Als ich vor über 10 Jahren auf ein Desktop-Linux umzusteigen, war es kein Problem unter Linux fernsehen zu können. Dafür braucht es lediglich eine etwa 50 Euro teure TV-Karte und eine Software wie Tvtime. Mit dem Siegeszug des digitalen Fernsehens haben sich die technischen Voraussetzungen inzwischen aber komplett verändert. Statt per analogem Signal kommt das Fernsehen inzwischen digital und in HD-Qualität nach Hause. Ein elektronischer Programmführer darf nicht fehlen, und natürlich möchte man das Fernsehbild aufzeichnen und auch verzögert per Timeshift ansehen können. Mit dem FritzWLAN Repeater DVB-C ist all dies möglich, ohne dass ihr dafür den Rechner öffnen oder irgendwelche Treiber installieren müsstet.
Der FritzWLAN Repeater DVB-C vom Router-Spezialisten AVM entspricht nicht einer klassischen Steckkarte, die ihr in den Rechner einbauen und konfigurieren müsstet. Das Gerät ist vielmehr ein WLAN-Verstärker, so wie man ihn auch schon AVM und anderen Herstellern kennt, allerdings bringt das Gerät zusätzlich einen eingebautem TV-Tuner mit. Zum Empfang des Fernsehbildes müsst ihr nicht unbedingt eine besondere Software installieren. Im Endeffekt reicht zum Empfang ein Medienplayer wie VLC oder unter Linux auch Totem oder der Dragon Player aus der KDE-Software-Collection aus — VLC gibt es für so gut wie jedes Betriebssystem und natürlich auch für Linux. Für mobile Geräte mit Android oder iOS bietet AVM aber auch spezielle TV-Apps an.
AVM FritzWLAN Repeater DVB-C
Die Installation des Repeaters an meiner Fritzbox 7490 funktionierte dank Wi-Fi Protected Setup (WPS) ohne großen Aufwand. Zum Einrichten musste ich lediglich die WPS-Taste am Repeater für einige Sekunden drücken und anschließend den Verbindungsaufbau durch die Betätigung der WPS-Taste an der Fritzbox bestätigen. Unterstützt euer Router WPS nicht, dann könnt ihr euren Rechner über das mitgelieferte Netzwerkkabel mit dem Repeater direkt verbinden. Dieser fungiert im Auslieferungszustand als DHCP-Server, sodass ihr den Repeater dann unter der URL http://fritz.repeater aus dem Browser heraus erreichen und einrichten könnt. Nach der Konfiguration könnt ihr das Netzwerkkabel wieder abbauen und den DVB-C-Repeater über euer WLAN ansteuern.




Von der Grundfunktion arbeitet der AVM FritzWLAN Repeater DVB-C nun erst einmal wie ein klassischer WLAN-Verstärker, den es in verschiedenen Varianten auch von AVM gibt. Er erweiterte die Reichweite eures WLANs und bringt Netzwerk-Geräte über eine integrierte GBit-Ethernet-Buchse ins Netz, die über keine eigene WLAN-Karte verfügen. So kommen zum Beispiel ein netzwerkfähiger Drucker oder ein NAS ins Heimnetz, ohne dass ihr ein Netzwerkkabel durch euer Zuhause verlegen müsstet. Die TV-Funktionen des AVM FritzWLAN Repeater DVB-C müsst ihr nach der ersten Konfiguration gesondert über das Web-Frontend des Geräts einrichten.
Drahtlos und digital fernsehen
In der Verpackung des AVM FritzWLAN Repeater DVB-C liegen neben dem Gerät und einem Netzwerkkabel auch ein Antennenkabel und ein koaxialer T-Stecker, sodass ihr den Repeater zusätzlich zum Fernseher an die Antennenbuchse anschließen könnt. Das heißt aber auch, dass ihr den Repeater neben der Antennenbuchse installieren müsst — Steht dort auch schon euer Router, so ist die Repeater-Funktion des AVM-Geräts dann mehr oder minder nutzlos. Installiert den Repeater daher vielleicht besser in einem Raum, von dem aus ihr euren WLAN-Empfang verbessern wollt und auch noch eine zweite Antennenbuchse habt.
Bei meinem Testgerät stand nach dem ersten Einrichten erst einmal ein Update der Beta-Software an. Dies funktionierte genauso problemlos, wie man es eventuell von der Fritzbox her kennt. Den Fernseher des AVM FritzWLAN Repeater DVB-C erreicht ihr nun über das unter http://fritz.repeater aufrufbare Web-Frontend im Menü DVB-C. Hier habt ihr zum Beispiel die Möglichkeit den Sendersuchlauf zu starten, oder ihr prüft unter Live-TV, welche Sender die zwei integrierten Receiver des Gerätes gerade empfangen — Der Repeater kann demzufolge zwei Sender gleichzeitig empfangen und an verschiedene User im Netz streamen.
Der VLC-Mediaplayer als TV-Empfänger
Um nun die vom AVM FritzWLAN Repeater DVB-C ins Netz geladenen TV-Streams empfangen zu können, müsst ihr den VLC-Mediaplayer auf eurem System installieren. Diesen gibt es selbstverständlich in den Paketquellen der großen Distributionen wie Ubuntu, Debian oder Arch, ihr bekommt ihn aber auch für Rechner mit MacOS X oder Windows. Es ist also egal mit welchem Betriebssystem ihr arbeiten möchtet, AVM bietet für das Gerät gar keine eigenständige PC-Software an.
### VLC unter Debian, Ubuntu oder Linux Mint installieren
$ sudo apt-get install vlc
### VLC unter Arch Linux, Manjaro oder Antergos installieren
$ sudo pacman -S vlc
Von alleine findet VLC den DVB-C-Repeater allerdings nun nicht, ihr müsst dazu im Web-Frontend des Repeaters unter DVB-C » Senderliste eine Playlist herunterladen und diese dann in VLC einlesen. Der Repeater bietet für SD- und HD-Sender, sowie für Radiostationen jeweils getrennte Playlisten an. Den Downloadlink zu den M3U-Dateien finden ihr in den jeweiligen Reiter ganz ganz unten rechts. Diese lest ihr dann über Medien » Datei öffnen… in VLC ein. Speichert die Dateien am besten gut zugänglich auf der Festplatte ab, zum Fernsehen müsst ihr sie jedesmal aufrufen.



