Mit der Übernahme von WhatsApp durch Facebook haben alternative und Ende-zu-Ende verschlüsselte Instant-Messaging-Apps wie Threema oder Telegram deutlich an Zulauf gewonnen. Beide Dienste haben jedoch gerade mit Blick auf Sicherheit und Privatsphäre einen wesentlichen Nachteil: Sie sind nicht durch und durch quelloffen. Threema ist komplett proprietär und bei Telegram ist nur der Client Open-Source-Software, der Server-Part liegt komplett in den Händen des Betreibers. Dabei gibt es eigentlich schon lange eine durchweg quelloffene, unabhängige, verteilt arbeitende und verschlüsselte Lösung: Jabber mit OTR-Verschlüssung! Mit Conversations gibt es dafür nun auch endlich eine Android-Lösung, die sich diesem Thema annimmt und dabei auch noch gut aussieht.
Jabber-Clients für Android sind nichts wirklich neues, im Play Store finden sich etwa mit Xabber, dem Simple XMPP Client, Jaxim oder Beem schon diverse XMPP-Clients (früher einmal Jabber genannt) für Android — diese machen aber schon alleine aufgrund ihrer nicht wirklich aktuellen Optik nur wenig her. Conversations hingegen arbeitet mit einer deutlich moderneren und zeitgemäßen Oberfläche im Stil der Hangouts-App von Google und integriert neben OTR-Verschlüsselung auch noch openPGP. Zudem ist Conversations unter der GPLv3 lizenziert und somit komplett freie Software.
Conversations ist Jabber für Android in schick
Conversations lässt sich bequem aus dem Play Store installieren, für den Servive müsst ihr die App für 1,99 Euro kaufen. Alternativ findet man Conversations jedoch auch im Open-Source-Market F-Droid. Von dort könnt ihr entweder die APK-Datei der App von Hand runterladen und aufs Handy schieben, oder aber ihr nutzt die F-Droid-App um Conversations ähnlich wie aus dem Play Store heraus zu installieren und aktuell zu halten. Der Quellcode von Conversations und auch Bugtracker zum Melden von Fehlern und Verbesserungsvorschlägen findet sich auf Github.

Im Gegensatz zu WhatsApp, Threema und Co. arbeitet XMPP/Jabber nicht mit einem zentralen Benutzerregister. Wie bei klassischer E-Mail legt man sich auf einem Jabber-Server eine Jabber-Adresse an, die man dann anderen Jabber-Usern zukommen lässt — diese müssen nicht den selben Jabber-Server nutzen. Bei Conversations füllt sich daher auch nicht die Kontaktliste automatisch mit den Freunden aus dem Adressbuch.
Installation über Google Play oder F-Droid
Das macht XMPP/Jabber natürlich ein wenig umständlicher als WhatsApp und Co. Das Nachrichtenprotokoll wird dadurch aber auch unabhängig von einer zentralisierten Architektur und es verhindert auch, dass die zwischen dir und deinen Kontakten ausgetauschten Nachrichten immer über einen — eventuell mitlauschenden — Mittelsmann laufen müssen. Es landet auch keine Liste mit allen gespeicherten Handy-Nummern beim Anbieter.

Wer noch keinen Jabber/XMPP-Account hat, der kann sich zum Beispiel beim Jabber-Server des Chaos-Computer-Clubs jabber.ccc.de eine Adresse holen. Dazu tragt ihr einfach unter Jabber-ID eure Wunschadresse und ein Passwort ein, und setzt dann unter „Register a new account on server“ einen Haken, schon ist der Account registriert — falls die Adresse noch frei sein sollte. Kleiner Tipp am Rande: Eure GMX-, Web.DE- und auch 1und1-Adresse fungiert automatisch auch als Jabber-ID! Mehr zu Jabber findet ihr beispielsweise auf einfachJabber.de…
Vom Funktionsumfang ist Conversations schon sehr weit, aber auch noch nicht ganz auf der Höhe anderer Messenger. Das Handeln der Accounts, Einzel- und Gruppenchats und auch das Verschlüsseln der Konversation mit OTR klappen gut, allerdings fehlt noch der Versand von Dateien — für Handy-User ist das natürlich eine nicht ganz unwichtige Funktion. So lassen sich aktuell mit Conversations keine Sprachnachrichten oder Bilder austauschen. Die Funktion steht allerdings schon auf der To-Do-Liste der Entwickler, sie soll mit Conversations 0.2 ausgeliefert werden.
Jabber für Windows, MacOS X und Linux
Der Vorteil von Jabber ist natürlich auch, dass man den Messaging-Dienst auch am PC nutzen kann. WhatsApp-User betteln um diese Funktion ja schon seit Anbeginn — geliefert hat WhatsApp nicht. Mit Gajim, Pidgin oder auch Miranda IM stehen — nur um mal drei Jabber/XMPP-Clients für den PC zu nennen — wunderbare Programme zur Verfügung, die sich auf Macs, Windows-PC und auch Linux-Kisten ohne Probleme installieren können. All diese Programme unterstützen auch die OTR-Verschlüsselung von Conversations.







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