Ich hatte in der Vergangenheit ein paar mal über den TV-Streamingdienst VirtualSat geschrieben. Der Dienst machte über eine längere Zeit eigentlich einen sehr guten Eindruck. Man arbeitete an verschiedenen Anwendungen, selbst Linux hatte man auf dem Programm, es gab eine Android-App und mit VLC ließ sich das TV-Programm ebenfalls streamen. Sondertarife machten es sehr attraktiv den Dienst gleich für ein ganzes Jahr im voraus zu bezahlen. In der letzten Zeit häufen sich allerdings kritische Stimmen im Netz, Nutzer berichten von Ausfällen, das offizielle VirtualSat-Forum wird zuerst stark moderiert (man möge auch zensiert sagen), dann geschlossen und auch die Facebook-Seite verschwindet im Nirvana. Jetzt sind die Zugänge im Augenblick komplett abgeschaltet und auch die Webseite ist offline, was ist los mit VirtualSat?
Als VirtualSat im August 2011 an den Start ging, hatte ich mit dem CEO des Unternehmens persönlichen Kontakt. Da ich die Probleme rund um das TV-Streaming gut kenne, Zattoo streamt nicht ohne Grund nur ein ziemlich dünne Auswahl an Sendern nach Deutschland, war ich skeptisch was VirtualSat anbelangt. Hat das Unternehmen die entsprechenden Rechte und Lizenzen eingeholt? Man bestätigte mir, dass VirtualSat legal auf gesunden Füßen stünde, und man rechtlich alles abgeklärt hätte.
Auch die Lokalmedien Salzburger Nachrichten berichteten recht positiv vom Dienst. Dort erfährt man auch auch ein bisschen mehr über die Angestellten bzw. Partner des Unternehmens. Die Technik wird von VirtualSat wurde vom Unternehmen EDV-Himmelbauer installiert, eine „Satelliten-Farm“ wurde im Weinviertel bei Wien aufgebaut. Rechtliche Bedenken äußert der Autor nicht, es sieht eher danach aus, als ob VirtualSat expandieren möchte.
//PS: Zur technischen Funktionsweise von VirtualSat hatte Basic Thinking etwas, das ich hier an dieser Stelle kurz zitiere „Wie uns der Streaming-Anbieter mitteilte, sind innerhalb Europas Tausende Satellitenanlagen von Virtualsat aktiv, eine für jeweils 320 Kunden. Jeder Nutzer mietet sich in dem Sinne einen eigenen LNB-Anschluss, weshalb technisch keine Vervielfältigung von urheberrechtlich geschütztem Material vorliege.“
Schlammschlacht?
Von daher waren mir einige mir zugetragene Mails durchaus etwas suspekt, die von laufenden Gerichtsverfahren gegen das Unternehmen und Teilhaber schrieben, ohne diese allerdings zu belegen. Auf verschiedenen Blogs und Online-Plattformen — auch bei mir — tauchten auch immer wieder wortwörtlich die selben Kommentare auf, die von einer Luftnummer VirtualSat sprachen. Ob hier ein Insider schrieb, oder ein Rufmordkampagne gegen das Unternehmen gestartet werden sollte, war in meinen Augen nicht eindeutig.
Hinter den Kulissen tat sich im Unternehmen aber durchaus einiges, so wurde wohl der alte Geschäftsführer von einem Herrn Kasela Prema Ram abgelöst und auch der Sitz des Unternehmens zwischenzeitlich von Österreich nach Italien verlagert. Der alte Geschäftsführer scheint nach wie vor noch im Streaming-Business tätig zu sein, auf seinem Namen ist die Domain daily-stream.com registriert, dort finden sich Web-Streams zu diversen Fernsehsendern ohne eine Registrierung und ohne Kosten, Anwälte mögen bitte klären ob das Angebot legal betrieben wird.
Senderlizenzen?
Bezüglich VirtualSat habe ich bei sämtlichen deutschen Sendergruppen Anfragen gestellt, ob Verträge zwischen Sender und VirtalSat bestehen und das Unternehmen das TV-Bild ordentlich lizenziert hat. Leider habe ich nur von den Sprechern von ARD und RTL Antwort erhalten, die Aussagen decken sich allerdings in Teilen: Verträge zwischen den Sendern und VirtualSat gäbe es nicht. Besonders die RTL-Gruppe spricht eine deutliche Sprache, man klagt gegen die beiden Unternehmen TeleOne GmbH Österreich bzw. die TeleOne SRL Italien.
Ilka Steinhausen, ARD-Sprecherin:
VirtualSat, ist uns nicht bekannt. Generell vergibt die ARD keine Lizenzen an solche Internetdienste. Ob diese Dienste unsere Programme anbieten, entscheidet jedes Unternehmen selbst. Verpflichtend ist bei der Verbreitung unserer Programme, dass sich die Dienste an die rechtlichen Rahmenbedingungen (Urheberrecht etc) halten. Darum müssen sie sich in eigener Verantwortung kümmern.
