Ich weiß nach wie vor nicht, ob ich mich über die beginnende Appifikation von Ubuntu freuen oder ärgern soll. Auf der einen Seite ist es immer gut, wenn Software in einem Betriebssystem einfach zu installieren ist, auf der anderen Seite ist es in meinen Augen fraglich, ob Ubuntu einen Markt für eventuell sinnfreie Mini-Apps braucht. Eine weitere Folge dieser Appifikation sieht man gerade beim quelloffenen Frontend für den cloudbasierten ToDo-Dienst Wunderlist. Den 6Wunderkindern scheint es wohl zu aufwändig zu sein, die Anwendung zu paketieren und sie direkt in die Quellen von Debian zu bringen, stattdessen geht man den „bequemen“ Weg und übermittelt die Anwendung als App an Canonical. Diese kann man daher neuerdings direkt aus dem Software-Center von Ubuntu installieren, sie muss jedoch zu einem Preis von 0 Euro gekauft werden.
Eigentlich sollte ich mich nicht beklagen, der Client-Teil von Wunderlist steht unter der Apache Public License, die fertige App wird für lau über das Software-Center „verkauft“ und anders als bei dem auf der Downloadseite von Wunderlist verfügbaren Tarball muss die Anwendung aus dem Software-Center nicht von Hand installiert oder gar selber in die Menüs eingetragen werden. Ich frage mich dennoch, warum Wunderlist nicht ganz normal über die Quellen installierbar ist?

Ist es für die Entwickler von Wunderlist zu aufwändig eine Anwendung in die Quellen von Debian zu bekommen? Findet sich kein Maintainer, der eine quelloffene, aber eindeutig kommerzielle Anwendung pflegen möchte? Ich persönlich habe nichts gegen Ubuntus Software-Center, ich finde, dass es schon lange überfällig war, dass ein Frontend für die Paketverwaltung geschaffen wurde, das den User und nicht den Admin im Auge hat.
Aber irgendwie müssen wir aufpassen, dass wir keine zwei Welten schaffen. Es ist nicht unmöglich, den quelloffenen Teil einer proprietären Cloud-Lösung in die Quellen von Debian zu bringen. Das Dropbox-Plugin für Nautilus ist schon länger in Debian und auch bald in den Quellen von Ubuntu zu finden. So ähnlich könnte das auch bei Wunderlist funktionieren, wenn man nur will.
Naja, nichtsdestotrotz kann man eben jetzt Wunderlist aus dem Software-Center heraus installieren. Allerdings nur unter Ubuntu Maverick 10.10 und Natty 11.04, wer schon auf Oneiric umgestiegen ist, der muss sich wohl noch ein bisschen gedulden bis Wunderlist dort eingepflegt worden ist. Lasst euch wie gesagt nicht durch den „Kauf“ verwirren, allerdings braucht ihr dadurch auf jeden Fall einen Ubuntu-Account, ohne diesen könnt ihr im Software-Center nichts kaufen.


Solltet ihr wie von mir beschrieben Wunderlist nach /opt installiert und von Hand einen Eintrag in die Anwendungsmenüs gesetzt haben, dann würde ich diese manuelle Installation im Vorfeld der Installation über das Software-Center löschen. Eure Daten und Einstellungen bleiben unberührt, da die Daten ja sowieso in der Cloud liegen und die Einstellungen in eurem Homeverzeichnis stecken.
$ sudo rm -rf /opt/wunderlist/
$ sudo rm /usr/share/applications/wunderlist.desktop






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