Im Beitrag Die FRITZ!Box als Eierlegendewollmilchsau hatte ich angekündigt, mich etwas genauer mit der FRITZ!Box auseinanderzusetzen, dem möchte ich nun endlich einmal nachkommen: Ich gehe erst einmal die Telefonie-Funktionen der Fritz!Box an. Das Ziel soll sein, bequem und dennoch günstig zu telefonieren. Da wir hier sowieso schon Handys mit Flatrates ins Festnetz besitzen, haben wir beim Festnetzanschluss die günstigste Variante ohne eine Telefon-Flatrate gewählt, dafür gab es ein paar Mbit/s mehr ins Internet. Allerdings mussten wir uns daher eine Lösung für Gespräche nach Südamerika ausdenken.
Über Vor-Vorwahlen kann man ja theoretisch recht günstig dorthin telefonieren, doch bei Kabel-BW und so gut wie allen DSL-/Telefon-Anbietern außer der Telekom sind diese Nummern ja nicht nutzbar. Mit der FRITZ!Box und geschickt gewählten Anbietern versuche ich das dennoch: Günstig telefonieren, ohne dass man auf Komfort verzichten muss. Genauer gesagt sieht unser Telefon-Setup von den Diensten her aktuell wie folgt aus:
- Internet-Anschluss ohne Telefon-Flatrate bei Kabel-BW
- Schnurloses Festnetz-Telefon soll auch Gespräche über Internet-Telefonie Anbieter erlauben
- Festnetz-Rufnummer ohne monatliche Grundgebühren mit sipgate basic
- Quasi kostenlose Flatrate für Gespräche nach ganz Europa und USA und andere Länder mit JustVoip
Internettelefonie
Bislang hängt das Festnetztelefon am Kabel-Modem und kann auch nur über das Festnetz angerufen werden. sipgate und JustVoip&Co werden eigentlich nur über Call-Back bzw. über VoIP-Programme wie Ekiga, Blink und Co. benutzt. Mit der Box soll das Ganze nun bequem über das Telefon ablaufen, ohne dass man groß beim Telefonieren nachdenken muss, über welchen Anbieter nun telefoniert werden soll.
Noch kurz ein Wort zu Justvoip&Co: Der Telekommunikations-Reseller Dellmont Sarl betreibt unter zahlreichen Domains VoIP-Dienste. Hinter JustVoip, VoipBuster, Poivy und Co. steckt letztendlich immer wieder Dellmont Sarl. Die Dienste sind weitgehend identisch, allerdings variieren die Preise zum Teil deutlich. Ein Preisvergleich zwischen den unterschiedlichen Domains lohnt sich daher. Prinzipiell kann man diese Dienste auch nur mit dem Telefon verwenden, da JustVoip&Co. auch Callback auf einen normalen Telefonanschluss anbieten, allerdings ist das eben nicht gerade bequem. Des Weiteren bieten JustVoip&Co. auch sogenannte Freedays an, so dass man 120 Tage nach Aufladen des Guthabens kostenlos in zahlreiche Länder telefonieren kann.



