Seit ein paar Wochen darf ich mich stolzer Besitzer eines Sony Ericsson W660i Handys nennen. Naja, nicht ich, sondern meine Freundin, aber man ist ja immer an netten Gadgets interessiert. Das Mobiltelefon ist nicht das neuste Modell, aber warum immer als early adopter Geld zum Fenster rauswerfen… Das Handy gehört in die Klasse der so genannten „Walkman-Handys“. Von dem Standpunkt aus tut das Handy auch wirklich einen tollen Job. Die von Sony mitgelieferten Kopfhörer sind extraklasse, die Walkmanfunktion ist wirklich gut, man vermisst einen iPod oder extra MP3-Player nicht wirklich. Aber liebe Sony-Mitarbeiter, was für einen Schwachsinn habt ihr euch überlegt, als ihr über den Datenaustausch mit einem Computer nachgedacht habt?
Die Übertragungsrate vom Rechner auf das Handy liegt bei sage und schreibe 0,45MB/s. USB 2.0 könnte in der Theorie 60MB/s transferieren. Das Handy kommt also gerade mal auf 0,75 Prozent der theoretischen Übertragungsrate. Kompliment Sony, für diese Nicht-Performance hättet ihr eigentlich eine olympische Holz-Medaille mit rostigen Nägeln kassieren sollen, die euch in den „where the sun never shines“ geschoben werden sollte! Technisch kann man diese Glanzleistung recht schön nachvollziehen. Stöpselt man das Handy per original Datenkabel von Sony an einen aktuellen Rechner an – das Handy wird dann als Wechselmedium erkannt – so sieht man in der /var/log/messages folgende Meldungen:
$ tail -f /var/log/messages
...
Jul 23 00:57:35 isleofskye kernel: [ 3104.835115] sdg: p1 exceeds device capacity
Jul 23 00:57:35 isleofskye kernel: [ 3104.872860] attempt to access beyond end of device
Jul 23 00:57:35 isleofskye kernel: [ 3104.872870] sdg: rw=0, want=959338, limit=958999
Jul 23 00:57:35 isleofskye kernel: [ 3104.872881] attempt to access beyond end of device
Jul 23 00:57:35 isleofskye kernel: [ 3104.872883] sdg: rw=0, want=959339, limit=958999
...
Kopiert man dann eine 100MB große Testdatei auf das Handy, so demonstriert das Handy seine ganze Stärke.
$ time cp 100mb.test "/media/PHONE CARD/"
real 3m42.545s
user 0m0.000s
sys 0m0.552s
Das Problem betrifft übrigens nicht nur Linux oder meinen Rechner oder die genutzte Speicherkarte. Auch auf einem anderen Rechner, mit einer anderen Karte und unter Windows bleibt die Übertragungsrate unterirdisch.
Ich habe dann spaßeshalber mal beim Support von Sony Ericsson angerufen und gefragt, ob diese atemberaubende Performance wirklich nicht zu steigern ist. Die Dame am anderen Ende der Strippe beantwortete die Frage mit „Theoretisch können die Daten mit bis zu 480mbit/s übertragen werden“ – ja gut, ist klar, die maximale Geschwindigkeit von USB 2.0, die Praxis sieht jedoch anders aus – „Aber warum ist denn das so langsam? Ich kann hier mit [irgendein aktuelles Modell von SE] in 15 Minuten ein Album auf mein Handy übertragen, das hat mich noch nie gestört“… Einen Kommentar verkneife ich mir hier lieber.
Willkommen Sony in der Welt von Speicherkarten mit bis zu 8GB. In nicht einmal 5 Stunden kann man diese über ein Handy von Sony befüllen. Ich kann ja verstehen, dass eure Schnittstellen wohl noch aus einer Zeit stammen, als nur Kontakte, Termine etc. mit dem Handy abgeglichen wurden, doch wenn selbst aktuelle Modelle von Sony so lahm sind, dann solltet ihr mal über eure Technik etwas nachdenken! Bleibt also nur der Umweg über einen Kartenleser. So labrig wie der Deckel für den Kartenslot gebaut ist, wird dieser jedoch recht schnell abfallen. Also lieber Sony Ericsson. Mich habt ihr als Kunde verloren. Schade eigentlich, sonst gefallen mir eure Modelle ganz gut.






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