Schon länger verzichte ich persönlich auf eine „richtige“ Telefonflatrate für mein Festnetz-Telefon. Stattdessen beziehe ich über meinen Telefonanbieter lieber eine schnellere Datenleitung zum selben Preis. Für längere Telefonate bin ich von daher auf Internet-Telefonie und SIP-Anbieter angewiesen, über die man dennoch kostenlos telefonieren kann (dazu später noch ein bisschen mehr). Ekiga als „das“ Standardprogramm für VoIP unter GNOME finde ich zwar ganz OK, doch in der letzten Zeit hat Blink deutliche Fortschritte gemacht, so dass ich euch das Programm einmal vorstellen möchte.
Vorweg möchte ich erstmal ein paar Begriffe aufgreifen und erläutern. Zu Hause nutzt man zwar gerne Internettelefonie, aber wenn, dann meistens über Skype oder andere proprietäre Protokolle. Von daher verliere ich gerne mal ein paar Worte zu SIP.
Was ist SIP?
Die Wikipedia beschreibt das Session Initiation Protocol (kurz SIP) als ein Netzprotokoll zum Aufbau, zur Steuerung und zum Abbau einer Kommunikationssitzung zwischen zwei und mehr Teilnehmern. In anderen Worten: Mit SIP-Clients (egal ob Hard- oder Software) können Audio- wie auch Video-Telefonate zu anderen SIP-Clients wie auch Festnetznummern aufgebaut werden. Neben Programmen wie Ekiga oder eben Blink, kann man SIP auch mit verschiedenen Hardware-Produkten nutzen. Vom SIP-Telefon bis zu den Fritz!Box-FON-Produkten, an die herkömmliche Telefone angeschlossen werden können.
Welche Anbieter?
Um mit SIP telefonieren zu können braucht es einen SIP-Anbieter. Der Markt bei diesen Anbietern ist leider ziemlich unübersichtlich. Jeder macht andere Preise, und ist irgendwo irgendwann wieder günstiger als die Konkurrenz. Eine gute Übersicht liefern die Vergleiche von onlinekosten.de oder billiger-telefonieren.de.
Persönlich habe ich gute Erfahrungen mit sipgate und JustVoip (sowie den Schwesterseiten VoipBuster und Co.) gemacht. Bei Sipgate habe ich eine kostenlose Ortsnetzrufnummer, über die man mich per Telefon erreichen kann und über JustVoip kann ich kostenlos in zahlreiche Länder der Welt telefonieren.
Anmerkung zu JustVoip und Co: Die Seiten von JustVoip sehen nicht gerade professionell und vertrauenserweckend aus. Allerdings hatte ich mit dem Anbieter noch keine Probleme. Der Deal bei JustVoip ist… Beim Aufladen von Guthaben bekommt man FreeDays für kostenlose Gespräche zu Festnetznummern in Deutschland, Europa, USA usw. geschenkt. Solange man noch solche FreeDays hat, kann man kostenlos telefonieren. Da ich sowieso öfters nach Ecuador telefoniere und JustVoip für das Land die günstigsten Tarife überhaupt hat, ist das für mich ein ganz guter Deal…
SIP-Programme?
Unter Linux gibt es eigentlich eine ganze Reihe ganz brauchbarer SIP-Clients. Der populärste ist sicherlich Ekiga, das unter Ubuntu eine ganze Zeit lang von Haus aus installiert wurde. Ekiga ist ziemlich leistungsfähig, so sind bspw. Video-Telefonate möglich. Allerdings stört mich die Oberfläche etwas, einige Stellen sind arg unglücklich gestaltet.
Blink
Nun zum eigentlichen Thema dieses Beitrages: Blink. Das Programm kommt meines Wissens nach ursprünglich vom Mac, wurde aber inzwischen mittels Qt für Windows und Linux portiert. Das Programm ist OpenSource und steht unter der GPL. Was mir als Android-Handy Benutzer besonders gut gefällt, ist die Möglichkeit die Kontakte aus Google Mail direkt in Blink einbinden zu können. So habe ich direkt alle meine Kontakte in Blink, ohne dass ich einen Umweg über etwa Evolution gehen muss.

Die Installation von Blink unter Debian/Ubuntu-Systemen ist eigentlich recht einfach, da die Entwickler entsprechende Paketquellen bereitstellen. Für die Installation von Blink muss zuerst der GPG-Schlüssel importiert werden. Sonst meckert die Paketverwaltung über den fehlenden Schlüssel…
$ wget http://download.ag-projects.com/agp-debian-gpg.key
$ sudo apt-key add agp-debian-gpg.key
…danach muss die Quelle in die Datei /etc/apt/sources.list eingetragen werden. Öffnet die Datei dazu mit einem Editor mit Root-Rechten und fügt je nach genutzter Distribution/Version die passenden Zeilen an das Ende der Datei ein. Die Quellen finden sich auf der Software Repositories Seite der Blink-Homepage. Abschließend müsst Ihr noch die Quellen neu einlesen lassen und Blink dann installieren…
$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get install blink
Ihr solltet dann unter „Anwendungen -> Internet“ den neuen Eintrag „Blink SIP-Client“ finden, über den Ihr das Programm nun starten könnt.
Nach dem ersten Start müsst Ihr natürlich erst einmal ein bestehendes SIP-Konto im Programm eintragen. Die entsprechenden Informationen findet Ihr mit Sicherheit irgendwo auf den Seiten eures SIP-Providers. Danach könnt Ihr unter „Tools“ noch euren Google-Account eintragen, so dass Blink die Kontakte aus Google einlesen kann.

Was mir neben der Möglichkeit, Google Contacts einzubinden, recht gut gefällt, ist die Möglichkeit den für ein ausgehendes Gespräch zu nutzenden SIP-Account über die Dropdown-Box am oberen Rand schnell umzuschalten, wie auch die Option aus dem Menü heraus das zu verwendende Audio-Gerät zu wählen. So kann man ohne groß in den Optionen basteln zu müssen bestimmen, ob das Gespräch nun über ein Headset oder das Mikro in der Webcam geführt werden soll. Abschließend noch die Pro/Cons von Blink im Überblick…
Pro…
- Es können mehrere SIP-Accounts genutzt werden
- Weitere SIP-Clients (egal ob Blink oder bspw. Ekiga) werden im LAN via Avahi/Bonjour gefunden
- Gespräche können aufgezeichnet werden
- Telefon-Konferenzen mit mehreren Teilnehmern möglich
- Integration der Google Contacts
- Windows-Version auf demselben Stand wie Linux-Version (Man muss das betonen, da es nicht viele freie SIP-Clients für Windows gibt.)
Contra…
- Kein Webcam-Support





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