben, die Konten-Verwaltung von Empathy laden und dort die Daten des zuvor angelegten VoIP-Telefons eintragen. Anschließend solltet ihr mit eurem Computer umgehend in eurer FRITZ!Box als Telefon eingebucht sein.


Gehen Anrufe ein, dann signalisiert euch GNOME das Telefonat über ein Klingeln — ach was, oder? 😉 — und über eine Benachrichtigung am unteren Rand. Dort könnt ihr den Anruf ablehnen — und ihn damit auf den Anrufbeantworter lenken, wenn ihr in den FRITZ!Box einen eingerichtet habt — oder eben das Gespräch annehmen. In dem Call-Dialog habt ihr dann einen Nummernblock und Buttons zum De-/Aktivieren von Kamera (nicht mit einem anderen SIP-Account getestet), Mikro und Co. Einen eigenen neuen Anruf startet ihr über das Anwendungsmenü.


Wie eingangs gesagt gebe ich euch hier Infos, die nicht nur für Empathy und die FRITZ!Box gelten. Habt ihr nur einen „normalen“ Router ohne VoIP-Funktion, dann könnt ihr Empthy mit jedem anderen SIP-Anbieter benutzen. Sipgate, dus.net, Justvoip und wie sie alle heißen, bei Sipgate kann man sich zum Beispiel eine kostenlose Ortsrufnummer holen. Einfach nur die Zugangsdaten eintragen, und schon kann man mit Empathy telefonieren.
Andersrum gilt natürlich auch: Wer eine FRITZ!Box mit VoIP-Funktion zuhause stehen hat, aber kein Linux nutzt oder Empathy und GNOME nicht mag, der kann den Spaß natürlich auch mit anderen SIP-Clients aufsetzen. Unter Windows baut man wohl am besten auf Phoner bzw. noch besser Phonerlite oder vielleicht auch auf QuteCom, das früher mal unter OpenWengo lief. Unter Linux bietet sich noch Ekiga als ordentlich gepflegter Client an. Eine Liste mit VoIP-Clients findet ihr in der Wikipedia.
Insgesamt ist VoIP über SIP eine ziemlich geniale Sache. Ich benutze sehr oft diverse Prepaid-Anbieter, weil diese so ziemlich die günstigsten Tarife im Angebot haben, um auch mal Abseits der „großen“ Nationen (USA, Europa, Brasilien und Co.) günstig telefonieren zu können. Nicht in jedem Land sind schnelle Internetanbindungen Standard, da bleibt dann nur das gute alte Telefon.

![[UPDATE] Kommt OTR für Empathy?](https://linuxundich.de/wp-content/uploads/2011/03/AA-Pssst-Agents-Secrets-Amnesty_International_UK-Flickr-CC-BY-9424176826.jpg)




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