Die Einrichtung der Telefon-Hardware wie auch der Telefondienste auf der FRITZ!Box geht relativ einfach. Das schnurlose Telefon wird einfach via DECT in die FRITZ!Box und nicht mehr bei der Basisstation des Telefons eingeloggt. Auch die VoIP-Accounts sind schnell eingerichtet, speziell bei Sipgate und anderen großen VoIP-Providern muss man nur den Anbieter auswählen und seine Zugangsdaten eintragen. Bei JustVoip ist es ein bisschen aufwändiger, doch nach ein bisschen Sucherei findet man auch auf deren Homepage die nötigen Zugangsdaten.
ffgtk (Fritz Fun) für GNOME
ffgtk aka Fritz Fun ist ein OpenSouce-Programm, um die FRITZ!Box unter Linux zu managen und sie in den Desktop integrieren zu können. Mit der Anwendung kann zum Beispiel das Adressbuch von Evolution mit der FRITZ!Box abgleichen, Faxe abschicken oder sich eingehende Telefonate signalisieren lassen. Für Ubuntu gibt es ein PPA mit der aktuellen Version von ffgtk, über das sich das Programm schnell installieren lässt.
$ sudo add-apt-repository ppa:stevi/ppa
$ sudo apt-get update && sudo apt-get install ffgtkWer noch bessere Integration in den Ubuntu-Desktop mit Notify-OSD Benachrichtigungen, monochromen Icons und Support für das Indicator-Applet sucht, der kann sich mal die gepatchte Version von Michael Otto ansehen. Allerdings basiert seine Variante auf das veraltete ffgtk 0.7.7, die bei mir deutlich schlechter lief und oft abstürzte. Leider hat er bislang auf meine Nachfragen nicht reagiert, ich gehe daher davon aus dass seine Motivation den Zweig zu pflegen eingeschlafen ist.
Laut dem Foren-Thread bei ubuntuusers.de sind aber Teile diese Änderungen schon in den Code von ffgtk gewandert und könnten mit der SVN-Version auch genutzt werden. Wer jedoch das Programm nicht selber bauen möchte, der muss auf das nächste Release von ffgtk warten. Apropos ubuntuusers.de, im Wiki der Community findet Ihr zahlreiche Informationen und Tipps zum Programm.



Abgleich der Kontakte von Google Mail mit der FRITZ!Box
Als Android-Benutzer möchte ich natürlich meine via Google Mail gepflegten Kontakte auch in der FRITZ!Box haben. Theoretisch/Praktisch müsste es möglich sein die GMail-Kontakte in Evolution einzubinden, das Adressbuch dann in ffgtk einzulesen und zu imporierten. Doch leider konnte ich keine Funktion finden das Adressbuch direkt zu importieren.
Von daher exportiere ich hin und wieder meine Kontakte via Contacts2FritzBox und importiere sie dann von Hand direkt in das Web-Frontend der FRITZ!Box. Sicherlich eine Quick&Dirty-Lösung, doch wer nicht all zu oft seine Kontakte ändert, kommt sicherlich damit zurecht.





Eingehende Anrufe werden von da an nicht nur mit der Nummer auf dem Display des schnurlosen Telefons angezeigt, sondern auch mit dem Namen des Anrufers. Ein Zugriff vom Telefon auf das Adressbuch der FRITZ!Box ist auch möglich, doch bei meinem alten Siemens-Telefon muss ich leider einen Umweg über die Menüs des Telefons machen. Die Telefonbuch-Taste bringt mich nur zum internen Telefonbuch, bei moderneren Siemens Gigasets* ist das wahrscheinlich besser gelöst.
FRITZ!App Fon für Android-Smartphones
Mehr oder minder praktisch ist auch die Android-Applikation FRITZ!App Fon (bzw. die Labor-Variante für Neugierige). Super begeistert bin ich von der Applikation nicht, so dass ich sie permanent auf meinem Desire laufen lassen würde. Doch hin und wieder ist sie recht praktisch. Ist der Akku des schnurlosen Telefons gerade leer und man muss dringend telefonieren? Telefoniert die Freundin seit Stunden und man möchte auch mal per Festnetz telefonieren? In solchen Fällen dient mir die App als praktische Backup-Lösung.



Fazit
Alles in allem bin ich mit der Lösung ziemlich zufrieden. Mit der kostenlosen Rufnummer bei Sipgate bin ich unabhängig vom Telefonanbieter und muss mich beim Wechsel des Anbieters nicht mit einer Rufnummernmitnahme rumschlagen. Die FRITZ!Box kombiniert alle Anbieter in einem Gerät, so dass man trotz einer Vielfalt an Anbietern und Möglichkeiten nichts an Komfort einbüßt. Es gibt noch ein paar Programme, die es wert wären einmal genauer angesehen zu werden. Um den Artikel nicht zu lange werden zu lassen verlinke ich hier an dieser Stelle nur. Vielleicht gibts später einmal weitere Tipps dazu: Dies wären THUNDER!Box und g2fbook.






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