Zum Anspielen des gewünschten Senders öffnet ihr im Menü Ansicht die Wiedergabeliste oder drückt Strg + L. Mit dem Mauscursor wählt ihr dann in der rechts eingeblendeten Senderliste den gewünschten Sender oder ein Radioprogramm aus. Wiederholt ihr die Eingabe, vergrößert ihr das Fernsehbild auf das komplette VLC-Fenster. Mit einem Doppelklick auf das Bild oder dem Menüeintrag Video » Vollbild holt ihr das Fernsehbild auf den kompletten Bildschirm.


Für aktuelle Informationen zum Fernsehprogramm müsst ihr nicht zum Kiosk laufen und eine Fernsehzeitschrift aus Fleisch und Blut Papier und Tinte kaufen: Der DVB-C-Repeater von AVM bereitet diese auch über das TV-Signal verbreiteten Informationen digital auf und stellt sie euch als elektronischen Programmführer aka EPG innerhalb von VLC zur Verfügung. In VLC ruft diesen unter Werkzeuge » Programm-Guide auf. Neben den Infos was spielt wann wo, bekommt ihr auch zusätzlich ein paar Details zu den Sendungen angezeigt.

Technische Daten AVM FritzWLAN Repeater DVB-C:
- TV-Empfänger: DVB-C, Dual-Tuner
- SD-Qualität Video: 720×576@25 fps, Audio: MP3@192 kbit/s
- HD-Qualität Video: 1280×720@50 fps, Audio: AC3@448 kbit/s
- Leistungsaufnahme: Max. 5,5 W, im Schnitt 3,3 W
- WLAN: 802.11ac/n/g/b, bis zu 1,3 Gbit/s
- Netzwerk: Gigabit Ethernet (10/100/1000 Mbit/s)
Timeshift und Videorekorder
Mit dem AVM FritzWLAN Repeater DVB-C ist nicht nur Live-Fernsehen möglich, sondern auch die Aufnahme und das verzögerte Anschauen von Sendungen. Die Funktion ist allerdings nicht direkt in den DVB-C-Repeater integriert, man kann dafür allerdings auf die Fähigkeiten des VLC-Players zurückgreifen. Die Timeshift-Funktion springt an, sobald ihr während des Betrachten eines Senders auf die Pause-Taste drückt. Die so zwischengespeicherte Sendung lagert VLC vorrübergehend unter der Datei vlc-timeshift.Zufallszahl im Ordner /tmp. Geht euch dort der Platz aus, so könnt ihr das Verzeichnis unter Werkzeuge » Einstellungen » Alle » Input/Codecs » Timeshift-Verzeichnis beliebig anpassen. Sobald ihr VLC beendet wird auch der Zwischernspeichert gelöscht, die Funktion eignet sich daher wirklich nur für Timeshift.

