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Mittwald: Webhosting. Einfach intelligent.

Über die Problematik aktueller Androiden und Linux habe ich mich ja schon an verschiedenen Stellen ausgelassen. Leider hat sich bislang nach wie vor nichts geändert, unter Ubuntu 12.04 lässt sich via MTP nicht auf ein Android-Handy zugreifen. Das Umstellen auf PTP ist auch nicht wirklich eine Lösung, da man so nur Zugriff auf die Bilder bekommt und mtpfs ist ebenso nur eine sehr fehlerhafte Krücke. In anderen Worten: Wer ein Handy mit Android 4.0, wie bspw. das Samsung Galaxy Nexus, besitzt, in das der Hersteller keinen Massenspeichermodus mehr hineingepatcht hat, der kann von Linux aus nur umständlich auf die Daten des Telefons zugreifen. Abhilfe kann hier go-mtpfs schaffen, eine neues  FUSE-Dateisystem, das gerade eben erst auf Github veröffentlicht wurde.

Die Commit-History von go-mtpfs ist gerade einmal zwei Wochen alt, erwartet daher bitte noch nicht ein perfektes Programm. In meinen ersten Tests lief das Ganze allerdings schon recht ordentlich: Ich hatte Zugriff auf alle Ordner des Handys, kann Lesen und Schreiben und auch Daten auf das Handy kopieren. Allerdings brach der Transfer von richtig großen Dateien – wie etwa Videos mit mehr als 700 MByte – auch schon einmal ab.

Um go-mtpfs auf euren Linux-Rechner zu bekommen, braucht Ihr den Go Compiler und die Entwicklerpakete zur libmtp-Bibliothek. Ich habe die Installation auf einem Rechner mit Ubuntu 12.04 durchgeführt, ich hoffe aber dass sich go-mtpfs auch auf Rechner mit anderen Linux-Distributionen installieren lässt, ich würde mich über Statusberichte freuen.

Die Installation ist an sich nicht schwierig: Holt euch die nötigen Pakete, lasst Go den Quelltext aus dem Github laden, verlinkt das erzeugte Binary nach /usr/local bin und fügt euren Benutzer noch zur Gruppe „fuse“ hinzu, wenn er nicht sowieso schon in dieser Gruppe stecken sollte. Danach ist go-mtpfs schon einsatzbereit, konfigurieren müsst Ihr nichts.

$ sudo apt-get install golang-go libmtp-dev
$ sudo go get github.com/hanwen/go-mtpfs
$ sudo ln /usr/lib/go/bin/go-mtpfs /usr/local/bin/
$ sudo adduser $USER fuse

Um nun euer Handy in das Dateisystem eures Linux einzubinden schließt Ihr es via USB an den Rechner an, kontrolliert unter „Einstellungen -> Speicher -> USB-Verbindung (über den Menü-Button rechts unten)“ auch als „Mediengerät (MTP)“ konfiguriert ist. Solltet Ihr hier noch PTP eingestellt haben, dann bekommt Ihr nur die Kamera-Daten des Handys zu Gesicht. Danach legt Ihr einen Mountpunkt in einem beliebigen Verzeichnis an (bspw. in eurem Homeverzeichnis) und mountet mit $ go-mtpfs das Handy.

$ mkdir android
$ go-mtpfs android
$ fusermount -u android

Das Unmounten geht entsprechend wieder mit $ fusermount, beachtet aber bitte, dass vorher alle Daten auf das Handy kopiert sein müssen. Leider zeigt Nautilus das nicht ganz korrekt an, der Transfer-Dialog verschwindet lange Zeit, bevor die libmtp die Daten auf das Handy geschaufelt hat. Achtet daher eventuell auch mal auf die Ausgaben im Terminal.

Das Samsung Galaxy mit Android 4.0 und MTP in Ubuntu gemountet

Solange Bug #972311 nicht behoben wurde, ist go-mtpfs daher eine ganz brauchbare Krücke, es wäre aber schön, wenn MTP unter Linux einfach funktionieren würde, immerhin hat das MS auch geschafft 😉 Der Anteil der Smartphone-User mit Android 4.0 steigt beständig, von daher können sich Linuxer nicht vor MTP verschließen, die Technik wird immer wichtiger, gerade weil es immer mehr Geräte mit Android 4.0 ICS gibt, die auf eine zusätzliche Speicherkarte verzichten.

Allerdings gibts es diesbezüglich auch eine gute Nachricht, die ausnahmsweise „für“ ein Hersteller-ROM spricht. HTC baut zum Beispiel wieder den Massenspeicher in seine Geräte der HTC ONE-Serie (*) ein. Beim Anschluss an den Rechner erscheint ganz normal die Frage, ob die Daten als „Festplatte“ freigegeben werden, einen kurzen Moment später meldet die Linux-Desktopumgebung dann ein neues Laufwerk, das geschieht bei meinem Galaxy Nexus (*) leider eben nicht.

HTC hat den Massenspeicher-Modus in seine HTC ONE-Serie wieder eingebaut.

Linuxern, die mit dem Gedanken spielen ein neues – oder ein erstes – Android-Handy zu kaufen, sei daher zum Beispiel das HTC ONE S (*) ans Herz gelegt. Das Handy ist brutal schnell, hat den fast idealen Form-Faktor, ist klasse verarbeitet, hat ein tolles Display und Android 4.0. Man muss zwar mit HTCs eigener Oberfläche „Sense“ leben, hat aber dafür eben wieder den Massenspeichermodus zur Hand.

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