Thomas Bodemer, Mediengruppe RTL:
Die Betreiber von Virtualsat nutzen die Sendesignale von Sendern der Mediengruppe RTL Deutschland in rechtswidriger Weise, da sie die für die von ihnen durchgeführte Weiterleitung dieser Signale an ihre Nutzer die erforderliche Zustimmung der Sender nicht eingeholt haben. Wir haben bereits rechtliche Schritte gegen die Betreiberfirma von Virtualsat, die TeleOne GmbH Österreich bzw. die TeleOne SRL Italien, eingeleitet und Klage auf Unterlassung erhoben.
Aktueller Stand?
Tickets: Wurden lange nicht bearbeitet, Streams: Gehen nicht, Webseite: Offline, Facebook-Seite: Abgeschaltet? Ich überlasse es euch eins und eins zusammenzurechnen. In der Facebook-Gruppe Virtual Satellite TV News haben sich einige ehemalige und aktuelle Kunden zusammengetan und auch bei Android-Hilfe.de finden sich Kunden, die ein Abo abgeschlossen haben, den Dienst aktuell aber nicht mehr nutzen können.
Ich persönlich habe versucht den aktuell VirtualSat-Geschäftsführer für eine Stellungnahme zu erreichen. Ich wurde vom Office des Unternehmens an den aktuellen CEO Herrn Ram verwiesen, der sich allerdings bis dato nicht mehr bei mir gemeldet hat. Es wäre in meinen Augen wirklich gut, wenn es mit VirtualSat weiter gehen würde — in rechtlich OK und zuverlässig — denn eigentlich braucht es so einen Dienst.
[UPDATE 12.02.2013] Lars hat ebenfalls seine Fühler ein bisschen in Sachen VirtualSat ausgestreckt und ist beim Webhoster mediainvent fündig geworden. Eine Anfrage an den Hoster ergab eine ziemlich klare Sachlage, die ich hier mal an dieser Stelle zitieren möchte.
mediainvent ist als Hostmaster für die Domain virtualsat.eu eingetragen und hat bis Montag, 11. Februar 2013, 12 Uhr, Hostingleistungen für die Betreiber von virtualsat.eu erbracht.
Aufgrund von unklaren Rechtsverhältnissen und Vertragspartnern (TeleOne GmbH / TeleOne SRL), offenen Forderungen und fruchtlosen Versuchen, diesbezüglich Kontakt aufzunehmen, waren wir gezwungen, die Dienstleistungserbringung für diesen Kunden einzustellen. Seit der Abschaltung erfolgte ebenso keine Kontaktaufnahme seitens der Betreiber von virtualsat.eu.
Sofern Sie einen Vertrag für die Nutzung von virtualsat.eu geschlossen haben empfehlen wir Ihnen, sich an jenes Unternehmen zu wenden, das die entsprechende Rechnung an Sie erstellt hat. Eventuell wird die E-Mail-Adresse office@virtualsat.eu gelesen, diese wäre in Betrieb.
Wer VirtualSat also noch erreichen möchte, der kann dies über die E-Mail-Adresse office@virtualsat.eu tun. Diese müsste nach wie vor zugestellt werden. Ob man über sie allerdings eine Antwort erhalten wird, steht wohl auf einem anderen Blatt.
[UPDATE 13.02.2013] In einer ersten Version des Artikel hieß es, dass Frau Eva-Maria Himmelbauer bei VirtualSat für PR und Marketing zuständig war/ist. Ich wurde von ihr inzwischen kontaktiert und sie hat die Information aus den Salzburger Nachrichten korrigiert, ich gebe Frau Himmelsbauers Mail in einem gekürzten Auszug hier wieder.
Zur Richtigstellung, ich bin in unserem Familienunternehmen (EDV-Himmelbauer, hier u.a. für PR & Marketing) tätig. Wir waren Technologiepartner der TeleOne und wurden mit dem Aufbau der Satellitenfarm in Retz beauftragt. Die Dienstleistungen wurden uns, wie auch Tätigkeiten anderer Partner, nicht abgegolten. Wir prüfen derzeit rechtliche Schritte.“
Die SN schreiben in einer Bildunterschrift „Entwickler von VirtualSAT, gemeinsam mit seiner Tochter Eva-Maria (im Unternehmen zuständig für PR und Marketing).“ Leider konnte man aus diesem Satz nicht herauslesen für welches Unternehmen die Tätigkeit gilt, da es im Artikel um VirtualSat ging, bin ich davon ausgegangen, dass es sich hier um den Streaming-Dienst handelt.
[UPDATE 14.09.2015: Der Artikel nannte in der ursprünglichen Form den Namen des ersten Geschäftsführers. Da es hier um das Unternehmen und seine Entwicklung geht, habe ich den Namen auf Wunsch der betroffenen Person entfernt.]




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