Ich muss AVM mal wirklich Lob zollen, meine FRITZ!Box 7390 ist nach über zwei Jahren Betrieb nach wie vor das Top-Modell unter den DSL-Routern von AVM. Eigentlich müsste man über den mageren Innovationstrieb des Herstellers schimpfen, doch AVM rüstet das Gerät über aktualisierte Firmwares mit immer mehr neuen Funktionen auf, so das eigentlich kaum Wünsche offen bleiben. Anfang Dezember wurde die neue Labor-Firmware 84.05.29-24162 von AVM freigegeben, mit der die 7390 nun lernt mit mehreren Benutzern umzugehen, Faxe zu versenden und im Zusammenspiel mit „intelligenten“ Steckdosen wie die FRITZ!DECT 200 den Stromverbrauch zu messen und Geräte über das Internet ab- und anzuschalten.
Mehrbenutzerbetrieb
Nachdem die FRITZ!Box immer mehr kann als „nur“ zu Routen, wurde es nötig ein Account-System auf der Box zu schaffen. Ihr könnt daher nun unter System -> FRITZ!Box-Kennwort neue Benutzer anlegen und bestimmen was diese dürfen. Für jeden User legt ihr so fest, ob er die FRITZ!Box Konfigurieren können soll, ob er auf Sprachnachrichten, die Faxe oder die Anrufliste zugreifen darf oder ob er Zugriff auf die angeschlossenen Festplatten haben soll. Ihr könnt aber auch alles so lassen wie es war und euch nach wie vor mit einem Passwort ohne extra User anmelden.

Anrufbeantworteransagen
Die FRITZ!Box-FON-Modelle haben schon immer einen integrierten Anrufbeantworter. Neu hinzugekommen ist jetzt die Möglichkeit eigene Ansagen auf die Box hochzuladen. Zudem könnt ihr jetzt die Aktivität des Anrufbeantworters über eine Zeitsteuerung regeln.

Faxe versenden
Das gute alte Fax ist ein Anachronismus unserer Zeit. Man braucht es so gut wie nie, aber wenn dann doch, dann findet man keine Möglichkeit eines zu verschicken. Die FRITZ!Box Fon kann schon länger Faxe empfangen, man bekommt sie nach dem vollständigem Empfang als Email zugeschickt. Nun aber kann die Box aux Faxe über eure Telefonleitung oder auch einen SIP-Anbieter (eine „richtige“ Telefonleitung braucht ihr also nicht) absenden.

Allerdings wollte die Funktion bei mir noch nicht wirklich, in meinem Test habe ich als SIP-Anbieter einen DUS.net-Account gewählt. Das Fax geht fast erfolgreich durch, bei 100% der Übertragung bricht die FRITZ!Box ab und meldet „Der Sendevorgang ist gescheitert(0x3311)“, meine Faxe sind aber letztendlich trotzdem angekommen. Ob es an der SIP-Leitung oder der neuen Funktion liegt, kann ich leider mangels eines herkömmlichen Telefonanschlusses nicht sagen.

Ein bisschen ärgerlich finde ich es, dass sich mit der neuen Fax-Funktion keine PDFs als Quelle nutzen lassen. Man kann nur Text von Hand eingeben oder ein Bild als zusätzlichen Fax-Angang eingeben. Der gebräuchlichste Use-Case wird wohl aber sein, dass man ein PDF hat, das man durchs Fax jagen möchte, hier sollte AVM noch ein bisschen nachlegen und auch PDFs unterstützen.
Smart Home
Die wohl spannendste Neuerung ist die Integration des „Smart Home Netzwerkes“. So nennt AVM seine Heimautomation. Den Anfang macht die Schaltsteckdose FRITZ!DECT 200, einmal gekoppelt könnt ihr die Steckdose über das Web-Frontend der FRITZ!Box ab- und anschalten. Die Signale und Daten werden dabei nicht via WLAN, sondern über wie bei einem schnurlosen Telefon mittels DECT übertragen. Dadurch hat das Gerät eine hohe Reichweite, ohne selber viel Strom zu schlucken.

So smart ist das in meinen Augen – und wohl auch in denen von AVM – noch nicht, so richtig smart wird die FRITZ!DECT 200 erst durch automatische Schaltfunktionen. So könnt ihr die Dose nach der Zeit, zufällig, rhythmisch oder aber nach dem Sonnenauf/-untergang schalten. Auf Wunsch kann man sich auch Termine in seinen Google-Kalender eintragen und diese von der Box auslesen lassen.

Das richtig Clevere ist allerdings in meinen Augen die integrierte Verbrauchsmessung. Sie loggt auch über einen längeren Zeitraum den Verbrauch der angeschlossenen Geräte mit, so dass man sehen kann was die angeschlossenen Geräte so schlucken. Die Daten kann man sich als nackte Zahlen ausgeben lassen, aber auch als Graph ansehen. Der Graph wird in Echtzeit aktualisiert, so dass man sich direkt ansehen kann, welche Geräte wie viel Strom kosten.

Ich hatte hier spasseshalber meinen Samsung ML-2851ND, mein Raspberry PI, eine Sonos WLAN-Bridge und eine Synology Diskstation mit zwei großen Platten an dem Adapter hänger. Man kann sehr gut das Abschalten der einzelnen Geräte erkenne. Würde ich alle 24/7 durchlaufen lassen, hätte ich Stromkosten von gut 100 Euro im Jahr. Jetzt wünsche ich mir nur noch einen USB-Notaus-Knopf, mit dem man die Dose übers Netz bequem ein und ausschalten kann, ohne sich durch das Web-Frontend hangeln zu müssen.






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