Möchtet ihr dagegen eine Sendung für später aufnehmen, dann müsst ihr unter Ansicht » Erweiterte Steuerung den typischen Videorekorder-Button anzeigen lassen. Drückt ihr den Knopf, dann speichert VLC den aktuellen Sender im Videos-Ordner eures Homeverzeichnis unter dem Namen vlc-record-Zeitstempel-Sender.mpg ab. Da VLC die Aufnahmen nicht weiter komprimiert müsst ihr mit recht großen Datenmengen bei Aufnahmen rechnen. In SQ-Qualität fallen etwa 30 MByte/Minute an. Bei einem HD-Sender kommen etwa 45 MByte pro Minute zusammen. Pro Stunde müsst ihr also mit bis zu 2,7 GByte an Videodaten kalkulieren und dementsprechend Speicherplatz freiräumen.
AVM-Fernsehen für Handy und Tablet
Wer nicht unbedingt immer seinen Rechner zum Fernsehen starten möchte, der kann den AVM FritzWLAN Repeater DVB-C auch mit dem Smartphone oder Tablet verwenden. AVM hat dafür eigene Apps für Android und iOS im Programm, die ihr kostenlos aus den jeweiligen App-Markets installiert. Theoretisch könntet ihr auch VLC für Android verwenden, allerdings kommt VLC nicht sonderlich gut mit dem vom DVB-C-Repeater generierten Playlisten zurecht. Anstatt des Namens des Senders seht ihr mit VLC nur eine kryptische Zeichenfolge, den richtigen Sender zu finden, fällt somit so gut wie komplett flach.




Mit den FritzApp-TV-Apps fällt das Fernsehen auf Tablet oder Handy deutlich leichter. Die Android-Version findet den AVM FritzWLAN Repeater DVB-C automatisch im Netz. Klappt das nicht, tragt ihr die IP des Repeaters von Hand in den Einstellungen ein. Die App zeigt die zur Verfügung stehenden Sender in einer Übersicht an, per Fingerzeig wählt ihr aus dieser Übersicht euren Wunschsender an. In der Fußleiste findet ihr Informationen zum laufenden Programm. Tippt ihr im Player nochmal ins Bild, wechselt die TV-App ins Vollbild.
Zum Wechsel des Senders müsst ihr nicht zwingen wieder in den Hauptdialog der FritzApp-TV. Per Wischgeste nach links oder rechts zappt ihr durch die Sender. Der Senderwechsel benötigt allerdings ein paar Momente — Typisch für digitales Fernsehen. Wirklich ruckelfreie Streams bekommt ihr allerdings nur auf aktuellen Smartphones. Im Zusammenspiel mit einem älteren Samsung Galaxy Nexus oder auch einem aktuelleren Motorola Moto G stocken Bild und Ton des öfteren so stark, dass nur wenig Fernsehvergnügen aufkommen will.
Fazit
Mit dem AVM FritzWLAN Repeater DVB-C holt ihr Fernsehen auf euren Linux-Rechner oder euer Smartphone und Tablet, ohne dass ihr euch groß mit der Hardware beschäftigen müsst — natürlich arbeitet der Repeater auch mit Apple- oder Windows-Rechnern. Auch auf Bastelaktionen mit Flash oder Silverlight/Pipelight könnt ihr mit dem DVB-C-Repeater verzichten, da sich das AVM-Gerät als Alternative zu Internet-TV-Anbietern wie Magine TV oder Zattoo anbietet. Diese haben gegenüber dem DVB-C-Repeater lediglich nur noch den Vorteil, dass sie überall funktionieren und nicht nur in den eigenen vier Wänden. Obwohl der Repeater das TV-Bild mit maximal 720p zum Rechner streamt, reicht die Bildqualität in der Regel locker aus.
HINWEIS: Wer die Streams des AVM FritzWLAN Repeater DVB-C nicht nur auf dem Computer oder dem Smartphone sehen möchte, der muss seinen Laptop nicht zum Fernseher schleppen und versuchen des Bild des Rechners auf den TV zu bekommen. Die vom DVB-C-Repeater erzeugten Streams lassen sich auch mit dem Kodi Media Center empfangen. Dazu braucht es auch nicht viel Rechenpower, ein Raspberry Pi mit OpenELEC reicht aus.
In VLC oder einem Mediaplayer wie Totem oder Kaffeine geöffnet, verbraucht das Streamen des TV-Bilds kaum Ressourcen und bietet hohen Bedienungskomfort. Das VLC-Fenster lässt sich im Gegensatz zu einem Browserfenster ohne großen Aufwand in einer beliebigen Größe randlos auf dem Desktop anordnen — so leicht fällt dies bei den rein Internet-basierten Streaming-Diensten nicht. Dank des Dual-Tuners streamt der AVM FritzWLAN Repeater DVB-C sogar zwei verschiedene Sender zur gleichen Zeit ins Netz, sodass mehr als nur eine Person den TV-Empfänger nutzen kann.
Allerdings gibt es aber durchaus ein paar Haken: Da der DVB-C-Repeater nicht über einen CI+-Steckplatz verfügt, könnt ihr lediglich die öffentlich-rechtlichen Sender wie ARD, ZDF und die Dritten in HD-Qualität betrachten. Die privaten Sender rund um RTL, SAT1 oder PRO7 empfängt der Repeater selbstverständlich auch, allerdings ist das Signal der HD-Varianten dieser Sender mit einer Grundverschlüsselung versehen, sodass sie sich eben ohne eine CI+-Karte nicht betrachten und somit auch nicht mit dem AVM FritzWLAN Repeater DVB-C streamen lassen. Die Privaten gibt es daher eben nur in SQ-Qualität.





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